Berliner helfen

Unterwegs zu Menschen, die auf der Straße leben

Vier Kältebusse der Berliner Stadtmission fahren in diesem Winter durch die Nacht. Sie versorgen Menschen, die auf der Straße leben

Kältebus der Stadtmission mit Fahrer Oliver Stemmann

Kältebus der Stadtmission mit Fahrer Oliver Stemmann

Foto: Berliner Stadtmission

Berlin. In diesem besonderen Corona-Jahr werden statt zwei nun vier Kältebusse der Berliner Stadtmission durch die Nacht fahren. Sie versorgen Menschen, die auf der Straße leben mit einer heißen Suppe, transportieren sie in Notunterkünfte und geben Isomatten und Schlafsäcke aus oder versorgen sie mit Verbänden und Medizin. Sie sind Teil der Berliner Kältehilfe, die auch von Berliner helfen e.V., dem Verein der Berliner Morgenpost jedes Jahr unterstützt wird, um Menschen vor dem Erfrieren zu retten.

Angst vor Virus-Ansteckung in den Notunterkünften

„Allerdings gehen wir davon aus, dass wir in dieser Saison weniger Menschen transportieren und mehr Schlafsäcke ausgeben werden“, erklärt die Initiatorin des Kältebusses und Leiterin des Fachbereiches Wohnungslosenhilfe, Karen Holzinger. Viele würden aus Angst vor dem Corona-Virus die Gemeinschaftsunterkünfte meiden.

Arztmobil rollt zu den Obdachlosen

Zusätzlich zu den beiden Kältebussen sind ein Suppenbus und eine Straßenambulanz zweimal in der Woche zwischen 19 und 23 Uhr unterwegs. Der große Ambulanz-Transporter ist geräumig und barrierefrei zugänglich. Rollstuhlfahrer können per Rampe in den Bus gefahren, dort versorgt oder zu weiterführenden Hilfen transportiert werden. Der Straßenambulanz-Bus funktioniert wie ein normales Arztzimmer: Die Mitarbeiter suchen nach den Ursachen für die Schmerzen und behandeln, was sich unkompliziert behandeln lässt. Im Inneren des Fahrzeugs ist es ruhig und hell, mit einer Sitzgelegenheit für die Patienten neben Geräten und Verbandsmaterial, einem Schrank voller Medikamente und einem kleinen Waschbecken mit fließend warmem Wasser. „Wir kommen zu den Patienten, weil es vielen Leuten schwer fällt, in herkömmliche Ambulanzen zu kommen“, weiß Svetlana Krasovski-Nikiforovs. Sie leitet tagsüber die Ambulanz der Berliner Stadtmission an der Lehrter Straße. Dort können sich Menschen ohne Obdach und ohne Krankenversicherung kostenfrei medizinisch versorgen lassen.

Zum „Mediteam“ gehören auch ehrenamtlich tätige Medizinstudierende, Ärztinnen und Ärzte und Pflegerinnen und Pfleger. „Wir kleben Pflaster auf Platzwunden, entfernen Maden aus offenen Beinen und machen Stützverbände“, erklärt Svetlana Krasovski-Nikiforovs. Tausende von Wundauflagen und viele Kilometer Verbandsmaterial verbraucht die Stadtmission jedes Jahr. Bei Bedarf gibt das Team der Straßenambulanz auch schmerzstillende Medikamente aus. Und weil die Nächte jetzt kälter werden, bietet Svetlana Krasovski-Nikiforovs mit ihrem Team einfühlsame Gespräche, heißen Tee und warme Suppe an. „Wenn wir Suppenterrinen ausgeben, dann sind die heiß begehrt und ganz schnell alle“, sagt sie. Warme Anziehsachen, Isomatten und Schlafsäcke finden ebenfalls reißenden Absatz. „Leider haben wir aktuell kaum Schlafsäcke, die wir verteilen können“, gibt sie zu.

Suppenbus bringt heiße Suppe

Die begehrte heiße Suppe bringen ehrenamtliche Helfer auch mit dem neuen Suppenbus. Sie suchen schwerpunktmäßig einzelne Obdachlose an ihren Schlafplätzen auf, um sie mit einem warmem Essen zu versorgen, ihnen die Möglichkeit zu bieten, die Hände zu waschen und geben Wasserflaschen aus. Trotz der Kälte wollen viele Obdachlose nicht einen der 1000 Plätze in einer Notunterkunft in Anspruch nehmen. Sie fürchten sich vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus oder haben psychische Probleme. Viele sind in einem schlechten Gesundheitszustand, können nicht mehr weit laufen oder wollen ihren Stammplatz nicht aufgeben.

Spenden für die Kältehilfe

Die Berliner Stadtmission bittet dringend darum, Schlafsäcke zu spenden. Wer Schlafsäcke, warme Männerkleidung oder Turnschuhe abgeben möchte, kann diese jederzeit in die Kleidercontainer in der Lehrter Straße 68 nahe dem Hauptbahnhof ein werfen.

Aktuell geht die Berliner Stadtmission von mehr als 2000 Obdachlosen ohne feste Unterkunft aus. Auch der Wärmebus vom Deutschen Roten Kreuz ist jede Nacht in Berlin unterwegs. Unter der Telefonnummer (030) 600 300 1010 kann man den Wärmebus rufen, um auf hilfsbedürftige Obdachlose aufmerksam zu machen. Berliner helfen e. V. unterstützt die Hilfe für die Obdachlosen. Wer spenden möchte:

Berliner helfen e. V.
Stichwort: Kältehilfe IBAN: DE69 1002 0500 0003 3071 00
BIC: BFSWDE33BER

Für eine Spendenbestätigung bitte Name und Anschrift bei der Überweisung angeben.