Weihnachtsaktion

Bescherung beim Hospizdienst Berliner Herz

Weihnachtsaktion von Berliner helfen unterstützt ehrenamtliche Begleiter für Familien mit schwerkranken Kindern

Foto: Reto Klar

Hell strahlt der Weihnachtsbaum vor dem Brandenburger Tor und lockt zahlreiche Touristen auf dem Pariser Platz zum Fotografieren ein. An dem prominenten Ort, im ehemaligen Haus der Dresdner Bank, findet die große Weihnachtsfeier vom Berliner Herz statt. Der ambulante Hospizdienst für schwer- und chronisch kranke Kinder hat alle Familien und ihre ehrenamtlichen Helfer eingeladen, sich vom Weihnachtsmann beschenken zu lassen. Die sechsjährige Sophie kann es gar nicht erwarten: "Wann kommt er denn endlich?" fragt sie ihre Mutter zum dritten Mal innerhalb von wenigen Minuten. Dabei gibt es eigentlich noch eine Hauptperson auf der Feier: Sophies kleiner Bruder Benjamin hat Geburtstag: er wird drei Jahre alt. "Alle haben für ihn gesungen", freut sich seine Mutter Xiaoqing Xu, die aus China zum Studium nach Berlin gekommen und hier hängengeblieben ist. Wie sich kurz nach seiner Geburt herausstellte, leidet der kleine Benjamin an Epilepsie. "Im Krankenhaus Westend hat uns die Sozialarbeiterin den Kontakt zum Berliner Herz vermittelt und dafür bin ich so dankbar", sagt Xiaoqing Xu, die als Dozentin für chinesische Philosophie und Geschichte arbeitet. Benjamins Vater ist Lehrer. Durch das Berliner Herz wurde der Familie eine ehrenamtliche Begleiterin vermittelt: Maria Fernanda Garcia de la Zerda, eine Kolumbianerin, die seit drei Jahren mit ihrem Mann in Berlin lebt. "Ich wollte unbedingt etwas mit Kindern machen, weil ich damals noch nicht so gut deutsch konnte. Mit Kindern kann man sich auch ohne große Worte verständigen", meint sie. Doch durch die sechsmonatige Ehrenamts-Ausbildung beim Berliner Herz hat sie inzwischen sehr gut deutsch gelernt. Einmal in der Woche holt sie Benjamin von der Kita ab, dann gehen sie zusammen auf den Spielplatz - wenn es das Wetter zulässt auch im Winter - oder sie bringt ihn zur Physiotherapie oder zur Untersuchung ins Krankenhaus. "Dann habe ich Zeit für Sophie und kann mich um meine Tochter kümmern", sagt Benjamins Mutter.

Geschwister von schwer kranken Kindern fühlen sich oft zurückgesetzt, weil sich die Eltern sehr stark auf das kranke Kind konzentrieren, weiß Christiane Edler. Sie hat den ambulanten Hospizdienst Berliner Herz 2007 gegründet, der mittlerweile mit 100 ehrenamtlichen Familienhelfern ebenso viele Familien in ganz Berlin betreut. "Schon ein paar Stunden in der Woche sind eine große Entlastung bei der Dauer-Pflege kranker Kinder", sagt Christiane Edler. Auf der Weihnachtsfeier gibt es extra eine Mal- und Bastelecke für Kinder, damit Eltern und Ehrenamtliche sich unterhalten und das Bühnen-Programm mit Streichmusik und Weihnachtsliedern genießen können. Höhepunkt der Feier ist der Auftritt des Weihnachtsmannes. Und Sophie darf ihn sogar vor allen anderen sehen: für das gemeinsame Foto mit ihrem Bruder Benjamin und seiner "Herz-Dame" Maria bittet Fotograf Reto Klar den Weihnachtsmann noch vor seinem offiziellen Auftritt auf die Wendeltreppe. Schüchtern setzt sich Sophie neben ihn und kann die Augen kaum von der imposanten Gestalt abwenden. Unter dem roten Kostüm verbirgt sich ein ehrenamtlicher Familienhelfer.

Bei der anschließenden Bescherung werden alle Kinder - gesunde und kranke - aufgerufen und erhalten ein Geschenk vom Weihnachtsmann. Berliner helfen hat wie in den vergangenen Jahren mit einer Spende im Rahmen der Weihnachtsaktion für die "Schöne Bescherung" beim Berliner Herz gesorgt. "Die Feier ist auch als Dank und Anerkennung für unserer ehrenamtlichen Familienbegleiter gedacht", sagt Christiane Edler. "Dabei macht es so viel Spaß mit Benny und seiner Familie, wir haben ein tolles Verhältnis zueinander", freut sich Maria Fernanda Garcia de la Zerda. "Die Ausbildung der Ehrenamtlichen finde ich wirklich sehr gut", bestätigt Benjamins Mutter.

"Vielen Eltern fällt es schwer, ihr krankes Kind in fremde Hände zu geben. Unsere Helfer sind viele Jahre bei den Familien und wissen genau, was sie zu tun haben", sagt Christiane Edler. Und weil ihr der Weihnachtsmann doch ein bisschen unheimlich war, hat sich Sophie immer wieder umgedreht, um zu schauen, ob Maria auch noch da ist.