Berliner helfen

Chancen für ein besseres Leben

Tagesgruppe des pad e.V. in Hellersdorf bietet Hilfe für Kinder in schwierigen Verhältnissen

Fröhlich stürzen sich Michelle, Lisa Marie und die Zwillinge Vivienne und Josi auf die Matten im Sportraum im "Haus an der Kastanienalle" in Hellersdorf. Die zehnjährigen Mädchen gehören zur Tagesgruppe des pad e.V., einem Träger der Jugendhilfe, der im Auftrag des Jugendamtes Hilfen zur Erziehung anbietet. Jeden Tag kommen zehn Kinder nach der Schule in die Tagesgruppe. Erst gibt es ein warmes Mittagessen und nach einer kleinen Entspannungspause werden Schulaufgaben gemacht. Jeweils eine Erzieherin kümmert sich um zwei oder drei Schüler. "Wenn die Kinder keine Hausaufgaben haben, wird für verschiedene Fächer geübt", sagt die Leiterin der Gruppe Andrea Schupp. Die schulische Förderung ist ein wichtiger Aspekt der Erziehungshilfe, für die die Eltern einen Antrag beim Jugendamt stellen müssen. Hauptaufgabe der drei Erzieher und der Therapeutin ist es, den Kindern das Einhalten von Regeln beizubringen. "Es geht um ein gutes Miteinander auskommen, um das Lösen von Konflikten ohne Gewalt und um so simple Dinge wie den Anderen ausreden lassen", erzählt Andrea Schupp. Dinge, die die Kinder Zuhause nicht lernen, weil ihre Eltern mit der Erziehung überfordert sind.

In Hellersdorf-Nord ist die Arbeitslosigkeit hoch, manche der Väter und Mütter kämpfen mit schwierigen Lebensgeschichten, oft belasten schwere Krankheiten den Alltag und machen geregelte Strukturen für Kinder unmöglich. Die Erzieher der Tagesgruppe halten auch engen Kontakt zu den Schulen der Kinder und vermitteln bei Problemen zwischen Lehrern und Eltern.

"Wir arbeiten hier immer mit der ganzen Familie", betont die Tagesgruppenleiterin und Therapeutin Andrea Schupp. Ganz wichtig sei die respektvolle und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Eltern, denn das Ziel der sogenannten "teilstationären Erziehungshilfe" ist, dass das Kind in seiner Familie bleiben kann. "Bei allem was wir tun müssen die Eltern überzeugt sein: das ist das Beste für mein Kind", sagt die Leiterin der Tagesgruppe, die bei Bedarf auch in therapeutischen Einzelsitzungen mit den Kindern arbeitet.

Das Jugendamt überprüft alle sechs Monate, wie sich das Kind und die Situation in der Familie entwickelt. Durchschnittlich zwei Jahre bleiben die Kinder in der Tagesgruppe, montags bis Donnerstags bis 17.30 Uhr, freitags bis 16 Uhr.

In dieser Zeit wird in der Gruppe gelernt, gespielt und getobt, aber auch Aufgaben wie Tisch decken oder Spielsachen einsammeln übernommen. "Ganz wichtig ist der geregelte Tagesablauf. So gibt es jeden Nachmittag eine Vesper mit Käsebrötchen oder Obst oder etwas, was die Kinder sich wünschen", erzählt Andrea Schupp. Die Kosten dafür und die Personalkosten sind durch die Tagessätze vom Jugendamt gedeckt. Aber die Extras wie Ausflüge oder eine Woche Sommerferien mit der Gruppe in einer Jugendherberge müssen auch mit Hilfe von Spenden finanziert werden. "Die Matten im Sportraum sind schon vierzehn Jahre alt. Die würden wir gern ersetzen", meint Erzieherin Rieke Müller. Auch der alte Schrank für die Sportsachen wird nur noch mühsam durch das Schloss zusammengehalten und die Jungen der Gruppe wünschen sich ein neues Kickerspiel und zwei Fußballtore für den Garten.

Zurzeit werden in der Gruppe Weihnachtsgeschenke für die Eltern gebastelt, die dann bei der großen Familien-Weihnachtsfeier am 10. Dezember übergeben werden. Ein anderes Projekt heißt "Glücksmalen" - die Kinder sollten zeichnen, was sie glücklich macht: es entstanden Bilder über Eis Essen, die Schule und mit Mutti zusammensein.

"Wenn die Leistungen im Unterricht besser werden oder die Mütter sich bei uns bedanken und erzählen, was sich im Zusammensein mit ihrem Kind alles positiv verändert hat", das seien für sie schöne Erfolgserlebnisse, meint Rieke Müller. Die 24jährige arbeitet nach einem halben Jahr Praktikum seit Juli als Erzieherin in der Tagesgruppe im "Haus in der Kastanienalle". Das Ziel: Kinder sollen Fähigkeiten für ein Familienleben ohne ständigen Streit und einen respektvollen Umgang miteinander entwickeln. "Damit haben sie dann schon viel bessere Chancen im Leben", sagt Andrea Schupp.