Aktion „Schöne Bescherung“

Krankenbesuch auf vier Pfoten

Hunde im Klinikeinsatz: Der Verein Kinderschutzengel besucht kleine Patienten mit Therapiehunden. Was sie bewirken ist erstaunlich.

Der kleine Janne mit Snow, Spirit und Tiffany auf seinem Krankenhausbett.

Der kleine Janne mit Snow, Spirit und Tiffany auf seinem Krankenhausbett.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Janne sitzt auf dem Krankenbett in der Kinderstation des Helios Klinikums Emil von Behring in Zehlendorf und strahlt. Der Fünfjährige ist umringt von Snow (5), Spirit (4) und Tiffany (7). Die drei Hunde der Rasse Australian Shepherd lassen sich von ihm streicheln und schauen ihn an. Dass sein Arm nach einem Bruch schief zusammengewachsen war und operiert werden musste, hat Janne in diesen Momenten vergessen. Die drei Tiere hat Jacqueline Boy mitgebracht, die Vorsitzende vom Kinderschutzengel e.V. Es sind Therapiehunde.

Therapiehunde beruhigen kleine Patienten

Der Verein Kinderschutzengel existiert seit 2005. Er unterstützt kranke und behinderte Kinder und Jugendliche und ihre Familien. Seine Arbeit finanziert er mit Spenden. Seit 2012 setzt Jacqueline Boy die Therapiehunde ein, um jungen Patienten in Krankenhäusern zu helfen. Das geschieht in Abstimmung mit Ärzten, Therapeuten, Psychologen und Eltern.

Oberärztin Annette Günther vom Klinikum Emil von Behring vertraut regelmäßig auf die Tiere. „Ihre Wirkung ist ganz vielfältig“, sagt die Medizinerin. „Wenn Kinder bei uns sind, dreht sich alles nur um die Krankheit. Und dann kommt Frau Boy mit ihren Hunden. Dann sind die Kinder weg von den Erkrankungen. Plötzlich geht es um etwas anderes. Das entlastet erst einmal.“

Tierkontakt fördert die Genesung

Aus Studien sei bekannt, dass der Körperkontakt dazu beiträgt, den Blutdruck und die Herzfrequenz zu senken. „In diesem Kontakt mit den Hunden entspannen die Kinder.“ Das wendet die Ärztin gezielt bei kleinen Patienten mit spastischer Muskulatur an. Wenn deren Hände auf dem Kopf von Snow oder Spirit oder Tiffany liegen, entspannen sie sich. Danach kann die Physiotherapeutin besser mit den Kindern üben.

Einen weiteren Aspekt nennt die Oberärztin. „Wenn wir mitbekommen, dass Kinder Angst vor Hunden haben, dann gibt es das Angebot, diese Angststörung mit den Therapiehunden anzugehen.“ So konnte das Krankenhaus einem Flüchtlingsjungen aus Afrika helfen.

Er hatte nachts Albträume, dass er von Straßenhunden zerfleischt wird. In den Sitzungen mit den Therapiehunden nahmen auch eine Psychologin und eine Dolmetscherin teil. Zunächst habe der Junge die Tiere nur aus der Entfernung angeschaut, erzählt Jacqueline Boy. „Aber durch die Ruhe, die die Hunde ausstrahlen, fassen Kinder auch Vertrauen.“ Nach drei Einsätzen habe er neben ihr auf dem Fußboden gesessen, zusammen mit fünf Hunden. Ein Foto wurde gemacht. Die Psychologin riet dem 16-Jährigen, wenn er nach den Albträumen wach wird, sofort an das Bild der Australian Shepherds zu denken.

Nur die Hund konnten das Kind beruhigen

Oberärztin Günther erzählt auch von einem anderen Patienten. Der Junge wehrte sich nach Leibeskräften und schrie, als er für eine Punktion vorbereitet werden sollte. „Die Hunde“, sagt die Medizinerin, „waren die einzige Chance.“ Durch sie sei der Patient so weit beruhigt worden, „dass ich als Ärztin überhaupt rankonnte an ihn.“ Die beruhigende Wirkung der Tiere sei nachhaltig gewesen, erzählt die Medizinerin. „Die Mutter kam und sagte, sie erkenne ihr Kind nicht mehr.

Solche Situationen vergisst auch die Vorsitzende des Kinderschutzengel e.V. nicht. „Ich habe ganz oft Gänsehaut-Momente“, sagt sie. Doch für den Einsatz im Krankenhaus müssen die Therapiehunde kerngesund sein. Regelmäßige Tierarztbesuche sind nötig. Die Bescheinigung reicht Jacqueline Boy in der Klinik ein. Umgekehrt sichern die Klinik-Ärzte auch ab, dass die Tiere nur dorthin kommen, wo sie nicht gefährlichen Keimen ausgesetzt sind.

Acht Tiere im Alter zwischen zwei und neun Jahren hält Jacqueline Boy. Zwei davon sind noch in der Ausbildung zum Therapiehund. Sie dauert drei Jahre. Rudelchefin ist die siebenjährige Tiffany. „Es sind schlaue Hunde. Es ist für sie wichtig, beschäftigt zu werden.“

Jacqueline Boy besucht mit den Tieren auch das Sana Klinikum in Lichtenberg, das Helios Klinikum Berlin-Buch, das St. Joseph Krankenhaus in Tempelhof, das Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann und auf Anfrage auch das Deutsche Herzzentrum in Wedding.

„Man vertraut mir“, sagt die Vorsitzende des Kinderschutzengel e.V. Sie liebt diese Einsätze - die leuchtenden Augen der Kinder, die Freude der Eltern und die gewachsene Zusammenarbeit mit Ärzten und Therapeuten. „Und weil ich die Kombination Kinder und Tiere unwahrscheinlich schön finde.“

Schöne Bescherung

Um sozial benachteiligten und kranken Kindern und Jugendlichen eine Freude zu machen, ruft die Berliner Morgenpost zum 17. Mal die Aktion „Schöne Bescherung“ aus. Wir stellen Kinderschicksale, Jugendeinrichtungen, Vereine und Projekte vor, die sich für Kinder und Jugendliche engagieren. Machen Sie mit! Jeder gespendete Euro wird ohne Abzüge eingesetzt.
Spenden Sie bitte an:
Berliner helfen e. V.

Stichwort: „Bescherung“

IBAN: DE69 1002 0500 0003 3071 00

BIC: BFSWDE33BER

Für eine Spendenbescheinigung geben Sie bitte Namen und Anschrift bei der Überweisung mit an.

Weitere Informationen telefonisch unter (030)8872 - 77844
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