Berliner helfen

Hilfe für den Frühstart ins Leben

Der Förderverein für frühgeborene Kinder an der Charité unterstützt Eltern und fördert Forschungsprojekte.

Berliner helfen: Bericht über Förderverein für frühgeborene Kinder; Benjamin und Sarah Hübner mit ihren frühgeborenen Zwillingen Noel (links) und Luka im Campus Virchow-Klinikum, Klinik für Neonatologie

Berliner helfen: Bericht über Förderverein für frühgeborene Kinder; Benjamin und Sarah Hübner mit ihren frühgeborenen Zwillingen Noel (links) und Luka im Campus Virchow-Klinikum, Klinik für Neonatologie

Foto: Anikka Bauer

Winzig klein und zart sehen Noel und Luka aus. Die Zwillinge sind viel zu früh, schon mit 29 Wochen, auf die Welt gekommen. In der Klinik für Neonatologie der Charité in Wedding kümmern sich Ärzte, Schwestern und Eltern intensiv um die beiden Jungen. Sarah und Benjamin Hübner sind täglich bei ihren Söhnen. Der 36 Jahre alte Vater pudert Noel und reibt ihn ein, ganz sacht und aufmerksam. Sarah Hübner steht bei Luka am Bett, der über einen Schlauch mit Atemluft versorgt wird.

Geboren mit weniger als 1500 Gramm

Etwa 180 bis 200 Frühgeborene mit weniger als 1500 Gramm Gewicht werden in der Klinik für Neonatologie betreut. Die meisten sind schon nach 32 oder weniger Wochen geboren. Ihr kleiner Körper ist längst noch nicht für die Außenwelt bereit. „Die Organe sind da, aber sie werden zu früh benutzt“, sagt Oberärztin Monika Berns. Im Mutterleib leben die Kinder in einer niedrigen Sauerstoffkonzentration. Durch die zu frühe Geburt müssen sie mit dem hohen Sauerstoffniveau der Luft zurechtkommen. „Das ist das Problem für die Lunge, für die Augen, für die Hirnzellen“, sagt die Medizinerin. Dank der intensiven Betreuung überleben weit mehr als 90 Prozent der Babys.

Dazu trägt auch der Förderverein für frühgeborene Kinder an der Charité bei. Er wurde im Oktober 1999 gegründet. Monika Berns ist die Vorsitzende. Ziel sei, „mehr auf das Thema Frühgeburtlichkeit und ihre Folgen aufmerksam zu machen. Außerdem für Eltern eine Möglichkeit zum Austausch zu schaffen“, sagt die Ärztin. Drittes Anliegen des Vereins ist es, Forschungsprojekte zu fördern. „Wir sammeln Spenden ein.“ In den Projekten geht es vor allem um Neuroprotektion, um die Frage: Wie kann man unreife Gehirnzellen schützen? Mediziner der Klinik lassen im Labor Zellen in einer Petrischale wachsen und testen die Wirkung verschiedener Reagenzien. Mit Spenden, die der Förderverein bekommt, können Sachmittel angeschafft werden, zum Beispiel die Nährlösung für Zellkulturen oder auch Reagenzien, um diese Tests durchzuführen.

Spenden bewirken viel im Verein

Dank der Spenden gelingt es dem Verein auch, die Situation für Eltern, Kinder und Schwestern in den Klinikräumen angenehmer zu machen. Er hat Abdeckungen für die Inkubatoren angeschafft, in denen die Babys liegen. „Eigentlich wären die Kinder jetzt noch im Dunkeln“, sagt Monika Berns. „Mit der Abdeckung ist es etwas dunkler, wie im Mutterleib.“ Sie dämpft auch ein bisschen die Geräusche aus der Umgebung. „Außerdem haben wir Stellwände gekauft, um etwas mehr Privatsphäre zu schaffen.“ Das ist gerade für das so genannte Känguruing wichtig. Dabei tragen Väter und Mütter ihr Baby auf der nackten Brust umher und ermöglichen so einen intensiven Körperkontakt. Dank der Stellwände sind sie dabei vor fremden Blicken abgeschirmt.

Auch wohnlich anmutende Kissen und Vorhänge etwa für das Eltern- oder auch das Schwesternzimmer hat der Verein angeschafft. Diese Accessoires helfen, wenn schwierige Gespräche zu führen sind. „Wenn Sie in einen sterilen Raum kommen, und Sie müssen darüber sprechen, dass das Kind schwer krank ist - das fällt in einer netten Atmosphäre leichter“, sagt Oberärztin Berns. Seit 15 Jahren leitet sie den Förderverein.

„Das liegt mir total am Herzen. Es gibt so viele Sachen, die im Klinikalltag hinten runter fallen, und die man über so einen Förderverein gut auf den Weg bringen kann. Man kann an vielen Stellen Hilfestellung geben.“ Auch die Fortbildung von Schwestern unterstützt der Verein finanziell. Er gibt Geld, damit sie an Kursen etwa für psychosoziale Elternberatung oder auch für das so genannte Casemanagement teilnehmen können. Ein solcher Casemanager ist wichtig, wenn Eltern mit ihrem Kind nach Hause entlassen werden. Er stellt fest, auf welchen Gebieten die Familie Hilfe braucht, um wieder im Alltag zurechtzukommen.

Sarah und Benjamin Hübner sind dankbar für die intensive medizinische Betreuung ihrer Zwillinge. „Ich bin froh, dass es das hier gibt“, sagt Sarah Hübner. Noch vor der Entbindung hatte sie sich mit ihrem Mann die Räume in der Klinik für Neonatologie angesehen. „Die Hilfe drumherum, die Elternberatung, und wie die Schwestern hier sind, das ist gut“, so die 34-jährige Mutter. „Wir fühlen uns hier gut aufgehoben. Das ist das Beste, was uns passieren kann.“