Aktion Warmes Essen

Kältehilfe in Zehlendorf gibt Lunchpakete aus

In der Evangelischen Paulusgemeinde in Zehlendorf ist die „Aktion Warmes Essen“ gestartet, etwas anders in der Corona-Krise.

Claudia Huthmann, Heike Erpel  und Cornelia Krop (v.l.) bei Ausgabe der Lunchpakete in der Pauluskirche.

Claudia Huthmann, Heike Erpel und Cornelia Krop (v.l.) bei Ausgabe der Lunchpakete in der Pauluskirche.

Foto: Katrin Lange

Kurz vor zwölf Uhr muss es schnell gehen. Gleich beginnt die Ausgabe. Seit einer Stunde stehen Claudia Huthmann und Cornelia Krop in der Zehlendorfer Pauluskirche am Tisch. Noch sind nicht alle Lunchpakete fertig. Also weiter: Tüte auf, Datteln, Apfel, Joghurt, Wurst- und Käsebrot rein, verschließen.

50 Essenspakete haben die beiden ehrenamtlichen Helferinnen zum Start der „Aktion Warmes Essen“ am vergangenen Montag gepackt. Pünktlich kommen die Gäste – viele Stammbesucher, die sich seit Jahren hier treffen und schon von Weitem freudig grüßen. Dass es vorerst kalte statt warmer Küche wegen der Corona-Auflagen gibt, ist für sie kein Thema.

„Das kann man auch gut essen“, sagt Renate. Und Obst und Gemüse sei ja immer dabei. Die 79-Jährige kommt seit 15 Jahren in den Wintermonaten montags, mittwochs und freitags zum Essen in die Pauluskirche, immer mit dem Fahrrad. Sie ist in Steglitz geboren und lebt heute in Zehlendorf. Früher hat sie an einer Tankstelle gearbeitet, ihre Rente bezeichnet sie als „minimal“. Doch sie komme nicht nur, um „das Essen runterzuschlucken“, erzählt die Seniorin. Es sei auch die Gemeinschaft, dass Zusammensitzen und Spaß miteinander haben. Die Aktion ist zu einem festen Bestandteil in ihrem Leben geworden. „Ich bin froh, dass es das Angebot gibt“, sagt Renate.

Gemeinsames Essen am Tisch ist zurzeit nicht möglich

Das ökumenische Projekt hat die Paulusgemeinde bereits 1993 ins Leben gerufen. Die Idee: Bedürftigen Menschen und Obdachlosen eine kostenlose warme Mahlzeit im Herbst und Winter anbieten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur in Corona-Zeiten sahen sich die Verantwortlichen – die Gemeinde bietet die Kältehilfe in Kooperation mit der milaa gGmbH an – vor besondere Herausforderungen gestellt. Gemeinsam am Tisch zu sitzen und zu essen, das geht bei den derzeitigen Infektionszahlen noch nicht. Aber einen heißen Tee oder Kaffee bekommen die Gäste, den sie im Moment auch noch gut an der frischen Luft trinken können.

Das Projekt wird vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf unterstützt, das Essen wird aber komplett aus Spenden finanziert. Jede Hilfe ist willkommen. Die kommt auch von der Berliner Morgenpost. Der Verein „Berliner helfen“ unterstützt die Aktion mit 1000 Euro. Das Geld werde komplett in die Essensversorgung der Gäste fließen, sicherte Ann Jeanett Rupp zu. Sie ist Referentin bei der milaa gGmbH – die Abkürzung steht für „Miteinander leben, aber anders“ –, die zum evangelischen Diakonieverein gehört und mit der Paulusgemeinde zusammenarbeitet.

Auch das Beratungsangebot wird gern genutzt

Verantwortlich vor Ort ist Diakonieschwester Heike Erpel, die seit drei Jahren das Projekt betreut. Sie muss nun in diesem Jahr das Hygienekonzept umsetzen. „Solange das Wetter mitspielt, nutzen wir die Möglichkeit, dass wir alles im Freien gestalten“, sagt die Projektleiterin. Wer Fragen habe oder Rat brauche, könne immer einen gesonderten Termin vereinbaren. Denn neben der Essenausgabe gibt es auch ein Beratungsangebot – eine Anlaufstelle für Sorgen und Nöte der Obdachlosen oder von Altersarmut Betroffenen. In der vergangenen Wintersaison kamen knapp 3000 Gäste zu fast 70 Essensterminen in die Pauluskirche. Davon waren 78 Prozent Männer, 22 Prozent Frauen. Insgesamt hat das Team in den sechs Monaten 328 Beratungsgespräche geführt.

Froh darüber, dass das Kältehilfe-Angebot überhaupt starten kann, ist Bertram Morbach, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates. „Wenn es kälter wird, wollen wir draußen Zelte aufstellen, damit sich die Leute treffen können“, sagt Morbach. Für ihn ist das Angebot ein „Herzensanliegen, denn es sei gerade in Zehlendorf wichtig zu zeigen, dass es hier nicht nur reiche Leute gibt, sondern auch Leute, die bedürftig sind“.

Eines kann Heike Erpel versprechen: Sobald es die Corona-Vorgaben zulassen, gibt es wieder warmes Essen. „Bis dahin werden wir uns auch noch etwas anderes als Lunchpakete einfallen lassen“, sagt die Projektleiterin. Das bleibe aber eine Überraschung.

Mehr Infos

Projekt Für bedürftige Menschen und Obdachlose gibt es von Oktober bis März montags, mittwochs und freitags ab 12 Uhr eine kostenlose Mahlzeit in der Pauluskirche an der Kirchstraße 6. Die Kleiderkammer und der Büchertisch sind montags und freitags geöffnet.

Helfer Das Projekt ist auf Unterstützung angewiesen. Gesucht werden noch Ehrenamtliche, die die Ausgabe des Essens organisieren, auf die Einhaltung der Hygieneregeln achten, Geschirr abräumen und ein offenes Ohr für die Gäste haben. Kontakt über erpel@milaa-berlin.de.

Neue Räume Die „Aktion Warmes Essen“ soll zukünftig das ganze Jahr angeboten werden, nicht nur in der kalten Jahreszeit. Dafür suchen die Organisatoren neue Räume, die sie nutzen können. Wer einen Tipp hat, kann sich ebenfalls per Mail melden bei: erpel@milaa-berlin.de.