Urlaub für einen Tag

Auf Erkundungstour mit Pippi Langstrumpf

Urlaub für einen Tag: Wir nehmen Sie mit auf Ausflüge in Berlin und Brandenburg. Heute ins Familienzentrum FEZ in Berlin, wo täglich mehr als 100 Spiele rund um die Romanhelden angeboten werden.

Foto: Marion Hunger

Erst verspätet sich die S-Bahn, dann stellt die Parkeisenbahn ihre Dienste aus unerfindlichen Gründen an diesem Tag ein – der eintägige Urlaub in der eigenen Stadt kann Spiegelbild einer mehrwöchige Ferienreise sein, zumindest was die Pannen angeht. Eigentlich findet, wer mit der S3 aus der Stadt kommt, an der Station Wuhlheide eine ideale Schienenanbindung an Europas größtes gemeinnütziges Kinder-, Jugend- und Familienzentrum, das FEZ, vor. Nur ungefähr 20S-Bahnminuten von der City entfernt liegt „Spielofezien“. Es wäre natürlich viel spannender gewesen, mit der Dampflok durch die Wuhlheide zu fahren, in Rauchschwaden gehüllt, Richtung Ferienzentrum FEZ. Aber da die Mitarbeiter der Parkeisenbahn ehrenamtlich tätig sind, kann es schon mal zu kurzfristigen Änderungen im Fahrplan kommen.

Also beginnt die Erholung am S-Bahnhof Wuhlheide zu Fuß, nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Bald führt ein Waldweg durch sattes Grün. Rechts und links die Stationen, an denen zwischen März und Oktober die Parkeisenbahn Halt macht: Freilichtbühne, Badesee, Eichgestell“ und Haus Natur & Umwelt. Der Eingang ins Spieleparadies ist noch nicht in Sicht, da ist die Geräuschkulisse bereits gut zu hören. Bis zum 14.August steht das Zentrum ganz im Zeichen der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren. Nach ihren Büchern, Geschichten und Romanhelden entstand das Astrid-Lindgren-Erlebnisland. Pippi, Kalle, Michel und Freunde warten mit ihren Abenteuern auf die Ferienkinder.

„Meine Kinder waren mit der Schulklasse schon öfter hier und waren total begeistert“, sagt Sarah Wette. „Jetzt wurde es endlich mal Zeit, dass ich mir auch das FEZ ansehe. Ich kann den Besuch hier nur empfehlen.“ Die Mutter von drei Töchtern ist aus Dahlem angereist. Nach einem ersten gemeinsamen Familienrundgang sind die Kinder in der Welt der schwedischen Schriftstellerin verschwunden. Die Mutter sitzt auf Steinstufen in der Sonne und hält den ersten Teil der Stieg-Larsson-Trilogie in der Hand. Auch ein schwedischer Bestseller-Autor, aber für Erwachsene. Endlich mal Zeit.

Villa Kunterbunt, Lönneberga, Ronjas Räuberwald und Taka-Tuka-Land – langweilig wird es hier nicht. Mit Schlamm und Wasser bespritzte Hosen, schwarze Hände von den Grillkartoffeln, verschwitzte, lachende Kindergesichter. Mehr als 100 Spiele werden täglich angeboten. Fast alles, was die Romanhelden erlebt haben, können die Besucher nachspielen. An ihrer Seite kostümierte Animateure, die die Kinder auf dem Weg durch Lindgrens Reich begleiten. Besonders Eifrige können bei verschieden Spielen Chips gewinnen und später in einen Goldtaler aus Pippi Langstrumpfs Schatz eintauschen.

„Sie rocken die Hütte“

„Look, there's Pippi Longstocking“, ruft Ava(7) aufgeregt ihren Großeltern zu. Das britische Paar besucht seine Tochter und die Enkel in Berlin. Ava wächst zweisprachig auf. „Mama, schau mal, da ist Pippi Langstrumpf“, wiederholt sie für ihre Mutter, dann verschwindet sie mit ihrer kleinen Schwester Elsa in der Villa Kunterbunt. Mit Bürsten unter den Füßen rutschen sie über den Steinboden. Andere Kinder hangeln sich an einer Kletterwand durch das Holzhaus. Sie spielen das Spiel „Den Boden nicht berühren“. Eine Gruppe verkleidet sich, schmückt den Garten und macht Party. Neudeutsch heißt das Spiel „Sie rocken die Hütte!“

Nass und laut geht es auf der Insel Taka Tuka zu. Pippis Vater Efraim fischt mit den Kindern, tanzt Limbo, trommelt und bringt Passagiere mit dem Boot auf die Insel. Emma und Lucas lassen sich von ihm über den künstlichen See schippern. Dabei müssen aber auch sie ordentlich mitrudern. „Es macht irren Spaß hier“, sagen sie. „Wir wollen nachher noch in den Räuberwald.“ Da wartet das Abenteuerleben von Ronja auf sie. Die Kinder tollen mit Trollen, üben sich in Kraftspielen, Anschleichen und Täuschen. Gemeinsam mit den Betreuern legen sie einen Kräutergarten an, machen Feuer und rösten Kartoffeln.

In Lönneberga ist die Romanfigur Michel zu Hause. Dort wird Brot in einem Lehmbackofen gebacken, Honig geerntet und – ja, tatsächlich – Wäsche gewaschen. Begeistert spielen die Kinder den Alltag in der ländlichen Welt des alten Schwedens nach, lernen sogar freiwillig in der Dorfschule schwedische Vokabeln. Spaß haben sie auch bei Schubkarrenrennen, Stiefelweitwurf und beim Tanzen zu schwedischer Volksmusik.

„Für die Kinder ist das, was das FEZ organisiert hat, ein Traum“, sagt Michael Lewis. „Wenn ich das sehe, kann ich mich wieder an alle Geschichten von Astrid Lindgren die ich als Kind gelesen habe, erinnern. Die Bücher habe ich noch. Die werde ich meiner Tochter geben, wenn sie lesen kann.“ So geht es vielen erwachsenen Besuchern, Kindheitserinnerungen werden wach. Natürlich auch, wenn Meisterdetektiv Kalle Blomquist seine Ermittlungen führt – in dichterischer Freiheit ist er in Lönneberga, Bullerbü, im Räuberwald und im Taka-Tuka-Land mit seiner Detektivausrüstung unterwegs. Regensicher im Hauptgebäude gibt er Tipps in seiner Detektivschule. Ebenfalls im Trockenen zeigt das FEZ dienstags und donnerstags um 11.30 Uhr und um 14 Uhr Astrid-Lindgren-Kinderfilme.

Zwischen den schwedischen Romanen und japanischen Manga-Comics liegen Welten – und ein paar S-Bahn-Stationen. Im Japan Shop Berlin an der Steglitzer Hubertusstraße können Kinder, Eltern und Japan-Fans kostenlose Mitmach-Angebote nutzen, zum Beispiel am 23.Juli von 10 bis 18 Uhr. „Unter der Anleitung einer Mangaka, also einer Manga-Zeichnerin, können Anfänger und Fortgeschrittene lernen, Mangas zu zeichnen“, sagt Organisator Christian Wagner. Dazu gibt es japanische Süßigkeiten. Auch die folgenden Sonnabende stehen im Zeichen Japans. Am 30.Juli können sich Besucher mit Kostümen wie Manga-Figuren kleiden. Am 6.August steigt eine japanische Ferien-Party. Den Abschluss bildet am 13. August das große Manga-Fan-Treffen mit den neuesten Mangas, Tauschbörse, Fan-Accessoires und Zeichen-Tipps (jeweils 10–18 Uhr, kostenlos).

Frühstück an einem ungewöhnlichen Ort bietet das Bröhan-Museum. Das Landesmuseum für Jugendstil und Art Deco lädt am 3. und 10.August um 10.30 Uhr Kinder zum Morgen-Snack ein. Danach besuchen sie gemeinsam die Ausstellung „WasserWelten“. Da gibt es zum Beispiel Seepferdchen auf Speisetellern oder Schwäne auf Teppichen zu sehen. Die Teilnahme ist kostenlos. Kinder können ihre Eltern mitbringen, müssen aber nicht.

Adressen und Preise

FEZ Berlin - Straße zum FEZ2, 12459 Berlin, rund 20 km von der City entfernt. Anfahrt: S3 bis Wuhlheide, dann zu Fuß oder mit der Parkeisenbahn. Abfahrtzeiten und Preise unter www.parkeisenbahn.de. Erreichbar ist das FEZ auch mit S8, S45, S46 bis Schöneweide, weiter mit Tram 63, 67. Oder U5 bis Tierpark, dann Tram 27.

Spielofezien - Noch bis zum 14.August; Dienstag bis Freitag, 11 bis 18 Uhr, Wochenende 12 bis 18 Uhr. Eintritt drei Euro, Familien zahlen zehn Euro (ermäßigt zwei Euro, Familien 7,50 Euro).

Ferienprogramm - Neben der Astrid-Lindgren-Welt die Deutsch-Chinesischen Jugendtage (ab 15.Juli). Am 16. und 17. Juli Vimmerby-Olympiade. Am 23. und 24. Juli verspätetes Mittsommerfest. Am 23. Juli, 16 Uhr, Schweizer Musiktheatergruppe Schtärneföifi; 26.Juli, 15.30 Uhr, Orchestre Polyphonia Saint André de la Réunion.

Japanische Ferien - An den Sonnabenden ab 23. Juli. Japan Shop Berlin, Hubertusstraße 8a in 12163 Berlin-Steglitz. www.japanshopberlin.com oder Tel:79708288. Teilnahme gratis.

Bröhan-Museum - Schlossstraße 1a, 14059 Berlin-Charlottenburg, Anmeldung Tel: 32690612. Freie Plätze gibt es noch für den 3. und 10.August. Teilnahme kostenlos.