Berliner helfen

Blutspender werden dringend gebraucht

Rotes Kreuz schlägt Alarm: Der Bedarf an Blutpräparaten in Berliner und Brandenburger Krankenhäusern ist seit Mitte Mai gestiegen

Rita Szymanowski, Leitende Schwester beim DRK-Blutspendedienst Nord Ost

Rita Szymanowski, Leitende Schwester beim DRK-Blutspendedienst Nord Ost

Foto: DRK Blutspendedienst Nord Ost

Zum Internationalen Weltblutspendertag der WHO am 14. Juni, dem Geburtstag des österreichischen Mediziners und Pioniers der Transfusionsmedizin, Karl Landsteiner (1868-1943), macht das Deutsche Rote Kreuz auf die aktuelle Situation in Berlin und Brandenburg aufmerksam. „Die Versorgungssituation mit Blutpräparaten ist seit Mitte Mai äußerst angespannt.

Bedarf ist um 30 Prozent gestiegen

Seitdem die Krankenhäuser nahezu in den Regelbetrieb übergegangen sind und verschobene Operationen und Behandlungen nachgeholt werden, führt das zu einem anhaltend höheren Bedarf“, sagt Kerstin Schweiger, Sprecherin vom DRK-Blutspendedienst Nord-Ost. Bis zu 30 Prozent höher sei der Bedarf an Blutpräparaten, die aus Spenderblut gewonnen werden und zwischen fünf Tagen bis zu sechs Wochen haltbar sind.

„Während der ersten Corona-Pandemiephase war die Spendenbereitschaft sehr gut, wir hatten sogar 17 Prozent mehr Erstspender, aber wir brauchen weiterhin dringend Blutspender“, sagt die DRK Sprecherin.

Blut spenden in der Corona-Krise

Einer von Ihnen ist der 23-jährige Till Caspary aus Prenzlauer Berg, der an der Technischen Universität Architektur studiert. „Ich hatte schon länger vor, Blut zu spenden und die Corona-Krise war dann schließlich der Auslöser“, erzählt er. Für die Blutspende ist er zu einer mobilen Station in Weißensee gefahren, die das DRK in regelmäßigen Abständen an verschiedenen Standorten einrichtet, da wegen der Corona-Krise viele der üblichen Blutspende-Termine in Schulen und Sporthallen nicht stattfinden konnten.

„War nur ein kleiner Piekser, hat nicht wehgetan“, meint Till Caspary und fügt hinzu „allerdings sieht man das Blut fließen, das muss man abkönnen.“ Um das Ansteckungsrisiko für Blutspender, Personal und Ehrenamtliche bei den Blutspendeterminen so gering wie möglich zu halten, müssen sich Spendenwillige vorher anmelden. Es wird eine Kurzanamnese aufgenommen und die Körpertemperatur gemessen.

Blut wird nicht auf Sars-Cov-Virus getestet

Blutspenden werden übrigens nicht auf das SARS-CoV-2- Virus untersucht. Prof. Dr. med. Torsten Tonn, medizinischer Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost, betont: „Gemäß Mitteilung des Paul Ehrlich Instituts (PEI) ist eine Übertragung von SARS-CoV-2 durch Blut derzeit nicht anzunehmen, weil das Virus bei symptomlosen Personen im Blut nicht nachweisbar ist. Der Hauptübertragungsweg des Virus ist die Tröpfcheninfektion.“

Blutspender müssen mindestens 18 Jahre alt und gesund sein, bei der ersten Spende sollte ein Alter von 65 nicht überschritten werden. Menschen mit grippalen oder Erkältungssymptomen sowie Durchfall werden generell nicht zur Blutspende zugelassen. Auch wer in den letzten vier Wochen aus dem Ausland zurückkehrt ist, darf nicht spenden. Wer Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatte, darf vier Wochen lang kein Blut spenden. Bei einer ärztlichen Voruntersuchung wird die Eignung zur Blutspende jeweils tagesaktuell geprüft. Bis zu sechs Mal innerhalb eines Jahres dürfen gesunde Männer spenden, Frauen bis zu vier Mal innerhalb von 12 Monaten. Zwischen zwei Spenden liegen mindestens acht Wochen.

Spender sind Lebensretter

„Ich werde das auf alle Fälle wieder machen“, sagt Erstspender Till Caspary, „Ich finde des gut, dass man anderen Menschen damit helfen kann“. Blutspender sind tatsächlich „Lebensretter“. Mit einer Blutspende kann bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten geholfen werden. In Deutschland werden über das Jahr gesehen durch die Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes ca. drei Millionen Vollblutspenden für die Versorgung der Kliniken in Deutschland bereitgestellt.

Blutspenden sind freiwillig und beim DRK, anders als bei privaten Instituten oder Kliniken nicht mit einer Aufwandsentschädigung verbunden. Es gibt aber Überlegungen unter Medizinethikern, ob angesichts der wertvollen Ressource Blut eine Vergütung nicht angemessen wäre. „Vielleicht ein Anreiz für viele Leute, für mich spielt das aber keine Rolle“, meint Blutspender Till Caspary.

Blutspendetermin am 16. Juni in Steglitz

Wer Blut spenden möchte, kann sich kurzfristig im Internet oder über die kostenfreie Hotline www.blutspende.de und Telefon 0800 11 94911 über die Termine informieren. Eine Terminreservierung ist erforderlich: terminreservierung.blutspende-nordost.de

Am 16. Juni 2020 findet von 15 bis 19 Uhr ein Sonderblutspendetermin im Institut für Transfusionsmedizin in Steglitz statt. Ort: Hindenburgdamm 30A, 12203 Berlin, auch dafür ist eine Anmeldung erforderlich: terminreservierung.blutspende-nordost.de

Um das Corona-Risiko so gering wie möglich zu halten, wird bei Blutspendern die Körpertemperatur gemessen; Personen mit Erkältungssymptomen, Fieber und Durchfall werden nicht zur Blutspende zugelassen. Alle Spender erhalten eine Mundnasenschutzmaske.