Aktion

„Wir helfen Helfern“: Spende für Schutzengelhaus in Steglitz

Das Schutzengelhaus erhält über 5000 Euro, damit Familien, u.a. mit Laptops für den Hausunterricht ausgestattet werden können.

Bianca Sommerfeld und Katharina Weidenmüller (v.l.) vom Schutzengelhaus in  Steglitz packen Ostertüten für Kinder.

Bianca Sommerfeld und Katharina Weidenmüller (v.l.) vom Schutzengelhaus in Steglitz packen Ostertüten für Kinder.

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Die Tür ist am Mittwoch vor Ostern weit geöffnet, um die milde Frühlingsluft hereinzulassen, aber für die Kinder ist das Schutzengelhaus geschlossen. „Wann macht ihr wieder auf?, ist die häufigste Frage, die ich am Telefon höre“, sagt Katharina Weidenmüller, Leiterin der in privater Initiative gegründeten Kinderbetreuungseinrichtung in Steglitz.

Ostertüten werden an die Wohnungstür geliefert

Doch trotz der durch die Corona-Krise bedingten Schließung hat sie viel zu tun. Gemeinsam mit Geschäftsführerin Bianca Sommerfeld packt sie 24 bunte Ostertüten, bestückt mit einer Flasche Obstsaft, Müsli, Marmelade, Vollkornbrot. Früchtetee und natürliche einem Schoko-Hasen. Ausgeliefert werden die Tüten am Ostersonntag von den Mitarbeitern des Schutzengelhauses. „Das ist ein kleiner Ersatz für unser traditionelles Osterbrunch, das ja nun nicht stattfinden kann“, sagt Bianca Sommerfeld.

„Wir helfen Helfern“ ist eine Aktion der Berliner Morgenpost, um gemeinnützige Vereine und Einrichtungen in Berlin zu unterstützen. Hier lesen Sie mehr darüber.

Normalerweise kommen jeden Tag ab 13 Uhr etwa 35 Kinder in das Haus in der Bismarckstraße. Sie kommen zum Essen, Spielen, Basteln , Hausaufgaben machen oder zum Werken in der hauseigenen Tischlerei im Keller. „Vor allem kommen sie aber auch, um zu erzählen was sie beschäftigt“, sagt Katharina Weidenmüller. Nun sucht sie und die anderen fünf Mitarbeiter, darunter Sozialpädagogen, Erzieher und eine Förderlehrerin nach anderen Wegen, um mit den Kindern und ihren Familien in Kontakt zu bleiben. Dazu gehört das Ausliefern der Ostertüten - natürlich mit dem gebotenen Sicherheitsabstand - das telefonieren und das Chatten über Mobiltelefone.

Der Unterricht zuhause stellt viele vor Probleme

„Die größten Probleme sehen wir beim Schulunterricht zuhause. Nicht jede Familie hat einen Computer und nicht immer sind die Eltern überhaupt in der Lage, den Kindern zu helfen“, sagt Bianca Sommerfeld. Auch Drucker sind nicht immer vorhanden, die Tintenpatronen zudem sehr teuer. Manche Kinder müssten deswegen das Unterrichtsmaterial in der Schule abholen, andere machen die Hausaufgaben auf dem Handy. „Das ist wirklich nicht ideal“, meint die Geschäftsführerin.

Die Mitarbeiter vom Schutzengelhaus helfen per Telefon und Whatsapp-Video beim Home-Schooling. Nach den Osterferien wird täglich von 8 bis 15 Uhr immer jemand per Skype für die Fragen der Kinder ansprechbar sein. Ebenfalls nach Ostern holt jeweils ein Mitarbeiter mit Mundschutz ein Kind zuhause ab, um gemeinsam spazieren zu gehen, oder sich an der frischen Luft auszutoben - mit Abstand natürlich. „Es ist uns ganz wichtig, Kontakt zu den Kindern zu halten, die normalerweise zu uns ins Haus kommen. Damit wir gleich merken, wenn es in der Familie schwierig wird“, sagt die Sozialpädagogin Katharina Weidenmüller.

Spende aus der Morgenpost-Aktion für Laptops

Im Rahmen der Aktion „Wir helfen Helfern“ gibt es eine Spende über 5000 Euro für das Schutzengelhaus, damit Familien, die es sich nicht leiten können, mit Laptops, Druckern und Material für den Hausunterricht ausgestattet werden können. Verwaltungsmitarbeiter Jacob Kalus hat sich spontan bereit erklärt, den technischen Support bei der Einrichtung zu leisten. Und wenn die Corona-Krise endlich überstanden ist und das Schutzengelhaus wieder aufmacht, wird es es ein großes Fest geben – mit den Kindern, ihren Familien und allen, die ihnen geholfen haben, diese schwierige Zeit jetzt zu überstehen.

„Die Aktion „Wir helfen Helfern“ ist wirklich eine tolle Idee. Wir befürchten doch einen großen Einbruch bei den Spendeneinnahmen und sind sehr dankbar für diese schnelle unbürokratische Finanzspritze“, sagt Bianca Sommerfeld vom Schutzengelhaus.

Lob aus dem Bundestag

Auch im Deutschen Bundestag ist man auf die Aktion von Berliner helfen e.V. aufmerksam geworden. „Es ist großartig, wie die Zivilgesellschaft in dieser Krise die Initiative ergreift. So werden sehr schnell Lösungen für Probleme vor Ort gefunden. „Wir helfen Helfern“ ist dafür ein sehr gutes Beispiel“, sagt Anna Christmann, Sprecherin für bürgerschaftliches Engagement der grünen Bundestagsfraktion. Die Grünen haben Bundesministerin Giffey vorgeschlagen, einen Soforthilfefonds für gemeinnützige Organisationen der Zivilgesellschaft zu schaffen. Die Mittel dafür könnten aus dem Etat der neuen „Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt“ kommen. „Die gemeinnützigen Organisationen sind besonders von der Situation getroffen, weil sie nur geringe Vermögenswerte erwirtschaften dürfen und jetzt hohe Einnahmeverluste haben“, sagt die Bundestagsabgeordnete.