Berliner helfen

Osterspaß im Haus Jona in Staaken

| Lesedauer: 4 Minuten
Petra Götze
Vorfreude auf Ostern im Garten von Jonas`s Haus.

Vorfreude auf Ostern im Garten von Jonas`s Haus.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Im Haus Jona finden Kinder und Jugendliche Platz zum Spielen und Lernen. Ihre Familien erhalten Unterstützung in der Corona-Krise.

Nur zehn Kinder toben durch den großen Garten hinter dem alten Schulhaus in Staaken. „Mehr dürfen wegen der Corona-Beschränkungen leider im Moment nicht kommen“, bedauert Svetlana Nejelscaia, die pädagogische Leiterin vom Haus Jona, einer Betreuungseinrichtung für Kinder und Anlaufstelle für Familien aus finanziell schwachen Verhältnissen in Spandau. Die Kinder sausen mit Fahrrädern, Go-Carts und Inline-Skates die asphaltierte Piste herunter, werfen Bälle in den Korb, schaukeln so hoch sie können oder sitzen an langen Holzbänken und basteln Osterkörbchen. Alle tragen Masken - nur für die Fotografen dürfen sie einen Moment abgenommen werden.

Kinder werden ängstlich durch die Kontaktbeschränkungen

„Die Kinder sind so glücklich, dass sie hier sein dürfen. Jedes darf nur zwei- oder dreimal die Woche kommen und sie kennen ihre Zeiten ganz genau“, sagt Angelika Bier, ehemalige Professorin der Charité und gemeinsam mit ihren verstorbenen Mann Gründerin vom Haus Jona. Sie beobachtet mit Sorge, wie sich die anhaltenden Kontaktbeschränkungen und das Home-Schooling auf „ihre“ Kinder auswirken. „Die Kinder aus den Flüchtlingsfamilien sprechen kaum noch deutsch, sind ängstlich, gehen kaum noch raus. Ihnen fehlt das Spielen mit anderen“, sagt sie.

Einzelbetreuung ist erlaubt

Die Projekte mit den umliegenden Grundschulen, bei denen gekocht, experimentiert und musiziert wird, sind seit dem zweiten Lockdown ausgesetzt. In der Vorschulgruppe werden zur Zeit jeweils drei Kinder für ein paar Stunden vormittags und nachmittags betreut, Frühstück und Mittagessen eingeschlossen. „Wir wollen die Kinder zur Einschulungsreife bringen. Wir üben mit ihnen ihren Namen und Zahlen zu schreiben und dann geht es hinaus in Garten“, berichtet Franziska Laudage, die Leiterin der Vorschulgruppe.

Betreut werden im Haus Jona aber nicht nur die Kinder, sondern ganze Familien aus den Flüchtlingsunterkünften in Spandau und aus den sozialen Brennpunkten im Gebiet Heerstraße Nord. Mit dem Wegfall des Kita- oder Schulessens - auch das Mittagessen im Haus Jona musste eingestellt werden - und dem Verlust des Arbeitsplatzes oder dem verringerten Lohn wegen Kurzarbeit kamen viele Familien in materielle Not. Seit der Corona-Krise gibt es eine Lebensmittelausgabe am Zaun vor dem Haus. Ebenfalls dort am Zaun entstanden täglich Beratungs-, Übersetzungs- und Gesprächsangebote für Eltern, die sich überfordert und hilflos fühlten.

Über das Handy und Whatsapp-Gruppen halten die Pädagogen vom Haus Jona Kontakt zu den Familien, um Konflikte rechtzeitig zu erkennen. „Wir haben digital und am Telefon gemeinsam Hausaufgaben gemacht und beim Homeschooling begleitet. Denn gerade Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien waren damit maßlos überfordert“, sagt Angelika Bier.

Videos bieten Spaß und Abwechslung

Um den Kinder und Jugendlichen im Lockdown nicht nur Hausaufgabenhilfe, sondern auch Abwechslung und Spaß zu bieten, gibt es täglich ein Jona’s Video mit Koch- und Bastelanleitungen, das Material dafür kann kostenlos am Zaun abgeholt werden. Am schönsten ist es aber für die Kinder, wenn sie gemeinsam mit anderen im Garten toben oder zusammen basteln können. Auch die neunjährige Shaimaa und und ihre achtjährige Schwester Jana zeigen dem Fotografen stolz ihre selbstgefertigten Osterkörbchen und Osterkarten mit guten Wünschen für die Nachbarn vom Haus Jona.

Unterstützung durch Spenden von Morgenpost-Lesern

Im Neubau hinter dem Garten ist eine Wohngruppe für acht Kinder im Alter von acht bis 17 Jahren untergebracht. Kinder, die vom Jugendamt aus ihren Familien genommen wurden, damit sie eine Chance bekommen, sich normal zu entwickeln. „Es sind teilweise unvorstellbare Verhältnisse, aus denen diese Kinder kommen. Sie brauchen sehr viel Liebe, Verständnis und Aufmerksamkeit“, sagt Angelika Bier. Die bekommen sie im Haus Jona auch von ehrenamtlichen Helfern wie der Sängerin und Musikerin Jocelyn B. Smith, die immer Donnerstags zum Musik-Unterricht kommt. „Es macht die Kinder so stolz, wenn wir gemeinsam am Klavier improvisieren“, sagt sie. Das Haus Jona wird seit seiner Gründung mit Spenden von den Lesern der Berliner Morgenpost unterstützt. „Dafür bin ich unendlich dankbar“, sagt Angelika Bier.