Berliner helfen

Freiwilliges Engagement als Sternenfischer

Die Studentin Sherry Klemens betreut und begleitet ehrenamtlich Kinder mit besonderen Beeinträchtigungen.

Sherry Klemens mit dem elfjährigen Leon.

Sherry Klemens mit dem elfjährigen Leon.

Foto: Privat

Berlin. Das Sternenfischer Freiwilligenzentrum Treptow-Köpenick fördert seit 2008 ehrenamtliches Engagement in Berlin-Südost. Das Team von insgesamt neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern berät und informiert Freiwillige zu allen Fragen ihres Engagements, unterstützt Einrichtungen, die mit Freiwilligen zusammenarbeiten, und ist Ansprechpartner für Unternehmen, die sich gesellschaftlich engagieren möchten.

Jeden Monat stellen die Sternenfischer einen Ehrenamtlichen oder eine Ehrenamtliche als „Stern“ des Monats vor, beispielhaft für die vielen Möglichkeiten gesellschaftlichen Engagements. „Stern“ des Monats August ist die 23 Jahre alte Sherry Klemens.

Sternenfischer: Hilfe für Familien mit Kindern

„Das ist doch eine schöne Wertschätzung“, meint die Studentin. Seit drei Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich bei der Einhorn gGmbH. Ein familienentlastender Dienst, der Eltern mit beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen Hilfe und Unterstützung im Alltag bietet. Eine Freundin hat sie darauf aufmerksam gemacht.

„Die Arbeit mit Kindern hat mich dabei besonders interessiert, vor allem mit Kindern, die anders sind und speziellere Bedürfnisse haben. Das will ich auch zu meinem Beruf machen“, sagt Sherry Klemens. Im März hat sie ihr Studium an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen beendet. Ihr Fachgebiet: Kindheitspädagogik mit der Zusatzqualifikation Fachkraft für Integration. Nun hat sie einen Masterstudiengang in Leitung, Bildung und Diversität begonnen.

Begleitung sogar auf Klassenfahrt

Parallel dazu betreut und begleitet sie bei Einhorn Kinder mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen wie Epilepsie, Autismus oder Down-Syndrom. Auf Wunsch der Eltern geht die 23-Jährige mit den Kindern auf den Spielplatz, begleitet sie zu Ausflügen oder einmal sogar auf Klassenfahrt. „Das Mädchen leidet an Epilepsie. Ohne jemanden der auf sie aufpasst, hätte sie nicht mitfahren können. Wir hatten mit der Schulklasse eine tolle Ferienwoche an der Ostsee - und alle waren glücklich: das Kind, die Eltern und die Lehrer“, erzählt Sherry Klemens.

Sieben Kinder hat sie in den vergangenen drei Jahren betreut, mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen. Besonders ans Herz gewachsen ist ihr ein siebenjähriges Mädchen mit Autismus, das sie seit 2017 regelmäßig betreut und begleitet. „Es hat lange gebraucht, bis sie mich in ihrer Welt zugelassen hat und Vertrauen zu mir aufbauen konnte, aber jetzt ist eine richtige Bindung auch zur Familie entstanden“, sagt die 23-Jährige.

Behinderte Kinder werden oft übergangen

Die Bedürfnisse von beeinträchtigen Kindern würden oft übergangen, weil sie sich nicht oder eingeschränkt äußern können. „Wie viele autistische Kinder spricht sie nicht. Wir kommunizieren mit speziellen Bild-Karten. Sie tippt auf die Spielplatz-Karte oder das Bild mit einem Getränk, und dann weiß ich, was sie möchte“, sagt die Ehrenamtliche. Jeden Mittwoch verbringen die Beiden mindestens drei Stunden miteinander, gehen auf den Spielplatz, zum Schwimmen oder Eis essen.

In den Semesterferien hat sie in diesem Jahr die Ferienbetreuung für einen geistig beeinträchtigten Jungen übernommen. „Mir macht es viel Freude, den Kindern schöne Momente zu bereiten, ihre Entwicklung mitzuerleben und eine Bindung zu ihnen aufzubauen“, sagt Sherry Klemens über ihr Engagement. Sie wohnt in Schönefeld, eine Stunde Fahrzeit mit der Bahn braucht sie in der Regel zu ihren Einsätzen bei den Kindern.

Sie wünscht sich mehr Akzeptanz in der Gesellschaft

Die Eltern seien sehr dankbar für die Unterstützung. Die vermisst sie allerdings oft im Berliner Alltag, wenn sie mit den Kindern unterwegs ist. „Da stehen wir vor defekten Aufzügen auf Bahnhöfen oder vor Busfahrern, die genervt und unwillig sind, wenn sie die Rampe für den Rollstuhl ausklappen sollen“, berichtet sie. Und erzählt auch von ablehnenden Kommentaren oder unangemessenen Mitleidsbekundungen. „Da wünsche ich mir einfach mehr Akzeptanz und auch Toleranz in der Gesellschaft. Ich selbst nehme durch meine ehrenamtliche Arbeit den Alltag intensiver und wertschätzender wahr. Nicht alles im Leben ist selbstverständlich“, sagt die 23-Jährige.

Freiwillige für Kieztandems gesucht

Das Sternenfischer Freiwilligenzentrum in Treptow-Köpenick, ein Projekt des Unionhilfswerks Berlin, sucht aktuell Freiwillige aus dem Bezirk für die Kieztandems. Ehrenamtliche begleiten geflüchtete Menschen zum Beispiel bei Behördengängen oder einem gemeinsamen Ausflug. Im Mittelpunkt stehen die Freude am gegenseitigen Austausch und bereichernde Perspektiven für neue und alteingesessene Berliner. Zu den Kieztandems gehören Familien mit Kindern, alleinerziehende Mütter, Ehepaare und Alleinstehende.

Interessierte sind eingeladen zum kostenlosen Basisworkshop am 5. November 2020, 17 bis 20.30 Uhr, im Rathaus Treptow (Raum 218), Neue Krugallee 4, 12437 Berlin. Anmeldung per Mail an: Sandra.Maiwald@sternenfischer.org oder telefonisch unter: 030–24 35 85 76. Mehr Infos unter: www.sternenfischer.org