Wir helfen Helfern

Mit Patenschaften gemeinsam die Corona-Krise meistern

Aktion „Wir helfen Helfern“: Verein Lupine in Steglitz-Zehlendorf vermittelt ehrenamtliche Paten für Kinder aus Flüchtlingsfamilien.

Die ehemalige Grundschullehrerin Uta Hartwich mit ihren Patenkind.

Die ehemalige Grundschullehrerin Uta Hartwich mit ihren Patenkind.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Aufmerksam betrachtet Hiescham die langen Reihen mit Bohnen, Erdbeeren und Himbeeren. Der elfjährige Junge ist mit Ute Hartwich auf der Domäne Dahlem unterwegs. Die pensionierte Grundschullehrerin aus Zehlendorf hat im September vergangenen Jahres die ehrenamtliche Patenschaft für den Jungen aus dem Libanon übernommen. Zusammengebracht hat die beiden der Verein Lupine Mentoring in Steglitz.

Der Verein begleitet Kinder mit Flucht- und Migrationshintergrund mit einem Mentoren-Programm, um ihnen bei den schulischen Aufgaben zu helfen und generell das Einleben in Berlin zu erleichtern.

„Wir arbeiten mit derzeit rund 30 Kindern ausgeflüchteten Familien, die aus dem Irak, aus Syrien, Iran, Afghanistan und Mazedonien kommen und in Zehlendorf, Lankwitz, Lichterfelde und Steglitz ein neues Zuhause gefunden haben. Über den schuljahresbegleitenden Zeitraum von neun Monaten schenken die Mentoren einem Kind einmal in der Woche 3-4 Stunden Zeit und Aufmerksamkeit für gemeinsame Unternehmungen und fördern es in seinen außerschulischen Interessen und Potenzialen“, erläutert Susanne Ulbricht vom Verein Lupine, der für seine Arbeit eine Spende aus der Aktion „Wir helfen Helfern“ erhalten hat.

Familie 2015 aus dem Libanon nach Berlin gekommen

„Hiescham ist ein Glücksgriff, das hat Lupine gut gemacht“, sagt Ute Hartwich. Die 64-jährige hat als Grundschullehrerin erste bis dritte Klassen geleitet und nach ihrer Pensionierung eine ehrenamtliche Aufgabe gesucht. „Zuletzt hatte ich auch Flüchtlingskinder in der Klasse. Ich kannte die Problematik“, sagt sie. Hiescham ist mit seiner Mutter und zwei Geschwistern mit der Flüchtlingswelle 2015 aus dem Libanon nach Berlin gekommen. Der Vater lebt von der Familie getrennt. „Hiescham kümmert sich sehr liebevoll um den jüngeren Bruder und die kleine Schwester“, sagt Ute Hartwich.

Wie sie hat der Elfjährige Interesse an Sprachen, auf der Domäne Dahlem diskutieren die beiden angesichts der Erdbeerpflanzen auf Strohbedecktem Boden über die Herkunft des Wortes „Strawberry“. Dann wird der Froschteich inspiziert und die Rinder auf der Weide inspiziert. „Das ist hier Naturwissenschaftsunterricht“, stellt Hiescham fest, bevor er auf einen Baum klettert.

Die Zeit der strengen Corona-Maßnahmen sei schwierig für den Jungen und seine Geschwister gewesen, erzählt Ute Hartwich: „Da hockten die Familien viel zu dicht aufeinander, die Deutschkenntnisse haben sich dadurch verschlechtert“. Für sich haben die beiden dann einen guten Weg gefunden, den Unterricht Zuhause zu meistern. „Während der strengen Kontaktsperre hat Hiescham seinen Rucksack mit den erledigten Aufgaben bei mir an den Zaun gehängt, ich habe dann die korrigierten und neue Aufgaben hineingesteckt, er hat sie wieder abgeholt“, erzählt sie.

Beide lernen voneinander bei der Patenschaft

Nachdem es möglich war, ist der Junge zu ihr nach Hause gekommen, wo genug Platz ist, um gemeinsam, aber mit dem nötigen Sicherheitsabstand zu lernen. „Die Corona-Zeit hat uns richtig zusammengeschweißt“, meint Ute Hartwich. Sie ist beeindruckt von Hieschams ernsthaftem Willen zu lernen und sich Dinge zeigen zu lassen. „Während unserer Unternehmungen nimmt er nie das Handy in die Hand“ sagt sie. Auch sie lernt durch ihn Neues kennen, zum Beispiel Percy Jackson, Hieschams Lieblingsromanheld, dessen Abenteuer an Geschichten der griechischen Mythologie angelehnt sind. „Ich warte ganz dringend auf das Erscheinen des dritten Buches“, sagt der Elfjährige.

Demnächst steht ein Ausflug der beiden in einen Kletterpark an, gemeinsam mit andere Mentoren-Tandems von Lupine. Der Verein organisiert regelmäßige Treffen der Ehrenamtlichen, im September wird es ein großes Abschiedsfest für die dann zu Ende gehenden Patenschaften geben.

Hiescham berichtet, dass seine Mutter inzwischen besser deutsch spricht und sein achtjähriger Bruder auch einen ehrenamtlichen Mentor bekommen soll. „Das ist schon eine gute Sache“, sagt er.

Ehrenamtliche Mentoren gesucht

Der Verein Lupine Mentoring sucht für den neuen Durchgang mit dem Schwerpunkt Lernbegleitung ab sofort ehrenamtliche Mentoren, die bereit sind, ab September über den Zeitraum von neun Monaten einem Kind mit Fluchthintergrund in der Woche 3-4 Stunden Zeit zu schenken, um es bei den schulischen Herausforderungen zu begleiten.

Die Mentoren werden auf ihre Aufgabe vorbereitet und auch während des Mentorings mit Intervision und Schulungen begleitet. Sie sollten idealerweise in der Nachbarschaft der Mentees im Süden Berlins (Steglitz-Zehlendorf und angrenzende Bezirke) wohnen.

Bewerbungen ab sofort an: Lernbegleitung.Lupine@gmail.com. Weitere Informationen unter Tel. 0174/305 89 04, Webseite: https://lupinementoring.jimdofree.com/