Urlaub für einen Tag

Auszeit vom Alltag im Wellness-Tempel

Urlaub für einen Tag: Wir nehmen Sie mit auf Ausflüge in Berlin und Brandenburg. Heute zu einer Massage im Day-Spa, in ein Sole-Klangbecken und zum Sprudelbad in der Therme – so bieten Ferien auch bei schlechtem Wetter Erholung

Foto: Glanze

Der Juli beschert den Berlinern ein meteorologisches Wechselbad. An vielen Tagen machen die eher mäßigen Temperaturen, gepaart mit Dauerschauern, nicht gerade Lust auf Badestrand. Eine Wellness-Auszeit im Spa oder in einer Therme bietet sich als Alternative an, wahlweise mit oder ohne Kinder. Die Auswahl in Berlin und Brandenburg ist groß, die Berliner Morgenpost stellt einige Beispiele vor.

Auf der Friedrichstraße in Mitte kommen die Autos nur im Stop-and-go voran. Es ist laut, es ist hektisch. Doch nachdem sich die Eingangstür des Riverside Hotels hinter den Besuchern geschlossen hat, bleibt all das für ein paar Stunden außen vor. Jetzt ist Entspannung angesagt im Day-Spa des Hotels, das Uwe Buttgereit 2005 eröffnet hat. „Willkommen auf der Reise nach Bali“, begrüßt der Hotel-Manager und zugleich Spa-Trainer die Neuankömmlinge. Barfuß, im langen asiatischen Wickelrock und dünnen schwarzen T-Shirt, weist Buttgereit ihnen den Weg in die Umkleide. Darin ein Sessel, ein Ganzkörperspiegel mit goldenem Rahmen, ein Chiffon-Vorhang anstelle einer Tür – mit der „Kabine“ in Wellness-Abteilungen von Schwimmbädern hat das hier nichts gemein.

Vor der Massage geht es in die Panoramasauna. Die Gäste können durch breite Fenster über Ruheraum und Terrasse am Spreeufer hinweg auf diese laute Straße blicken, deren Lärm nicht hier hineindringt. Zwei Saunagänge, zweimal kalte Güsse, zweimal ausruhen auf den Liegen mit den dicken, weichen, weißen Decken. Jetzt kann die Reise nach Südostasien beginnen.

Claudia Lippert hat sich für die „Bali Royal“ entschieden, die intensivste Massage, die Buttgereit anbietet. „Früher wurden damit nur Könige verwöhnt“, erzählt der gebürtige Weimarer, der das Massieren vor Ort erlernt hat. Die balinesische Massage in Bali, die ayurvedische in Indien, die „Lomi Lomi“ auf Hawaii. Seit 17 Jahren massiert er, ist viele Jahre umhergereist. Er erläutert kurz, dass es sich bei der balinesischen um eine Gewebemassage handelt, die eine alte chinesische Therapiemethode mit ayurvedischen Einflüssen mischt. Für die Bali Royal hat er Elemente aus Hawaii hinzugenommen, der Druck variiert von sanft bis hart bei dieser Ganzkörpermassage.

"Bali Royal" mit warmem Sesamöl

Claudia Lippert macht es sich unterdessen im Behandlungsraum auf der Liege bequem. Das Licht ist abgedunkelt, Kerzen brennen, leise erklingt fernöstliche Musik. Von den Füßen her arbeitet sich Buttgereit den Körper empor. Mit den Händen, aber auch mit den Unterarmen streicht er die Muskulatur aus, spart dabei nicht mit warmem Sesamöl. Die Bewegungen sind weich und fließend, manchmal leicht schaukelnd, um den Energiefluss in ihrem Körper anzuregen. Kein Kneten wie bei einer klassischen Massage. Nach anderthalb Stunden geht der Bali-Kurztrip zu Ende. Buttgereit reicht Claudia ein großes Glas Wasser, dann gilt es, mit viel Schaum unter lauwarmem Wasser das Öl wieder vom Körper zu duschen. Täglich bis 22Uhr hat das Day Spa geöffnet. So können sich auch Eltern „nach dem Sandmännchen“ noch einmal ohne ihre Kinder aus dem Haus stehlen.

Noch zwei Stunden länger, freitags und sonnabends sogar bis ein Uhr früh, lädt das Liquidrom in Kreuzberg zum sinnlichen Wellness-Erlebnis. Tagsüber ist der Besuch natürlich ebenfalls möglich – gern auch mit dem Nachwuchs. „Erwachsene mögen es ebenso wie Kinder, sich im warmen Salzwasser des großen Klangbeckens treiben zu lassen“, sagt Betriebsleiterin Nicola Nagel. Wobei „treiben lassen“ wörtlich gemeint ist: Der vierprozentige Salzgehalt sorgt dafür, dass man nahezu schwerelos im Wasser dümpelt und – die Ohren unter der Wasseroberfläche – klassische Musik, sanfte Elektroklänge oder Walgesänge hört. Da böte es sich eigentlich an, die Augen zu schließen und nur noch zu genießen. Aber dann wären die Lichtinstallationen mit ihrem wechselnden Farbenspiel nicht mehr zu sehen.

Ins Klangbecken nehmen Mütter häufig auch ihre Babys mit. „Die sind da ganz andächtig und mucksmäuschenstill“, erzählt Nicola Nagel, die ihren Sohn Luis schon mit in die Therme genommen hat, als er noch nicht mal ein Jahr alt war. „In der Kuppelhalle ist es ja recht dunkel, außerdem warm – da fühlen sich Babys wie im Mutterleib.“ Und den größeren Geschwistern mache es Spaß, einfach mal zu schweben. Allzu quirlig sollten die Kinder allerdings nicht sein. Knirpse, die ständig umherrennen, könnten Ruhe suchende Gäste stören. „Wir sind eben kein Spaßbad, sondern eine Therme, in der die Gäste Entspannung suchen“, sagt Nagel.

Eine ähnliche Philosophie vertritt man in der Stein-Therme in Bad Belzig mit ihren sechs verschiedenen Thermalsole- und Warmwasserbecken, den Sprudelliegen, Massagedüsen oder Nackenduschen. Oder der Gradier-Sauna, in der Gäste ihren Atemwegen etwas Gutes tun können. „Familien mit Kindern vermissen sicher manchmal Wasserattraktionen wie beispielsweise eine Rutsche. Aber das ist nicht unsere Ausrichtung“, sagt Marketing-Chefin Katrin Bonesky. Stattdessen setzt das Konzept auch hier auf entspanntes Schweben im Licht-Klang-Raum – die jodhaltige Bad Belziger Thermalsole mit einem Salzgehalt von mehr als 20 Prozent macht's möglich. „Wir verstehen uns als Gesundheitsbad, in der sich auch Familien mit Kindern erholen können“, sagt Katrin Bonesky.

Mehr Action für die Kinder bietet dagegen die Naturtherme Templin mit ihren zwei jeweils 100 Meter langen Erlebnisrutschen. Während die Turborutsche mit ihrer Glasabdeckung einen freien Blick in den Himmel gewährt, führt in der Black-Hole-Rutsche die rasante Fahrt durch Lichteffekte und Projektionen. Und die Besucher des Kleinkinderbereichs können auf einer eigenen Rutsche hinabsausen oder in Sichtweite der Eltern im Süßwasserbecken planschen.

Die Black-Hole-Rutsche in der Oranienburger „Turm-Erlebniscity“ ist mit 80Metern zwar nicht ganz so lang wie die in Templin, aber allein schon wegen ihrer Licht- und Klangeffekte ist sie bei Kindern beliebt. Zu den weiteren Publikumslieblingen gehören die 30 Meter lange Turbo-Rutsche, das Becken mit Wellengang und der Strömungskanal. In den Ferien werden Kinder-Schwimmkurse angeboten.

Adressen und Preise

Riverside Hotel mit Day-Spa, Friedrichstraße 105, Berlin-Mitte, geöffnet täglich, 10 bis 22 Uhr. Jede Kosmetik-Behandlung oder Wellness-Massage kostet pro Minute einen Euro, die 90-minütige Bali-Royal-Massage also 90 Euro. Eintritt ins Royal Spa 20 Euro (zwei Stunden) oder 30 Euro (fünf Stunden). www.day-spa-berlin.de

Liquidrom Möckernstraße 10, Berlin-Kreuzberg, geöffnet täglich 10 bis 24 Uhr, freitags und sonnabends bis 1 Uhr früh, Eintritt: 2 Stunden 19,50 Euro, 4Stunden 24,50 Euro, Tageskarte 29,50 Euro. www.liquidrom-berlin.de

Steintherme Bad Belzig Am Kurpark15, geöffnet (bis 30. September) täglich, 10 bis 21 Uhr, freitags und sonnabends bis 22 Uhr. Eintritt (bis 30.9.): Bade-Welt Erwachsene 9 Euro, Kinder 4 Euro. Kombiticket für Bad und Sauna 15 Euro, verbilligte Familienkarten, freier Eintritt für Kinder unter 3Jahren. www.steintherme.de . Anreise: Mit dem RE7 stündlich ab Berlin, vom Bahnhof mit Bus 590 in 20Minuten bis zum Halt „Am Kurpark“.

Naturtherme Templin Dargersdorfer Straße 121, Templin, geöffnet täglich von 9 bis 21 Uhr. Gestaffelte Eintrittspreise ab 9,50 Euro/Erwachsene und 4,50 Euro/Kinder. Anreise: Mit RB12 stündlich von Berlin nach Templin. www.NaturThermeTemplin.de

In der Nähe - Experimente mit Wind und Energie im Technikmuseum

In der einen Wagschale liegt ein prall mit Luft gefüllter Fußball, in der anderen ein völlig schlaffes Exemplar. „Mit unserer Luftwaage können wir Kindern ganz plastisch vor Augen führen, dass Luft etwas wiegt“, sagt Kerstin Wallmann. Sie betreut im Deutschen Technikmuseum das für den Herbst geplante Ausstellungsprojekt „Windstärken“.

Doch schon jetzt macht das Museum kräftig Wind: Unter dem Motto „Windstärke 3“ können Entdecker von sechs bis zehn Jahren jede Menge über den Wind erfahren – und selbst experimentieren. Dass sie Bälle oder Luftballons auf die Luftwaage legen dürfen, gehört zum Programmteil „Wind und Energie“. Da erfahren die Kids in der Eisenbahn-Ausstellung auch, dass Reisende früher in offenen Personenwagen unterwegs und dabei Wind und Wetter ausgesetzt waren. Am „Grubenhund“, einer Art Holzkiste auf Schienen, können sie mit eigener Muskelkraft erproben, wie viel Kraft nötig ist, um Geröll durch einen Bergwerksstollen zu schieben.

Für die Experimente geht es hinaus in den Museumsgarten. „Allein schon, weil einige eine gehörige Sauerei verursachen können“, sagt Kerstin Wallmann schmunzelnd. Sie denkt dabei vor allem an die Brausepulverrakete: Brausepulver in eine Filmdose, Wasser drauf, Deckel verschließen, schütteln – und wegrennen. „Durch die freigesetzte Energie springt die Dose locker zwei Meter hoch“, sagt die Museumsfrau. Sie macht kein Hehl daraus, dass sie selber Spaß an solchen Experimenten hat.

Woher der Wind weht, erfahren die Kinder an der Windmühle im Museumspark. „Und auch, wie sich der Mensch den Wind zunutze macht“, sagt Iris Kühnberger aus der Bildungsabteilung des Technikmuseums. Deswegen ist ein Müller vor Ort, der das Kornmahlen erklärt. Mit Schaschlikstäben und Wellpappe gilt es anschließend, selbst eine Mini-Mühle zu bauen. Oder Flügelmodelle und Papierflieger.

Aus Bierdeckeln, einem Teelicht, einer Mülltüte und Bindfaden können die Kinder sogar einen kleinen Ballon basteln. „Der dann auch fliegen kann“, ist Kerstin Wallmann überzeugt. Gemeinsam dürfen alle Teilnehmer des Ferienprogramms zudem an einem „Windwundermobile“ mitbauen. Das stabile Gerüst aus Bambus haben Museumsmitarbeiter bereits in fünf Metern Höhe zwischen Bäumen angebracht. Bis zum Ende der Ferien sollen Klangmobiles oder hölzerne Windräder vom Bambusdach baumeln – von Kindern selbst gebaut und bemalt. Dienstags bis donnerstags, jeweils von 9 bis 15.30 Uhr, bläst der Wind bis zum 28. Juli durchs Museum. Pro Tag und Kind kostet der Spaß fünf Euro, Essen und Trinken sollten die Teilnehmer selbst mitbringen. Außerdem können Eltern und Kinder an den Nachmittagen der Feriensonntage (bis 7. August) Drachen bauen.

Deutsches Technikmuseum, Trebbiner Straße 9, Kreuzberg, Tel:90254178, geöffnet Di.–Fr, 9–17.30 Uhr, Sbd.+So., 10–18 Uhr, www.sdtb.de , Anmeldungen dienstags und donnerstags von 12 bis 15 Uhr