Berliner helfen

Gute Verbindung auch in Corona-Zeiten

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Am 10. Februar 2021 sitzt die Schülerpatin Nicole Lisson vom Verein Pasch in ihrer Berliner Wohnung. Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Am 10. Februar 2021 sitzt die Schülerpatin Nicole Lisson vom Verein Pasch in ihrer Berliner Wohnung. Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Beim Projekt Pasch werden ehrenamtliche Patenschaften für Schüler trotz der Kontaktbeschränkungen vermittelt.

Patin Claudia und die kleine Emmely sitzen bei ihrem dritten Kennenlerntreffen in der Fabrik Osloer Straße und sprechen über ihre Wünsche und was sie miteinander unternehmen wollen. Emmely würde gern Klavier spielen lernen, Claudia erzählt ihr, dass sie schon seit Jahren Klavier spielt und es Emmely beibringen kann. Und im Seminarraum der Fabrik Osloer Straße steht tatsächlich ein Klavier, so dass die beiden beschließen, sich beim nächsten Treffen daran zu setzen und zu üben.

So oder ähnlich verliefen die persönlichen Kennenlerntreffen im Projekt PaSch, das seit elf Jahren erwachsenen ehrenamtliche Paten für Grundschulkinder aus dem Wedding vermittelt. Doch dann kam Corona und der Lockdown, so dass persönliche Treffen nicht mehr möglich waren. „Aber gerade jetzt brauchen die Kinder und Familien im Kiez, die oft zu den sozial und ökonomisch Benachteiligten gehören besonders dringend Unterstützung“, sagt Viola Hoppe vom Verein Fabrik Osloer Straße, dem Träger des Projekts.

Nachdem in der ersten Jahreshälfte 2020 nur sehr einzelne neue Patenschaften vermittelt wurden, haben sich inzwischen viele junge Freiwillige gemeldet, die sich ehrenamtlich für ein Kind engagieren wollen.

Eine von ihnen ist die 30-jährige Nicole Lisson aus Wedding. Die Studentin der Biologie war drei Jahre als Lesepatin an einer Grundschule aktiv und hat nach einer neuen ehrenamtlichen Aufgabe gesucht. „Bei der Freiwilligenberatung in der Fabrik Osloer Straße bin ich dann im letzten Jahr auf das Patenschaftsprojekt gestoßen und habe an einem Workshop Teilgenommen“, erzählt die 30-Jährige. Nach dem erneuten Lockdown hatte sie damit gerechnet, dass es erst im Laufe dieses Jahres mit einer Patenschaft losgehen würde. „Aber dann war ich positiv überrascht, als ich im Januar mit einem 10-jährigen Jungen gematcht wurde“, berichtet Nicole Lisson.

„Bei den Familien aus dem Soldiner Kiez gibt es großes Interesse an Unterstützung für ihre Kinder. Mit Homeschooling und mehreren Kindern in kleinen Wohnungen ist die Situation schwierig. Oft können auch die Eltern ihre Kinder nur wenig unterstützen, da ihnen Sprachkenntnisse fehlen“, sagt Viola Hoppe. Seit Oktober 2020 wurden die Aktivitäten des Projektes auf Online-Formate umgestellt. Ein Vorbereitungsworkshop fand online statt, und auch die Aufnahmegespräche mit den Familien und die Kennenlerntreffen zwischen Patin oder Pate und Kind finden mittlerweile online statt.

In den Familien wird meist ein Smartphone benutzt, einzelnen Familien kann PaSch ein gespendetes Tablet leihweise zur Verfügung stellen, das dann auch für schulische Zwecke genutzt werden kann.

Nicole Lisson hat ihren Patenjungen über Videocall kennengelernt. Seine Mutter und zwei Mitarbeiter von Pasch waren die ersten Male dabei. Die Treffen finden mithilfe von Messenger-Apps statt, auf die sich alle Beteiligten einigen können. Den Familien wird zuvor erklärt, wie die digitalen Treffen funktionieren. Es gibt insgesamt fünf von PaSch begleitete Treffen. Dann klinken sich die PaSch-Mitarbeiterinnen und die Eltern aus, Patin und Kind verabreden sich allein zum Videochat. Beim fünften Treffen wird den Familien die Patenschaftsvereinbarung erklärt, die dann Patin und Familie unterschreiben.

Nicole Lisson trifft sich inzwischen zweimal in der Woche für 45 Minuten am Handy. „Wir besprechen die Schulaufgaben, arbeiten zusammen mit Lern-Apps. Letztes Mal haben wir Pantomime gespielt oder er zeigt mir seine selbst gemalten Bilder“, erzählt sie. Ihr Patenkind freut sich schon auf gemeinsame Ausflüge, möchte Skateboard fahren lernen und Fußballspielen gehen. „Wir haben uns schon ganz gut kennengelernt, das Vertrauen ist da und wir lachen viel zusammen am Handy“, sagt die Patin. Ab dem Frühjahr werden hoffentlich auch für die Patenschaftstandems wieder persönliche Treffen möglich sein – draußen mit Abstand und Maske. „Bis dahin klappt Kontakt per Handy besser als ich dachte“, sagt Nicole Lisson.

Patenschaften für Schulkinder

Die Deutschkenntnisse von Kindern in Migrantenfamilien haben in vielen Fällen während der Schulschließungen nachgelassen, da die Schule oft der einzige Kontakt zur deutschen Sprache war, und die Kinder in der Schule auch besondere Sprachförderung erhalten. Ehrenamtliche von Patenschaftsprojekten wie PaSch unterstützen die Kinder beim Homeschooling, bieten ihnen aber auch Ablenkung und positive Begleitung nicht nur im Lockdown-Alltag.

Das PaSch-Projekt feiert in diesem Jahr sein 11-jähriges Bestehen und wird auch von Berliner helfen e.V. unterstützt. Zum 11. Geburtstag haben ehemalige und aktuelle Paten und Patenkinder ihre Erinnerungen und Erfahrungen mit dem Projekt geteilt, zu sehen sind sie HIER.