Weihnachtsaktion

Klettern macht Kinder mutig und selbstbewusst

| Lesedauer: 4 Minuten
Petra Götze
Kinder vom Verein Zuckerbaum klettern in der Halle des Deutschen Alpenvereins.

Kinder vom Verein Zuckerbaum klettern in der Halle des Deutschen Alpenvereins.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Der Verein Zuckerbaum kümmert sich um die gesunden Geschwister von schwer kranken Kindern. Sie müssen im Alltag oft zurückstecken.

Berlin. Die achtjährige Adele steht an einer der hohen Kletterwände in der großen Halle des Deutschen Alpenvereins nahe des Berliner Hauptbahnhofs. „Als nächstes will ich die 6- schaffen!“, sagt die Grundschülerin selbstbewusst und erklärt auch gleich, was das in der „Klettersprache“ bedeutet. „Die Zahlen stehen für die Schwierigkeitsgrade. Für die 6- muss die gelben Steine nehmen. Aber wenn ich das nicht schaffe, kann ich auch auf andere ausweichen“, erklärt sie.

Geschwister stehen oft im Schatten des kranken Kindes

Adele gehört zur Gruppe des Vereins Zuckerbaum, die einmal die Woche nachmittags für zwei Stunden in die Kletterhalle kommt. Die 12 bis 16 Kinder aus ganz Berlin haben alle etwas gemeinsam: sie haben einen Bruder oder eine Schwester, die lebensbedrohlich oder chronisch krank sind. „Diese Kinder müssen oft zurückstecken, weil die ganze Aufmerksamkeit der Eltern dem kranken Kind gilt. Aber hier bei den Kletternachmittagen geht es nur um sie,“, sagt Bianca Sommerfeld vom Verein Zuckerbaum, der im Winter das Klettern und im Sommer weitere Freizeitangebote auf einer großen Obstwiese bei Werder für gesunde Geschwisterkinder organisiert.

Betreut werden die Kinder im Alter zwischen 7 und 15 Jahren an diesem Nachmittag von den erfahrenen Kletterern Esther und Bastian, die sich ehrenamtlich um die Gruppe kümmern. Bevor es losgeht, müssen alle Kinder ihr Kletterzeug anziehen und sich in einer kleineren Halle aufwärmen. Esther gibt die Kommandos: bei „Sonne“ müssen sich alle auf den Rücken legen, bei „Wasser“ auf den Bauch. Dann geht es in Zweier-Teams an die Kletterwand. Ein Kind sichert am Seil, das andere klettert hinauf.

Beim Klettern geht es um Mut und Vertrauen

„Klettern macht mutig und stolz. Man lernt dabei, nicht aufzugeben“, sagt Esther Germain, die von Beruf Psychologin ist und schon lange mit dem zweiten Betreuer Bastian, ebenfalls Psychologe, gemeinsam klettert. Bei den kleineren Kindern sind die beiden dabei, wenn sie klettern, die Größeren sichern sich gegenseitig. „Da geht es auch darum, Vertrauen zu entwickeln. Zu anderen, aber auch zu sich selbst“, betont Esther.

Die Kinder nehmen teilweise weite Anfahrtswege auf sich, um in die Kletterhalle zu kommen. „Es macht mir großen Spaß hier“, sagt ein hochgewachsener 15-jähriger, der eine Stunde mit der Bahn aus Spandau zu den Kletternachmittagen fährt. Er und die anderen Kinder der Gruppe sind froh, dass sie nach den Einschränkungen während der Coronazeit wieder zusammen sein können. „Das war eine besonders harte Zeit für die Geschwisterkinder, da die Sorge vor einer Ansteckung zum Beispiel während der Chemotherapie eines krebskranken Kindes in der Familie natürlich besonders groß war“, sagt Bianca Sommerfeld.

Seit August finden die Kletternachmittage statt, die Gruppe ist inzwischen zusammengewachsen. Denn bei den Nachmittagen für die Geschwisterkinder geht es nicht nur ums Klettern. „Manchmal spielen wir auch nur. Die Kinder bestimmen das Programm. Wir reden auch immer, über ihre Ängste und was die Kinder bewegt, wenn Bruder oder Schwester gestorben sind“, sagt Esther. Die große Altersspanne der Gruppe sei dabei ein Vorteil. „Die Größeren erzählen, wie sie damit umgehen und wie ihre Erfahrungen sind. Die jüngeren Kinder trauen sich dann auch, über ihre Gefühle zu sprechen“, hat die Betreuerin beobachtet.

„Das Zusammensein in der Gruppe und das Klettern gibt den Kindern ganz viel Kraft und Zuversicht für ihren Alltag“, sagt Bianca Sommerfeld. Die achtjährige Adele ist jedenfalls fest entschlossen, die
nächste schwierigere Klettertour zu bewältigen. „Wenn nicht heute, dann beim nächsten Mal“, sagt sie.

Die Kletternachmittage für Geschwisterkinder des Vereins Zuckerbaum ist eines der Projekte, die wir mit der Weihnachtsaktion „Schöne Bescherung“ unterstützen möchten.

Spenden für die Weihnachtsaktion:

Berliner helfen e. V.
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