Urlaub für einen Tag

Der Zoo ist ein Spielplatz für jedes Wetter

Urlaub für einen Tag: Wir nehmen Sie mit auf Ausflüge in Berlin und Brandenburg. Diesmal geht in den Zoo. Dort bekommen die großen Fische bei Regen im Aquarium Besuch und bei Sonnenschein geht es zu Emus, Warzenschweinen und Antilopen.

Foto: Marion Hunger

Der Fisch ist groß. Sehr groß sogar, vor allem für jemanden wie Jura Samuel Rapoport Brucke mit seinen 14 Monaten. Der Monokel-Kammbarsch schaut Jura Samuel Rapoport an. Jura Samuel Rapoport schaut den Monokel-Kammbarsch an. Er zeigt mit dem Finger auf den Fisch. „Ente“, sagt er selig.

Ein verregneter Ferientag im Juli. Im Aquarium des Zoologischen Gartens treffen sich Kinder aus Ferienfreizeitgruppen, Großeltern mit Kindern, Eltern mit Kleinkindern, Mütter mit Babys im Kinderwagen. Für Jura ist alles „Ente“, was Augen hat und sich bewegt, sagt seine Mutter Franziska Brucke – die Fische, die Kinder, die Erwachsenen. Nur der Marabu auf dem Weg hierher ist nicht Ente: Der stand bewegungslos auf einem Bein in seinem Graben und hatte die Augen geschlossen.

Während Jura mit den Enten redet, hat Rocco, 19 Monate alt, schnell und professionell seinen Spielzeug-Lastwagen entwendet und eilt damit Richtung Ausgang. Roccos Mutter hinterher. Sie mahnt ihn in Englisch, dem boy seinen truck zurückzugeben. Rocco antwortet in der Sprache, in der die kindliche Internationale gegen jedwede Unterdrückung durch die Eltern kämpft, mit anhaltendem Geschrei.

Der Regen hat aufgehört. Am Ausgang zählt eine Betreuerin schon wieder ihre Kindergarten-Truppe durch. Und es sind wieder nicht mehr als elf, das ist gut. Denn am Eingang, bei den Streichel-Kois in ihrem offenen Aquarium, bleibt mancher Mann und manches Mädchen hinter der Einheit zurück. Dafür aber schließen sich schnell andere Kinder der Gruppe an.

Horst, 72, und Helga Schendel, 69, sind mit ihren Enkeln Maja und Mika in den Zoo gegangen. Neben den neun Jahre alten Zwillingen begleitet sie inzwischen Amelie, sieben Jahre alt. Die drei Kinder diskutieren, ob ein Fisch Maja anschaut oder nicht, und ob man Angst haben muss, wenn man in einem Hai-Aquarium schwimmt. Jura krabbelt auch heran, und auf Mikas Schoß sitzt auf einmal Angelina (19 Monate). Da sind es schon fünf. Angelina mag im Zoo Gorillas, Papageien, Adler – und Mika, offensichtlich.

Die Fütterung der Eisbären und Seelöwen um 10.30 Uhr haben die Zwillinge verpasst, Seehunde und Seebären um 11 Uhr wäre gerade so zu schaffen. Die kriegen aber sowieso um 13.30 Uhr noch eine Mahlzeit. Und außerdem hat Maja am Eisstand (Twister für Maja, Nogger für Mika) erfahren, dass es zwei Löwenbabys gibt – Schendels und die Zwillinge schauen jetzt zu, wie die Löwenbabys, drei Monate alt, versuchen, ein Handtuch zu erlegen. Bisher sieht es so aus, dass das Handtuch gewinnt.

6006 Fische in 586 Arten kommen im Aquarium des Berliner Zoos vor, hinter dem Elefanten-Tor leben 1026 Säugetiere und 2310 Vögel – das ist der Stand der Jahresinventur 2010. Einer von ihnen, ein schlechtgelaunter Schwarzstorch, versucht gerade, durch das Gitter Maja zu attackieren. Ihr Bruder verteidigt seine Schwester: „Komm raus, wenn du dich traust“, ruft er dem Storch zu. Der Storch will nicht, und Großvater Horst Schendel schlägt vor, dass Mika und Storch das doch später unter sich ausmachen sollten.

Man könnte jetzt: die Fütterung der Königspinguine anschauen um 13.45 Uhr, die der Wölfe, Wildhunde oder Braunbären um 14 Uhr oder für vier Euro Karten kaufen für das Ferienprogramm des Zoologischen Gartens. In den Schulferien gibt es die „Rätsel-Safaris“ für Kinder ab sieben Jahren – Touren zu den wilden Tieren nach Afrika (wieder am 28. Juli und am 11. August), nach Südamerika (nächste Termine 18. Juli, 1. August), an den Polarkreis (21. Juli, 4. August) oder eine Reise zu bedrohten Tierarten (25. Juli, 8. August). Nach Quiz und Schnitzeljagd richtet der Zoo eine Siegerehrung für die Kinder aus. Jede Safari beginnt um 14.30 Uhr am Löwentor am Hardenbergplatz.

Schendels gehen mit den Zwillingen zur Fütterung – Mittagessen. In Schulers Gast-Zoonomie gibt es Riesencurrywurst (7,20 Euro) und Fassbrause (2,40 Euro), die Kinderportion Spaghetti kostet 4,90 Euro. Danach wollen die Kinder zu den Nilpferden. Da steht jetzt Maja, enttäuscht. Ein einziges der Flusspferde dümpelt gelangweilt vor der Glasscheibe im 600-Kubikmeter-Becken und schaut die Besucher an, genauso enttäuscht. Maja hat mit ihrem Zwillingsbruder den sechsten Geburtstag der beiden im Zoo gefeiert: „Da durften wir im Flusspferdhaus ganz nach oben gehen und füttern. Wir haben von oben Brot geworfen, und die Flusspferde haben immer nur das Maul aufgemacht.“ Hinter der Glasscheibe gähnt das Flusspferd und taucht ab.

Streichelziegen greifen an

Zu den wirklich wilden Tieren ist es noch ein längerer Weg. An den Kaiserpinguinen vorbei, die sich ungerührt von der Schneekanone berieseln lassen, vorbei an Volieren, in denen Spatzen den Bewohnern das Vogelfutter klauen. Uliana, genau ein Jahr und zwei Wochen alt, sitzt auf einem Baumstamm im Streichelzoo (geöffnet 10 bis 16 Uhr) zwischen aggressiven verfressenen Ziegen, die vor den Futterautomaten lauern und die Schnauzen in die Jackentaschen der Besucher stecken. Uliana ist zum ersten Mal in ihrem Leben in Berlin, und zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Zoo. Sie ist mit Mutter Olessya Zhuravkva, 30, aus Karaganda zu Besuch, der Hauptstadt Kasachstans, und findet dieses fremde Land sehr seltsam, in der gehörnte Tiere die Menschen ausplündern. Beim dritten Versuch ist es Olessya gelungen, Futter für 20 Cent aus dem Automaten mitzubringen – vorher hatten die Ziegen es gleich aus dem Schacht gestohlen. Jetzt sieht Uliana nicht ein, diese Portion mit den Tieren zu teilen. Sie führt die Pellets selbst zum Mund. Mutter Olessya, Englischlehrerin, erklärt: „Sie kennt Ziegen schon, von Besuchen auf dem Dorf. Aber offenbar mag sie sie nicht so besonders.“ „Die sind noch harmlos“, ergänzt eine andere Mutter, „warten Sie erst einmal die Gänse ab.“ Da will Uliana nicht mehr hin.

Maja und Mika haben nach fast fünf Stunden ihren Zoorundgang zwischen Amazonasgebiet und Polarkreis beendet. Sie sind satt, erschöpft – und erzählen sich gegenseitig gerade hundert neue Geschichten, vom „Grinsegesicht“ des riesigen Rochens im Aquarium und vom Kampf gegen Schwarzstörche. „Und wann gehen wir wieder in den Zoo?“, wollen sie von den Großeltern wissen.

Adressen und Eintrittspreise

Zoologischer Garten: Zoologischer Garten, Hardenbergplatz 8, 10787 Berlin. Anfahrt mit den S-Bahnlinien S 5, S 7, S 75 und S 9, S-Bahnhof Zoologischer Garten, U-Bahnlinien U 2 und U 9 (bis U-Bahnhof Zoologischer Garten), U 1 und U 9 (bis U-Bahnhof Kurfürstendamm). Geöffnet 9 bis 19 Uhr (Kassenschluss 18 Uhr). Erwachsene 13 Euro, Zoo und Aquarium 20 Euro, Kinder 5 bis 15 Jahre 6,50/10 Euro. Kleines Familienticket (ein Erwachsener und seine Kinder bis 15 Jahre) 22/33 Euro, Großes Familienticket für zwei Erwachsene 35/50 Euro. Kinder-Safaris 4 Euro zusätzlich.

Tierpark: Am Tierpark 125, 10319 Berlin. Anfahrt U-Bahnlinie U 5, mit den Tramlinien M 17, 237, 37, Buslinien 296, 396, 194. 9-19 Uhr (Kassenschluss 18 Uhr). Erwachsene 12 Euro, Kinder zwischen 5 und 15 Jahren 6 Euro. Kleines Familienticket 20, Großes 32 Euro.

Deutsch-Russisches Museum , Zwieseler Straße 4, 10318 Berlin:

Museum Lichtenberg im Stadthaus Türrschmidtstr. 24, 10317 Berlin,

geöffnet Di–Fr: 11–18 Uhr, So: 11–18 Uhr

Naturschutzstation Malchow , Dorfstraße 35, 13051 Berlin, (030/92 79 98 30/ 31 Donnerstag: 9-17 Uhr, Sonnabend (März–November): 13–17 Uhr, Sonntag: 13-17 Uhr

In der Nähe

Wo Elefanten lachen und Großkatzen fasten müssen

Im Tierpark lernt man: Elefanten können wirklich lachen. Sie haben heute Badetag, wie an jedem Sonnabend und Sonntag um 12 Uhr. Und sie lieben das Wasser. Mit etwa 160 Hektar ist der Tierpark in Lichtenberg weitläufiger als der Zoologische Garten. Die Daten: 7461 Tiere leben hier, 884 verschiedene Arten. Darunter allein 1403 Säugetiere (192 Arten), 2362 Vögel (394 Arten), und 44 Lurche, so der Stand nach der Zählung im vergangenen Jahr. 2010 besuchten fast eine Million Menschen den Tierpark.

Im Alfred-Brehm-Haus herrscht gerade eine etwas gereizte Stimmung – 15 Uhr, es ist Fütterungszeit, und kein Tiger, keine Großkatze möchte zu wenig Futter abbekommen. Nur freitags herrscht nachmittags Langeweile im Raubtierhaus – es ist der Tag, an dem die Katzen fasten müssen. Die nächsten Termine für Kinder im Tierpark: 24. Juli, 13 Uhr: Das Nottingham Youth Orchestra tritt auf. 7. August, 11 Uhr: Märchenstunde für Kinder, es gibt Geschichten von Tieren. 21. August, ab 10 Uhr: Das Tierparkfest – an der Freilichtbühne tritt unter anderem das Kinder-Musical-Theater Berlin auf, außerdem auch einige der Tierpark-Tiere. 27. und 28. August, 10 bis 18 Uhr: Schlossfest auf dem Schloss Friedrichsfelde, ab 1695 erbaut. Mehr als 100 Tänzer und Schauspieler treten beim Rokoko-Fest auf. Für Kinder gibt es Theateraufführungen, Märchenerzählungen und historische Spiele.

Nicht weit weg vom Tierpark ist das Deutsch-Russische Museum: In dem ehemaligen Casino für Wehrmachtoffiziere in Karlshorst wurde nach dem Zweiten Weltkrieg in der Nacht vom 8. auf den 9.Mai 1945 die bedingungslose deutsche Kapitulation unterzeichnet. Heute wird im Haus an die Geschichte zweier ehemaliger Kriegsgegner erinnert. Um Geschichte geht es auch im Heimatmuseum Lichtenberg: Und zwar um 700 Jahre Lichtenberger Geschichte, die in der Dauerausstellung präsentiert wird. Eine Rarität stellt die Dorfkate Falkenberg dar: Sie ist das einzige Lehmhaus Berlins. Der Ursprungsbau wurde 1820 im Zentrum des Dorfes Falkenberg erbaut, nach einem Brand 1850 wurde sechs Jahre später das neue Lehmgebäude errichtet (Dorfstraße. 4/4A, 13057 Berlin).

Noch mehr Tiere – diesmal aber wirklich wilde finden sich in der Naturschutzstation Malchow. Die ständige Ausstellung informiert über einheimische Tier- und Pflanzenarten. Es gibt verschiedene Angebote für Kinder, auch für Hort- und Ferienfreizeitgruppen. Außerdem bietet die Station einen Erlebnisgarten und eine Duftschule. Und sie nennt eine Herde von 70 Schottischen Hochlandrindern und Heckrindern ihr eigen. Die Station verkauft Säfte von Früchten von Streuobstwiesen (zum Beispiel Bio-Apfelsaft aus der Buchholzer Kelterei 1,20 Euro/Liter) und Rindfleisch von der bereits erwähnten eigenen Herde. Das Storchen-Café (16 Plätze) der Naturschutzstation wurde im Juni eröffnet, alle Kuchensorten und Gerichte aus Bioprodukten. Öffnungszeiten der Station: Donnerstag bis Sonntag von 12 bis 17 Uhr.