Berliner helfen

Wachsen und lernen in der Gemüseklasse

Berliner helfen e.V. und die PSD Bank Berlin-Brandenburg fördern ein Bildungsprojekt an der Prignitz-Schule in Friedenau.

Julia Brodersen von Ackerdemia mit Schülern der Prignitz-Schule.

Julia Brodersen von Ackerdemia mit Schülern der Prignitz-Schule.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Der Unterricht beginnt an diesem Dienstagmorgen in der Prignitz-Schule in Friedenau mit neuen Namen: Sara Salat, Schwatzwurzel, Coolrabi, Willi Wurm und Biggi Beete stellen sich vor und suchen jeweils zwei bis drei Kinder der Jahrgangsstufe 1 bis 4 für ihr Team.

Schwatzwurzel oder Coolrabi?

Denn die Kinder starten an diesem Morgen mit der Gemüseklasse des Vereins Ackerdemia. Erste Aufgabe: Teams bilden und gemeinsam die Hochbeete aus den vorgefertigten Bauteilen zusammenbauen und die Pflanzkästen einsetzen. Julia Brodersen, Koordinatorin für die Bildungsprojekte von Ackerdemia, und Ackerhelferin Hannah gehen mit Mund-Nasen-Schutz von Team zu Team, geben Hinweise und packen mit an, wenn es hakt. Die Holzgestelle sind schnell zusammengesetzt, die ersten Teams schleppen die Hochbeete nach Draußen.

Kinder bauen Gemüse und Kräuter an

„Wir haben uns so gefreut, dass wir bei der Gemüseklasse dabei sein können“, sagt Klassenlehrerin Eva Breuer, „die Kinder lieben solche praktischen Aufgaben“. Möglich gemacht hat die Teilnahme an dem Bildungsprojekt eine gemeinsame Spende von der PSD-Bank Berlin-Brandenburg und Berliner helfen e.V. Die Prignitz-Schule wird von Kindern mit besonderem Förderbedarf besucht und in der Gemüseklasse erfahren sie mit eigenen Händen, wie Gemüse und Kräuter angebaut werden, wo Lebensmittel überhaupt herkommen und was gesundes Essen ist und was nicht. Mit ganz praktischen, selbst geernteten Beispielen. Geschult werden nebenbei auch motorische Fähigkeiten, aber auch soziale Kompetenzen, denn alles muss gemeinsam gemeistert werden.

Hochbeete werden selbst zusammengebaut

Als erstes werden an diesem Morgen die Kästen in den Hochbeeten mit Erde befüllt und dann müssen vorsichtig die kleinen Samenkörner in Reihen ausgesät werden. Julian und Abdul vom Team Coolrabi sind konzentriert bei der Sache: bloß kein kleines Körnchen fallen lassen, aus dem Basilikum sprießen soll. In den anderen Kästen werden nach und nach, Dill, Salat und Bohnen ausgesät. Lehrerin Eva Breuer ist begeistert, wie eifrig die Kinder bei der Sache sind: „Normalerweise reicht die Aufmerksamkeit nur für eine Stunde, aber bei solchen handlungsorientierten Aufgaben können sich die Kinder auch mal zwei Stunden konzentrieren.“

20 Wochen lang werden die Schülerinnen und Schüler nun ihr eigenes Gemüse im Klassenzimmer anbauen - die Hochbeete werden mit Speziallampen bestrahlt. In 30- bis 45-minütigen Gemüse-Stunden setzen sie sich jede Woche spielerisch mit den Themen Naturzusammenhänge, Lebensmittelhandel, Gesundheit und Ernährung auseinander. Das Wichtigste: jedes Team erhält rotierend Aufgaben, muss sich um das Bewässern kümmern, das Wachstum der Pflänzchen kontrollieren, eventuell Schädlinge bekämpfen oder den Boden lockern. Und dann gibt es noch das Checker-Team, das kontrolliert, ob die anderen alles sorgfältig erledigt haben. „Sehr beliebte Aufgabe, deshalb wechseln sich die Teams ab“, sagt Julia Brodersen. Sie wird der kleinen Gemüseklasse und der Klassenlehrerin beratend zu Seite stehen und immer wieder Aufgaben für die Kinder stellen. Zum Beispiel Zuhause in den Kühlschrank schauen, wo die Lebensmittel herkommen oder untersuchen, wie man Plastikmüll vermeiden kann.

Gemüse-Acker auf dem Schulgelände

„Die Eltern und unsere Schule sind sehr dankbar, dass wir an dem Projekt teilnehmen können. Aus eigenen Mitteln hätten wir das nicht finanzieren können“, sagt Eva Breuer. Und die Kinder werden jeden Tag gespannt in die Blumenkästen schauen, ob schon etwas wächst.

Der Verein Ackerdemia bietet mit seiner Gemüse-Ackerdemie verschiedene Programme für Kitas und Schulen an, neben der Gemüseklasse im Klassenzimmer gibt es auch je nach Platzverhältnissen die Möglichkeit, den Gemüse-Acker als festen Lernort auf dem Schulgelände einzurichten. Durch den Anbau und die Pflege von bis zu 30 Gemüsearten entwickeln Kinder und Jugendliche mehr Wertschätzung für Natur und Lebensmittel.

Die PSD Bank Berlin-Brandenburg und Berliner helfen, der Verein der Berliner Morgenpost, übernehmen die Förderung der Gemüseklasse für zwei Jahre mit einer Spende über 5.800 Euro.