Urlaub für einen Tag

Hier haben Kinder in Berlin Spaß am Selbermachen

Urlaub für einen Tag: Wir nehmen Sie mit auf Ausflüge in Berlin und Brandenburg. Diesmal bleiben wir in der Stadt: Spielt das Wetter einmal nicht mit, kann man hier Schokolade kreieren, Perlenketten basteln oder Keramik bemalen – das Angebot ist vielfältig.

Foto: Christian Kielmann

Wie im Wunderland muss sich Lea Marie fühlen. Lautlos öffnet sich vor ihr eine Klappe und heraus kommen Schubfächer mit allem, was Kinderaugen größer werden lässt: Zuckerstreusel, Gummibärchen, Kaubonbons, Knusperkugeln, Mini-Marshmallows, Smarties, Nüsse, Mandeln. Ein Traum, den die Sechsjährige erst einmal genießt. Bis zu drei Zutaten darf sie sich für ihre eigene Schokoladen-Kreation aussuchen. Ihr Blick schweift ruhelos über die Süßigkeiten-Bar. Dann sagt sie entschieden: „Haselnüsse und Mandeln.“ Keine Zuckerstreusel? Keine Marshmallows? Lea Marie klärt über ihre Wahl auf: „Ich mache für meinen Papa eine Tafel Schokolade.“

Bereits am Morgen hat das Mädchen, das aus der Nähe von Wiesbaden kommt und mit seiner Mutter eine Woche Urlaub in Berlin macht, das Hotel mit dem Vorsatz verlassen, für den Vater ein Geschenk zu kaufen. Dass sie es bei „Ritter Sport“ an der Französischen Straße direkt am Gendarmenmarkt auch noch selbst herstellen kann, übersteigt ihre größten Erwartungen. Auf 1000 Quadratmetern und drei Etagen ist in dem ersten und einzigen Ritter-Sport-Laden weltweit eine bunte Schokowelt aufgebaut: An der Schoko-Kreations-Bar stellen Chocolatiers Tafeln auf Wunsch der Besucher her, in der Schokolateria gibt es Desserts, Kuchen und heiße Getränke und auf dem Schokopfad – einem kleinen Museum mit 3-D-Kino – ist alles über die Kakaobohne zu erfahren. „Für viele ist es schon überraschend, dass der Kakao von einem Baum kommt“, sagt der Chef des Geschäfts, André Benisch.

In der Schokowerkstatt schließlich kreieren Kinder, Jugendliche oder Erwachsene ihr eigenen Tafeln. Bei den Kindern sei die Mischung aus Smarties, Marshmallows und Zuckerstreusel besonders beliebt, sagt Jennifer Ohm, die als Chocolatier hinter dem Tresen steht. Die Erwachsenen hingegen bevorzugten Ingredienzien wie Erdbeeren, Joghurt und karamellisierte Mandeln.

Lea Marie ist in der Schokowerkstatt bereits am Verrühren ihres warmen Schokoladenbreis, um ihn dann in die Plastikform zu gießen. Mit kleinen Schlägen an der Tischkante werden die Löcher in der Masse „ausgeklopft“. Jetzt darf der Löffel abgeleckt werden. Ein Genuss, dem sich Lea Maria mit großer Sorgfalt hingibt.

Während Papas Lieblings-Vollmilch-Mandel-Nuss-Schokolade eine halbe Stunden aushärten muss, darf sie die Verpackung gestalten. Glattweiß liegt der kleine viereckige Pappkarton vor ihr, auf dem sich nach und nach Häschen und Küken auf einer grünen Wiese unter blauem Himmel versammeln. Auf die andere Seite malt sie ein dickes rotes Herz für Papa.

Berlin kann auch an trüben Tagen ganz schön bunt sein. Das ist nicht nur die Erfahrung in der Welt der Schokoladenquadrate sondern auch inmitten glitzernder Perlen bei „Bonitaperla“ in Charlottenburg. Wie in einem Schatzkästchen sitzen die Besucher in dem kleinen Laden an der Leonhardtstraße, ganz in der Nähe vom Stuttgarter Platz. Leise Musik im Hintergrund, Dabei kann sich Hermine vor ihrer Wollfilz-Unterlage voller Perlen am Tisch ganz auf ihr Schmuckdesign konzentrieren.

Unendlich viele Perlen

Die Neunjährige ist nicht zum ersten Mal da und hat genaue Vorstellungen. Sie hat eine neue türkisfarbene Jacke, zu der sie nun ein passendes Schmuckstück braucht. Immer wieder schwärmt sie aus, tauscht aus, probiert, verwirft und ist schließlich zufrieden mit der Zusammenstellung. Der Tisch, an dem der eigene Schmuck hergestellt werden kann, ist umgeben von unendlich vielen kleinen Glaskästchen mit Perlen, Steinen und Anhängern aus Glas, Silber, Holz, Stoff oder Papier. Aus einer Ecke strahlen Swarovski-Kristalle, an den Wänden hängen Ohrringe und Ketten, mal dezent gestaltet, mal üppig an Steinen in kräftigen Farben.

Ungefähr 1500 verschiedene Perlensorten, schätzt Mitarbeitern Charlotte Ehrlicher, gibt es zur Auswahl. Vor fünf Jahren hat der kleine Perlenladen aufgemacht. Sechs Arbeitsplätze stehen zur Verfügung, für Kindergeburtstage auch einmal mehr. Wer kommt, kann sich Perlen aussuchen und den Schmuck zu Hause anfertigen oder den Schmuck direkt im Geschäft herstellen. Das haben an diesem Nachmittag auch zwei Jungs aus Zehlendorf vor. Emil (7) will seiner Mama ein Armband machen und Paolo (8) ein Armband für die Nachbarin, die immer so nett zu ihm ist. Die beiden Grundschüler können sich über einen Anker-Anhänger und ein Peace-Zeichen aus Metall begeistern, wählen dann aber doch Perlen in verschiedenen Größen und Farben für ihre Geschenke aus und setzen sich mit an den Tisch zu Hermine. Das Mädchen aus Steglitz kann nicht mehr zählen, wie oft sie schon im Perlenladen war, die Zahl der dort entstandenen Kunstwerke, wie Ketten, Schlüsselanhänger, Armbänder schon gar nicht beziffern. Diesmal soll es eine ganz besondere Kette sein – eine Klapperkette, wie sie sagt – mit vielen verschiedenen Anhängern. Das hantieren mit der Rundzange fällt ihr noch manchmal schwer, aber sie schlägt sich tapfer. Will es gar nicht klappen, ist Charlotte Ehrlicher immer helfend zur Stelle. Nach gut einer Stunde kann sich Hermine ihr Meisterwerk um den Hals binden. Die Neunjährige ist stolz auf die Kette, die natürlich jetzt in der Sammlung die schönste ist.

Kreativ beim Gestalten ist auch Cosima aus Tempelhof. Sie ist gerade dabei, eine Keramik-Tasse bei „Paint your Style“ am Kreuzberger Mehringdamm zu bemalen. Es ist heiß draußen und dennoch sind fast alle Tische in der Malstube besetzt. Viele Mütter mit Töchtern, Freundinnen und Familien sind da, aber auch Kindergartengruppen mit den Kleinsten. Cosima hat einen Kakaobecher vor sich, innen gelb und außen mintgrün. Jetzt will sie ihm noch ein paar Smileys verpassen, damit sie immer gut gelaunt in den Tag starten kann.

Im Sommer macht die Keramikmalerei, von der es noch eine zweite Filiale in Charlottenburg gibt, ein besonderes Ferienangebot: Keramikrohlinge von Tellern, Schüsseln und Bechern kosten im Zusammenhang mit dem Ferienpass jeweils 7,50 Euro statt 14 Euro. Die Kinder können die Teile an einem der vielen Tische in der Werkstatt bemalen und ein bis drei Tage später glasiert und gebrannt abholen. Cosima hat sich schon etliche Male als Keramikmalerin versucht. Mit Erfolg. Ihr Papa trinkt seither jeden Morgen seinen Kaffee aus einer Tasse mit lauter Herzen.