Schutzengelwerk

Laptops für den Unterricht Zuhause

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Yvonne Kabel mit Tochter Marie im Schutzengelhaus in Steglitz.

Yvonne Kabel mit Tochter Marie im Schutzengelhaus in Steglitz.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Das Schutzengelhaus in Steglitz organisiert Technik für das Home-Schooling und hilft Kindern im Lockdown.

Berlin. Marie schaut sich erst einmal neugierig um. Aber es sind außer ihr an diesem Donnerstagmittag keine anderen Kinder im Schutzengelhaus in Steglitz. „Wir haben seit Weihnachten geschlossen und uns noch nicht getraut, wieder aufzumachen“, bedauert Bianca Sommerfeld, Geschäftsführerin beim Schutzengelwerk, dem Träger des Hauses. Bis Corona kam tummelten sich in dem großen offenen Raum tägliche bis zu 35 Kinder nach der Schule. Gemeinsam mit den Pädagogen, Erziehern und Mitarbeitern wurde gebastelt, gespielt, gekocht und natürlich auch bei den Hausaufgaben geholfen.

Marie kommt gern zum Basteln oder Malen

Auch die elfjährige Marie kam gern zum Malen und Basteln, oder zum Ausflug ins Schwimmbad am Sachsendamm. „Das hat mir so viel Spaß gemacht“, sagt sie. Seit der Wiedereröffnung der Schulen besucht sie im Wechselunterricht die Dunant-Grundschule in Steglitz, eine Woche an drei Tagen, die nächste Woche an zwei Tagen. „Da muss man schon aufpassen, dass man nicht durcheinander kommt“, meint ihre Mutter Yvonne Kobel, die bis zum erneuten Lockdown in der Gastronomie tätig war.

Laptops für das Home-Schooling gespendet

Danke einer Spende von Berliner helfen im Rahmen der Corona-Aktion „Wir helfen Helfern“ kann das Schutzengelwerk Laptops und Drucker für die Familien organisieren, die sich solche Anschaffungen nicht ohne weiteres leisten können oder durch die Beschränkungen und Schließungen wegen der Pandemie arbeitslos geworden sind. Das Home-Schooling stellt gerade Familien mit mehreren Kindern vor Herausforderungen. „Manche machen die Schulaufgaben am Handy, oder müssen die Aufgaben in der Schule abholen und wieder zurückbringen“, erzählt Bianca Sommerfeld. Einige Schulen stellen Laptops oder Tablets leihweise zur Verfügung, allerdings müssten diese morgen um 8 Uhr abgeholt und abends vor 18 Uhr wieder zurückgebracht werden, berichtet sie.

Das Lernen zu Hause ist schwerer

Marie hat Glück, sie kann ihre Aufgaben an dem Laptop, den sie vom Schutzengelhaus bekommen hat, erledigen. „Aber das Lernen ist hundertmal schwerer als in der Schule“, sagt die Elfjährige. Trotzdem muss sie viele Tests schreiben. In ihrer Freizeit spielen sich die sozialen Kontakte seit den Kontaktbeschränkungen auch nur online ab. Am Laptop spielt sie mit Freundinnen gemeinsam Computerspiele, chattet über das Handy und telefoniert fast täglich mit ihrer gleichaltrigen Cousine Ayleen. „Neulich haben wir uns getroffen und sind zusammen in einen Schreibwarenladen gegangen, das war toll“, erzählt Marie und ihre Augen leuchten über der Maske.

Ihre Mutter Yvonne Kobel sieht die Entwicklung der Infektionszahlen mit Sorge: „Vielleicht wurden die Schulen zu früh wieder aufgemacht? Die Kinder sitzen mit Jacke und Schal im kalten Klassenzimmer mit Masken. Und die Toiletten sind in einem fürchterlichen Zustand, dabei sollen sie sich dauernd die Hände waschen“.

„Die Kinder sind die großen Verlierer in der Coronakrise. Eigentlich sollen sie raus und die Welt entdecken, aber die ganze Leichtigkeit und Lebendigkeit ist verschwunden“, meint Bianca Sommerfeld und erzählt von früheren Ausflügen mit dem Tretboot und anschließenden Burger-Essen.

Etwa 50 Familien werden vom Schutzengelhaus begleitet. „Wir telefonieren regelmäßig, fragen nach Problemen und wo wir helfen können“, sagt Bianca Sommerfeld. Ins Schutzengelhaus kann momentan nur immer ein Kind für zwei Stunden zur Einzelbetreuung kommen. „Da hören unserer Mitarbeiter genau zu, was das Kind braucht: Ablenkung, jemanden zum Herz ausschütten oder Hilfe in der Schule“, sagt sie und erzählt von einem Jungen, der gern Kuchen backt - mit Regina Kieler, einer fünffachen Großmutter und der guten Seele des Schutzengelhauses. Zu der möchte auch Marie wieder kommen. „Wann macht ihr wieder auf?“, fragt sie.

Das weiß Bianca Sommerfeld nicht. Für Ostern werden statt des traditionellen großen Osterfrühstücks im Schutzengelhaus, das schon im vergangen Jahr ausfallen musste, wieder bunte Tüten mit Süßigkeiten und kleinen Überraschungen für die Familien gepackt. „Die bringen wir dann vorbei. Ein kleine Aufmunterung muss in diesen Zeiten einfach sein“, findet Bianca Sommerfeld.

Schutzengelwerk für Kinder und Tiere

Der Träger des Schutzengelhauses in Steglitz ist das Schutzengelwerk. Die gemeinnützige GmbH wurde im Jahr 2013 in privater Initiative auf der Idee gegründet, dass jeder junge Mensch ein Anrecht auf Bildung, Gesundheit und Förderung hat. So stehen vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die unter sozial benachteiligten Lebensumständen aufwachsen, im Mittelpunkt der Aktivitäten. Der zweite Schwerpunkt sind Tierschutzprojekte basierend auf dem Gedanken, dass jedes Lebewesen Respekt und Unterstützung verdient. Nach Möglichkeit werden beide Anliegen miteinander verknüpft.

Das Schutzengel-Haus in Steglitz, Bismarckstr.63 Ecke Friedrichsruher Straße, 12169 Berlin steht allen Kindern offen. Kontakt und Infos Tel. (030) 897 32 755 und unter www.schutzengelwerk.de