Urlaub für einen Tag

Drachenjagd auf der Berliner Museumsinsel

Urlaub für einen Tag: Wir nehmen Sie mit auf Ausflüge in Berlin und Brandenburg. Diesmal geht es auf die Museumsinsel. Denn dort gibt es ein Ferienprogramm mit spannenden Führungen speziell für Kinder.

Foto: David Heerde

Klaas (8), Polina (8) und Béla (9) schauen hoch zur großen Kuppel des Bode-Museums. Wie hoch mag das Gewölbe über den goldenen Bildern mit den deutschen Kaisern wohl sein? „13 Meter“, schätzt Klaas. Polina schließt sich gleich an, sie ist zu Beginn der Kinderführung „Von Drachen und Helden“ durch die Ausstellung noch etwas schüchtern. Béla ist etwas mutiger, das Mädchen mit dem blonden Pferdeschwanz vermutet, dass es vom Fußboden bis zur runden Decke 40 Meter sind. „Richtig“, ruft Götz Drope, der die kleine Kinderschar heute durch das Museum führt. Und ist begeistert, dass Béla die Entfernung so gut eingeschätzt hat.

Bei der Führung, die Teil des Ferienprogramms der Berliner Museen ist, geht es nicht nur darum, Distanzen zu schätzen oder die zugegebenermaßen beeindruckende Architektur des Bode-Museums auf der Spreeinsel in Mitte zu bestaunen. Oder über Drachen und Helden zu sprechen. Die Kinder sollen lernen, wie spannend ein Museumsbesuch sein kann. „Sie sind schließlich das Publikum von Morgen“, meint Götz Drope.

Klaas will am liebsten sofort zu den Drachen. „Drachen sind toll“, meint der Drittklässer aus Pankow. Jetzt, in den Ferien liest er nur Drachenbücher, zeichnet die Fabelwesen. „Aber am liebsten würde ich selbst eine Geschichte über Drachen schreiben.“ So wie er ihn sich vorstelle, könne der nicht nur Feuer spucken und fliegen, er hätte auch einen „Panzerschwanz“, mit dem er sogar Steine zertrümmern kann.

Klaas läuft mit dem Künstler Götz Drope und den beiden Mädchen in die „Basilika“ des Bode-Museums. Museumsgründer Wilhelm von Bode hat in der Bauzeit vor der Eröffnung 1904 den Raum der florentinischen Kirche San Francesco al Monte nachempfinden lassen. In den Nischen stehen farbenfrohe Heiligenfiguren und kleine Altäre. An denen läuft Götz Drope vorbei. Zielstrebig steuert er eine graue Steintafel an und setzt sich mit den Kindern davor auf den Boden. Die Steintafel ist zwar klein und unauffällig, löst aber unter den Kindern große Freude aus. „Ein Drache“, jauchzt Klaas.

„Und warum ist er auf der Steintafel?“, will Götz Drope wissen. Es ist ein Wappen, wie Ritter es benutzt haben, weiß Béla. Die Schülerin aus Pankow kennt sogar den Grund: Drachen gelten als unbesiegbar und das wollten die Ritter ebenfalls sein. Wegen ihrer Stärke waren aber auch Löwen und Adler unter den historischen Helden als Wappentiere beliebt.

Während es Löwen und Adler jedoch in Wirklichkeit gibt, sind Drachen erfunden worden, es gibt sie nur in Märchen. Polina, Klaas und Béla nehmen die Information von Götz Drope gelassen hin. „Logo sind Drachen Fantasiewesen“, meint Polina. „Aber gebe es Drachen in echt, wäre das ja ziemliche gruselig.“ Götz Drope erzählt ihr, dass Drachen, weil sie eine menschliche Erfindung sind, oft als Mischwesen dargestellt wurden. „Untenrum ein Hund mit einem Löwenkopf zum Beispiel. Oder ein Pferdeleib mit Adlerschwingen“

Kunst mit Kinderaugen

Wie der Drachen, der vom Heiligen Georg etwa 280 Jahre nach Christi erlegt worden sein soll und zu Füßen der kleinen Statue in der nächsten Museums-Halle liegt. „Auch dieser Drachen existierte nie“, sagt der 43-jährige Künstler. Die Menschen damals aber verehrten Georg als einen Volkshelden. Deshalb bildeten sie eine Legende um den römischen Legionär, der an Jesus geglaubt habe und dafür den Märtyrer-Tod in Kauf genommen hat. Nun geht es ans Zeichnen. Polina flitzt mit ihren Malutensilien durch die Halle mit den Drachen, sie will den schönsten finden und abmalen. Polina wählt einen Drachen aus, der in den Fängen eines Greifvogels liegt und beginnt mit dem Malen. Später wird sie dann die Zeichnung ausschneiden und noch einen Abdruck davon machen – ein schönes Souvenir für Zuhause.

Zum Ferienprogramm der Berliner Museen gehört auch die Führung von Mirjana Culibrk zu Max Freiherr von Oppenheims Abenteuern in Syrien. Oppenheimer grub auf dem Hügel Tell Halaf, auf dem bereits zwei Jahrtausende vor Christi Geburt Menschen lebten, 1911 eine Wüstenburg aus. Die vielen Steinskulpturen im Pergamonmuseum erzählen vom Leben der Mesopotamier.

Annika (8) steht vor einer Statue, die einen Mann und eine Frau zeigt. Ihre marmornen Augen fehlen. Auch eine Schale, ursprünglich vom Mann gehalten, ist nicht mehr da. „Darin haben die Halafer den Toten Opfergaben gereicht“, erzählt Mirjana Culibrk. Sie glaubten nämlich, dass die Toten genauso essen müssten, wie die Lebenden. Deshalb standen vor vielen Gräbern solche Statuen. Auch die große „Sitzenden Frau“, die Max von Oppenheimer als seine große Liebe bezeichnete.

Die weibliche Figur stand über dem Grab einer sehr jung verstorbenen Frau. Obwohl sie sehr schön ist, favorisiert Annika die Doppelstatue.

„Die Sitzende Frau kenne ich schon“, meint Annika. Die Schülerin aus Kleinmachnow ist oft im Museum. „Nur wenn es ein tolles Thema ist natürlich.“ Ihre Mutter legt Wert darauf, dass ihre Töchter Annika und Rebecca (9) lernen, was Kultur ist. Und bei schlechtem Wetter sei es zudem eine besondere Ablenkung.

Rebecca findet besonders die steinerne Statue des Greifvogels cool. „Aber warum hat der denn da so viel Beton?“, fragt sie. Die Erklärung ist einfach, aber tragisch. „Im zweiten Weltkrieg fiel eine Phosphor-Bombe in das Gebäude der Oppenheim-Sammlung“, sagt Mirjana Culibrk. Alle archäologischen Funde des Diplomanten und Orientalisten Oppenheimers wurden zerschmettert. Nach dem Krieg versuchten Restauratoren die unschätzbar wertvollen Statuen wieder zusammenzufügen. Gar nicht so einfach bei 27000 Einzelteilen. „Wir können ja schon froh sein, wenn wir ein Puzzle mit hundert Teilen schaffen“, findet Rebecca.

Nach anderthalb Stunden sind Annika und Rebecca geschafft. „Das ist schon etwas anderes als eine richtige Kinderführung, hier müssen sie sich stärker konzentrieren“, sagt ihre Mutter Nicolette. Für ihre Geduld bekommen die Mädchen nach der Führung eine Belohnung: Pizza im „12 Apostel“. Das Restaurant liegt direkt gegenüber dem Museums-Ausgang, in den S-Bahn-Bögen der Georgenstraße. Die Pizzen aus dem Steinofen werden zwischen 11 Uhr und Mitternacht serviert, um die Mittagszeit gibt es die Pizzen zum reduzierten Preis.

Aktionen und Preise

Ferienprogramm: Die Berliner Museen haben sich unter dem Motto „Kunst aktiv erleben“ etwas zur Ferienzeit ausgedacht. Die bis zum 14.August täglich zu unterschiedlichen Themen stattfindenden Führungen dürfen Kinder ab 5 Jahren besuchen. Ein Museumsbesuch ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren kostenlos. Eine Führung kostet 3 bis 5 Euro. Workshops sind meist etwas teurer. Anmeldung bis 14 Uhr des Vortages unter Tel: 266424242 (zwischen 9 und 16 Uhr) oder unter service@smb.museum ist erwünscht. www.smb.museum

Halaf : Die Führung „Abenteuer Tell Halaf – Wie einer auszog seinen Traum zu leben“ im Pergamonmuseum (Anfahrt: U- und S-Bahnhof Friedrichstraße) findet immer sonntags von 11 Uhr bis 12.30 Uhr und mittwochs von 13.30 Uhr bis 15 Uhr statt und ist für Kinder ab 8 Jahren. Eintritt: 5 Euro. Zur Ausstellung der Oppenheim-Sammlung wird ein „Forschercamp auf dem Tell Halaf“ für Kinder ab 8 Jahren angeboten. Der Workshop findet mehrmals wöchentlich von 11 bis 15 Uhr statt. Eintritt: 10 Euro.

Drachen: Die Führung „Von Drachen und Helden“ im Bode-Museum mit Besuch in der Kinderwerkstatt wird sonntags ab 15 Uhr und mittwochs ab 10 Uhr angeboten. Eintritt: 4 Euro

In der Nähe

Märchenzauber in den Heckmann-Höfen

Es ist ruhig. Nur ein Windhauch weht durch ein Glockenspiel und die kleinen Bäume in den Heckmann-Höfen. Zwischen den niedrigen, zartgelben Gebäuden aus dem 18. Jahrhundert wirkt Berlin mediterran. Dabei ist die Oranienburger Straße, die zahlreichen Touristen und der Verkehrslärm nur wenige Meter entfernt. Doch in den Heckmann-Höfen, deren Zugang direkt neben der Synagoge mit der goldverzierten Kuppel liegt, kommt vom Trubel nichts an.

Allerdings findet ab dem 27.Juli im Hof zwischen den ehemaligen Schuppen und Wagenremisen ein besonderes Spektakel statt. Dann baut das im zweiten Hinterhof ansässige Galli-Theater eine Open-Air-Bühne auf und startet sein zweiwöchiges Sommerfestival. Von Mittwoch bis Sonntag wird dabei täglich um 17 Uhr die „Kleine Seejungfrau“ aufgeführt. Theater von Kindern für Kinder. Gemäß der Grundphilosophie des Galli-Theaters steht dabei der spielerische Ausdruck im Vordergrund, denn, so sagt der Theater-Gründer Johannes Galli: „Nur im Spiel ist der Mensch wirklich.“ Und wer das einmal selbst ausprobieren will, kann an einem der Kurse teilnehmen. Kinder üben jeden Montag zwischen 16.30Uhr und 18Uhr, der Einstieg ist jederzeit möglich. Inszeniert werden hauptsächlich Grimms Märchen. Die Teilnahme kostet 15 Euro pro Termin, telefonische Anmeldung unter Tel:27596971.

Das Abendprogramm des Sommerfestivals bringt „Erwachsenenthemen“ auf die Bühne. Beim „Männerschlussverkauf“ (27.Juli bis 7.August, jeweils Mittwoch bis Sonntag, 20 Uhr) sucht eine Frau mittleren Alters ihren Traummann. In der „Galli Late Night Show” (27.Juli bis 7.August, jeweils Mittwoch bis Sonntag, 22.30 Uhr) zeigen die Darsteller des Galli Theaters ein „Best of“ ihres schauspielerischen Könnens. Das Abendtheater kostet 18 Euro Eintritt, ermäßigt 12 Euro. Fürs Kindertheater zahlen Gäste 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. In der letzten Ferienwoche, (8.–12. August) findet täglich von 10 Uhr bis 14 Uhr ein Kindertheaterworkshop am Galli-Theater statt. Die Teilnahme kostet 25 Euro pro Tag (90 Euro für die ganze Woche).

In der Zeit vor und nach dem Theater lädt das Café Neu zum Verweilen ein, noch bis zum 1.August wird bei gutem Wetter am Abend der Grill aufgebaut. (Dienstag bis Freitag, 12 Uhr bis 24 Uhr, Sonnabend, 10 bis 24 Uhr und Sonntag von 10 bis 18 Uhr.) Wer Lust auf italienische Küche hat, lässt sich im gegenüberliegenden Restaurant Garda verwöhnen (täglich 11 Uhr bis 22 Uhr).

Auch Freunde von süßem Naschwerk kommen in den Heckmann-Höfen auf ihre Kosten. Im ersten Hof befindet sich nämlich die Bonbonmacherei. Hier werden seit elf Jahren Süßigkeiten nach traditionell überlieferten Rezepten hergestellt und verkauft. Besonders sehenswert sind die Maschinen, mit denen die bunten Drops in Form gebracht werden. Anmeldung unter Tel:44055243

Galli Theater Berlin, Oranienburgerstr. 32, 10117 Berlin, Tel:030/27596971 www.galli.de