Neukölln

Wie ein Bäumegießer das Ehrenamt revolutioniert

| Lesedauer: 2 Minuten
Charlotte Bauer
Sebastian Herges verteilte am Sonnabend in Neukölln Plakate, um für seine Initiative „Berliner BäumeWässerer“ zu werben.

Sebastian Herges verteilte am Sonnabend in Neukölln Plakate, um für seine Initiative „Berliner BäumeWässerer“ zu werben.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Sebastian Herges wirbt in Neukölln für seine ehrenamtliche Initiative, die Bäume zu bewässern. Dabei geht er neue digitale Wege.

Berlin. Sebastian Herges will das Ehrenamt revolutionieren. Coronabedingt sei es schon seit Langem schwierig, Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen, die neue 2G-Plus Regelung habe die Situation nochmals verschärft, sagt er. Zusammenkünfte in Cafés seien dadurch komplizierter geworden.

„Das soziale Miteinander fehlt“, sagt der 42-Jährige aus Neukölln. Auch seine Initiative „BerlinerBäumeWässerer“ leide unter der aktuellen Situation. Deshalb hat Herges jetzt eine Plakataktion ins Leben gerufen, womit er für das Ehrenamt einen digitalen Raum schaffen will, der für alle leicht zugänglich ist.

Mehr Menschen für das Ehrenamt motivieren

Am Sonnabend war der Auftakt. Um so viele Menschen wie möglich zu erreichen, verteilte Herges in Neukölln rotleuchtende Plakate mit einem großen QR-Code in der Mitte. Wer diesen scannt, gelangt automatisch zu seiner öffentlichen Facebook-Gruppe und kann sich mit anderen Ehrenamtlichen austauschen.

Aktuell sind 415 Mitglieder in der Gruppe aktiv. Herges erhofft sich von der Aktion, noch mehr Menschen für das Ehrenamt zu motivieren. „Momentan fühlt es sich an wie ein Sorgentelefon, bei dem der Akku leer ist“, sagt Herges.

Auch das Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen solidarisiert sich mit der Initiative und habe bereits zugesagt, auch in ihren Häusern in den Schaukästen die Plakate auszuhängen.

Bezirksbürgermeister Martin Hikel ehrte Engagement

Mit der Aktion will Herges jedoch nicht nur auf die Relevanz der ehrenamtlichen Arbeit aufmerksam machen, sondern auch auf den Klimaschutz. Nachdem das Grünflächenamt von Neukölln vor rund vier Jahren um Hilfe von Anwohnerinnen und Anwohnern beim Bewässern der Bäume im Bezirk bat, gründete er zusammen mit Lukas Jülich die Initiative „BerlinerBäumeWässerer“.

Seitdem treffen sie sich jeden ersten Sonnabend im Monat und kümmern sich um rund 100 junge Stadtbäume in ihrer Nachbarschaft rund um die Blaschkoallee in Neukölln.

Mit ihren Bewässerungsaktionen wollen sie jedoch nicht nur das Neuköllner Stadtgrün erhalten, sondern die Menschen auch auf übergreifende Themen wie den Klimawandel, Umweltschutz und zunehmende Trockenheit aufmerksam machen. „Das ist eines der wichtigsten Themen in der heutigen Zeit“, sagt Herges.

Im Frühjahr soll es weitergehen - auch in anderen Bezirken

Für ihr Engagement wurden sie vor Kurzem bereits zum zweiten Mal auch von Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) mit einer Urkunde ausgezeichnet. Herges freut sich über diese Anerkennung.

Im kommenden April, wenn der Frühling los geht und die öffentlichen Wasserpumpen wieder funktionieren, will die Initiative wieder durchstarten. Der Plan ist, die Aktion auch in andere Bezirke auszuweiten, wie etwa nach Tempelhof-Schöneberg, verrät Herges.