Urlaub für einen Tag

Badevergnügen wie an der Ostsee

Urlaub für einen Tag: Wir nehmen Sie mit auf Ausflüge in Berlin und Brandenburg. Diesmal können Sie einfach die Seele baumeln lassen. Bei Badeausflügen nach Lübars, Grünau oder an den Wannsee fühlt man sich fast wie am Meer.

Foto: Amin Akhtar

In Berlin gibt es in jedem Bezirk Möglichkeiten, unter freiem Himmel zu schwimmen. Fast 30 Frei- und Sommerbäder zählt die Stadt. Ein Besuch im Strandbad erfordert zwar meist eine etwas längere Anfahrt, doch ist hier das Urlaubsfeeling größer: Sandstrand, Strandkorb, Segelschiffe im Hintergrund und garantiert kein Chlorgeruch. Fast wie an der Ostsee. Die Berliner Morgenpost stellt drei Strandbäder vor.

Strandbad Lübars

Tyran denkt gar nicht daran, aus dem Wasser zu kommen. Nur vier Stunden planschen? Nicht mit ihm. Vor lauter Vorfreude auf den Badeausflug ins Freibad Lübars war der Vierjährige schließlich am Vorabend erst um 23 Uhr eingeschlafen. Doch Familie Ollenburg, die schon weiß, dass der Filius „nur schwer aus dem Wasser zu bekommen ist“, muss los. Vater Frank (30) hat einen Tag frei, aber Mutter Julia (24), eine Altenpflegerin, beginnt um 14 Uhr zu arbeiten. „Wir sind erst zum zweiten Mal hier, aber es gefällt uns. Meine Schwester hat mir das Bad empfohlen. Es hat einen guten Ruf als kinderfreundliches Familienbad“, sagt die Mutter.

Das Wasser am Ufer des privat betriebenen Bads am eiförmigen Ziegeleisee plätschert leise vor sich hin. Keine zwei Meter vom See entfernt, also in der ersten Reihe, genießt Familie Ollenburg die letzten Minuten des Ausflugs. Der „Logenplatz“ war nicht schwer zu bekommen: Drängten vor der Wende bei sehr gutem Wetter bis zu 17000 Gäste ins Bad, müssen sich die Badbetreiber Henry Arzig(55) und Olaf Schenk(49) heute mit 3000 bis 4000 Badegästen an „vernünftigen Tagen“ zufrieden geben. „Nach dem Mauerfall sind etliche Baggerseen im Umland dazugekommen, die sind für viele attraktiv, weil sie dort keinen Eintritt zahlen müssen“, sagt Schenk. Allerdings biete das Bad auch einiges für den Eintritt, meint er. Sogar zertifizierten feinen Strandsand haben die Betreiber, die das Bad an dem nur 350 mal 200 Meter kleinen See 2009 von den Berliner Bäderbetrieben gepachtet haben, anfahren lassen. Kinderspielplatz, Volleyballfeld, große Rutschen im Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich, Sprungturm, eine Mini-Rutsche für Kleinkinder, Duschen – alles da. Der Nichtschwimmerbereich ist abgetrennt. Die Gäste können Strandkörbe und Sonnenliegen mit Schirmen mieten. Auf der Liegewiese bieten Bäume Schatten. Von der Restaurant-Terrasse blickt man weit über den See.

Wie in den Sommerbädern gibt es auch im Freibad Lübars Sicherheitspersonal. „So beugen wir eventueller Kriminalität vor“, sagt Schenk. Die Welt sei in Lübars aber noch in Ordnung, Schlimmeres als ein verschwundenes Portemonnaie bisher nicht zu beklagen. Damit Geld in die Kasse kommt, setzt das Pächterduo neben der ganzjährig geöffneten Gastronomie auch auf Veranstaltungen. Am 6.August steigt die „PyroTalia“ mit drei Feuerwerk-Shows. Eine Partyband aus Mallorca soll für Stimmung sorgen, Nino de Angelo ist eingeladen.

Das kinderfreundliche Strandfeeling im Freibad Lübars und die Sauberkeit – kein Müll, keine Scherben – schätzt auch Jeannine Paiduk. Die 35 Jahre alte Fotografin aus Wittenau kommt mit ihren Töchtern Mariella (3) und Isabella (7) zum See, so oft sie kann: „Die Mädels können hier wunderbar mit dem Schlamm matschen.“

Yvonne Korthaus (57) ärgert sich dagegen, dass der FKK-Bereich abgeschafft wurde. Im Badeanzug könne sie sich auch zu Hause sonnen. Doch Schenk sagt, Eltern mit Kleinkindern hätten sich oft über die nackten Badegäste beschwert.

Strandbad Grünau

Damit hat Pächter Jürgen Steddin (51) in seiner weitläufigen Anlage im Strandbad Grünau keine Probleme. Dort ist genügend Platz für einen kleinen FKK-Bereich. Auch für Steddin ist es mittlerweile die dritte Saison, in der er das Bad am Langen See von den Berliner Bäderbetrieben gepachtet hat. Der Heizungs- und Sanitärmeister hat schon viel erneuert – alle Leitungen, die Toiletten und Duschen. Die 100 Strandkörbe hat er sogar selbst gebaut. Für die neue Wegepflasterung hatte er neun große Laster mit Steinen anfahren lassen. Steddin hat sogar Edelstahlleitern am Ufer installiert, damit die Badegäste gut ins Wasser und wieder raus kommen. Aus dem einstigen verwilderten Anwesen wurde so eine hübsche und saubere Anlage, in der Glasflaschen aus Sicherheitsgründen tabu sind. Während im Norden des Sees die Boote und Dampfer vorbeituckern, schwimmen im Süden die Badegäste im großzügig abgegrenzten Gebiet. Und die Sonnenhungrigen liegen mit Blick auf den fernen Müggelturm im Sand des langgestreckten Ufers.

Auch im Strandbad Grünau sind Gewaltvorfälle oder gar Messerstechereien bisher kein Thema gewesen. Steddin und sein Team legen Wert auf Ordnung. Noch nicht einmal eine Zigarettenkippe landet auf dem Boden. Gleich am Eingang erhalten Raucher einen Aschenbecher. „Kinder sollen schließlich nicht mit Kippen im Sand spielen müssen“, sagt Steddin.

Strandbad Wannsee

Der Klassiker unter Berlins Strandbädern ist natürlich der Lido am Wannsee. Dort herrscht in der Regel größerer Andrang als in den kleineren Bädern. 6000 Gäste sind dort an schönen Wochentagen keine Ausnahme. Wer im zunächst flachen Wasser schwimmen möchte, muss schon weiter vom Ufer weg als in Lübars und Grünau. So suchen an heißen Tagen viele Badende stehend Abkühlung – ein Bild, fast wie in der Karibik.

Ein Junge kann gar nicht genug bekommen von der neuen Rutsche, auf der man in Sekundenschnelle 40 Meter in die Tiefe rauscht. Er muss eine Flatrate haben, immerhin kostet einmal Rutschen zwei Euro. Das imposante Plastik-Bauwerk ist nicht im Wasser, sondern im Sandstrand aufgebaut, damit es auch Nichtschwimmer nutzen können. Erstmals in dieser Saison vertreten im Strandbad ist die Firma „Sail Laiser“. Mit ihrer Segelflotte will sie junge Leute fürs Segeln gewinnen. In den Ferienkursen sind noch Plätze frei, das „Seepferdchen“-Schwimmabzeichen Voraussetzung fürs Mitmachen ( www.sail-laser.com/berlin ). Das Strandbad Wannsee bietet sich aber auch zum Faulenzen an: in den Strandkorb setzen, die Augen schließen, dem sanften Rauschen der Wellen lauschen – und von der Ostsee träumen.

Preise und Anfahrt

Strandbad Lübars, Am Freibad 9, Tel:53086035, geöffnet täglich 8–20 Uhr, Eintritt: 4 Euro, erm. 2,50, mit Ferienpass 1,50, Familienticket 8 Euro, Strandkorb 8 Euro. U-Bhf. Alt-Tegel oder S-Bhf. Waidmannslust, dann Bus222, www.strandbad-luebars.de

Strandbad Grünau, Sportpromenade9, Tel:25090683, geöffnet in den Ferien 10–19 Uhr, dann bis 18 Uhr. Eintritt: 5 Euro, erm. 3 Euro. Familienkarte 10 Euro. Strandkorb 10 Euro. S-Bhf. Grünau, dann Tram 68. www.strandbad-grünau.de

Strandbad Wannsee, Wannseebadweg 25, Tel:8035450. geöffnet (bis 14.8.): Mo.–Fr., 9–20 Uhr, Sbd./So., 8–21 Uhr. Eintritt: 4 Euro, erm. 2,50, Familienkarte 7 Euro. Bus 312 (S-Bhf. Nikolassee–Strandbad ) während der Ferien. www.berlinerbaederbetriebe.de

Gewässerqualität Infos unter: www.berlin.de/badegewaesser/detail

In der Nähe Blick auf die Geschichte der Ausflugskultur

Wer sich auf den Weg ins Freibad Lübars gemacht hat und sich nebenbei auch noch weiterbilden möchte, sollte einen Abstecher ins Heimatmuseum Reinickendorf machen. Für ältere Erwachsene werden Erinnerungen an die Kindertage wach, jüngere sehen anschaulich, wie ihre Eltern, Großeltern und Vorfahren aufwuchsen.

Im Kinderzimmer gleich links neben dem Eingang ist historisches Spielzeug wie eine Teddy- und Puppensammlung, ein Kaufmannsladen aus den 20er-Jahren sowie eine Modelleisenbahn ausgestellt. Im Handwerkerraum gegenüber sind eine Zimmermannswerkstatt, eine Buchbinderei, eine Schuhmacherei, eine Sattlerei und eine große Schmiede mit Blasebalg und Amboss aufgebaut.

Im Keller befindet sich die Waschküche. Tücher mit gestickten Sprüchen wie „Sauber und rein soll immer meine Wäsche sein“ oder „Suche das Glück nicht weit, es liegt in der Häuslichkeit“ zeugen von der einst großen Bedeutung der Wäsche, deren Sauberkeit Hausfrauen vor der Erfindung der Waschmaschine viel abverlangte. In der historischen Waschküche sind Waschzuber und Waschbretter, erste Waschautomaten, Schleudern und Mangeln zu besichtigen.

Im ersten Obergeschoss sind gleich mehrere Themen veranschaulicht, auch, wie sich die Ausflugskultur in den Dörfern des heutigen Bezirks Reinickendorf entwickelt hat. In der Postkartensammlung sind Exemplare zu sehen, auf denen schon 1898 „Grüße aus dem Seebad Reinickendorf“ verschickt wurden.

Ein Försterzimmer, ein Biedermeierzimmer, auch ein Klassenzimmer sind nachgebaut. Schließlich handelt es sich beim Backsteinbau des heutigen Museums um die 1889 erbaute Dorfschule von Hermsdorf. Im rekonstruierten Schulzimmer mit Lehrerpult und alten Schulbänken sind Schüler- und Lehrerutensilien zu sehen: Gänsekiel, Feder, Schiefertafeln und Griffel, auch ein Rohrstock. Kunstamtsleiterin Cornelia Germer führt das Museum seit 2000. Sie legt bei der Vermittlung von Geschichte großen Wert darauf, zu zeigen, wie die Menschen in Reinickendorf einst gelebt, gearbeitet und gelernt haben.

Auf dem Freigelände des Museums kann ein nachgebautes germanisches Gehöft besichtigt werden. Wer das Hauptgebäude, in dem Vieh und Mensch nah beieinander lebten, betritt, spürt im Sommer die wohltuende Kühle. Die Wände bestehen aus mit Lehm verstrichenem Flechtwerk, das Dach ragt bis zum Boden. Im Innern duftet es nach Stroh. Im Wohnraum mit offener Feuerstelle wurde gekocht, gegessen, geschlafen und gearbeitet. Das Archiv hortet einen Schatz alter Fotos, Postkarten, Pläne. Schwerpunkt ist die Kunstsammlung mit Ansichten aus den Reinickendorfer Ortsteilen. Es kann auch besichtigt werden, jedoch sollte für das Archiv vorher ein Termin vereinbart werden. bsm

Heimatmuseum Reinickendorf, Alt-Hermsdorf 35, Tel:4044062, Mo., 9–13.30, Di.–Fr. und So., 9–16 Uhr. Eintritt frei. S-Bahn S1 bis Hermsdorf, Bus 120, Haltestelle Almutstraße