Berliner helfen

Plätzchenfahrt auf der Spree

"Schöne Bescherung": Reederei Riedel lädt Reinickendorfer Kinder zum Ausflug mit dem Weihnachtsschiff ein

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

Fast lautlos gleitet das festlich beleuchtete Weihnachtsschiff über die Spree heran. An der Anlegestelle am Märkischen Ufer vor der Jannowitzbrücke warten 20 aufgeregte Kinder. Eine halbe Stunde mussten sie warten - wegen des Staatsbesuchs des israelischen Ministerpräsidenten war die Spree kurzfristig gesperrt worden. Doch nun ist die "Spree-Diamant" da und die Kinder können es kaum erwarten, an Bord zu kommen. "Aber schön die Schuhe abtreten, nicht dass ihr den ganzen Schnee hereinschleppt!", ruft Gertrud Meyer mit fester Stimme. Gemeinsam mit Klassenlehrerin Mauricette Benda begleitet sie die dritte Klasse der Hausotter-Grundschule in Reinickendorf zur Plätzchenfahrt - auf Einladung der Reederei Riedel und Berliner helfen e.V.

Ehrung für Ehrenamtliche

Das ist so etwas Besonderes, daran werden sich die Kinder bestimmt lange erinnern", ist sich die Klassenlehrerin sicher. Nach Kinderpunsch, Schokolade und Lebkuchen an der festlich gedeckten Weihnachtstafel gibt es noch eine Überraschung: Martina Freise, Gastgeberin und Mitinhaberin der Reederei Riedel, überreicht die Ehrenamtskarte des Berliner Senats und einen Buddy-Bären an die Begleiterin der Kindergruppe, Gertrud Meyer. Die 71-jährige organisiert seit Jahren ehrenamtlich und in Eigeninitiative zweimal wöchentlich gesunde Schulfrühstücke an zwei Reinickendorfer Grundschulen. "So viele Kinder kommen ohne Frühstück in die Schule. Mit leerem Magen kann man doch nicht lernen!", sagt sie. Für die Frühstücke ist sie auf Spenden angewiesen und wird auch von Berliner helfen unterstützt. "Sie schenkt Kindern Zeit, Zuwendung und immer ein offenes Ohr. Ihr Engagement kommt aus dem Herzen", betont Martina Freise in ihrer Ansprache. Zu Ehren "ihrer" Frau Meyer sagen die Kinder ein Weihnachtsgedicht auf und singen "Schneeflöckchen, Weißröckchen", während das Schiff spreeaufwärts an der O2-World vorbeifährt. "Das haben sie ganz schnell gelernt, das ist wirklich eine tolle Klasse", findet Lehrerin Maurice Benda. Keine Selbstverständlichkeit an der Grundschule in Reinickendorf-Ost, einem Gebiet mit hohem Anteil an Hartz-IV-Empfängern und vielen Familien mit ausländischen Wurzeln. "Natürlich gibt es Probleme, aber die Kinder sprechen alle gut deutsch und verstehen sich untereinander", betont die Lehrerin, die seit 1971 an der Hausotter-Grundschule unterrichtet und großen Wert darauf legt, dass an einer deutschen Schule auch deutsche Gedichte gelernt werden.

Für Martina Freise und die Reederei Riedel ist es die achte Plätzchenfahrt im Rahmen der Weihnachtsaktion "Schöne Bescherung". Mit tatkräftiger Unterstützung zweier "Engel", der ehrenamtlichen Helferinnen Christine Rittsche und Brigitte Wening, hat sie den Fahrgastraum weihnachtlich dekoriert und die Tische mit roten Plastikdecken, Teigrollen und unzähligen Ausstechförmchen präpariert. In großen Edelstahl-Schüsseln wartet der vom Bordkoch Manfred Lindner vorbereitete Plätzchenteig. In seinem Profi-Backofen werden die vielen Bleche ganz schnell fertig, so dass sich die Kinder der Hauptaufgabe widmen können: dem Verzieren und Glasieren. Dazu steht von Prinzessin-Lillifee-Streuseln über Liebesperlen bis zu bunten Smarties alles bereit, was kleine Bäcker begehren.

Damit genug "Material" zum Verzieren da ist, helfen die Erwachsenen beim Ausstechen mit. Als das Schiff nach drei Stunden wieder anlegt, kann jedes Kind nicht nur stolz eine große Tüte Plätzchen mit nach Hause nehmen, sondern auch jeweils drei Erinnerungsfotos vom Reederei-Fotografen, der die Bilder noch während der Fahrt ausgedruckt hat. "Es macht immer wieder solchen Spaß, wir freuen uns, dass wir die Weihnachtsaktion unterstützen können", sagt Martina Freise und verspricht: auch im nächsten Jahr wird es wieder eine Plätzchen-Fahrt auf der Spree geben.