Urlaub für einen Tag

Hoher Fläming - Wandertour zur Burg der Falken

Urlaub für einen Tag: Wir nehmen Sie mit auf Ausflüge in Berlin und Brandenburg - heute auf ein Abenteuer im Hohen Fläming – vom kindgerechten Rundkurs bis zur Route der Alten Meister.

Foto: Amin Akhtar

Gegen Walli haben Schwedenkönig Gustav Adolf und Napoleon keine Chance. Die vierjährige Berner Sennenhündin von Natur- und Kulturführer Werner Rudolph läuft den historischen Persönlichkeiten, über die Rudolph bei seinen Wanderungen berichtet, mit ihrem wuscheligen Fell und ihrer Gutmütigkeit locker den Rang ab. Was Rudolph natürlich weiß – und auch nutzt. Schließlich zählen gerade junge Wanderer zur Stammkundschaft des für Tagestouren oder auch ganze Wanderwochen buchbaren Guides.

Im Hohen Fläming ist der gebürtige Wiesenburger fast täglich unterwegs. Die Region ist beliebtes Ausflugsziel für Eltern, die ihren Nachwuchs ans Wandern heranführen wollen: Wiesen, Felder, Wälder, Feldsteinkirchen, ab und an ein Bachlauf und nur wenige Steigungen. „Wer im Hohen Fläming wandern möchte, findet auch mit wenig Ortskenntnis Strecken, die nicht über Asphalt führen“, sagt Rudolph. Tagesausflüglern mit kleinen Kindern empfiehlt er gern den Naturerlebnispfad zur Burg Rabenstein. „Der durchs Naturschutzgebiet führende Rundweg ist nur zwei Kilometer lang.“ Ideal also für erste Wander-Ausflüge.

Die Tour beginnt am Naturparkzentrum in Raben. Von dort aus gilt es, die 153 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Burg Rabenstein zu erklimmen. Störche, Schwarzspechte oder weiße Damhirsche sind rechts und links des Weges keine Seltenheit. Doch bevor die Anhöhe, der „Steile Hagen“, in Angriff genommen wird, ist erst einmal ein Abstecher zum Abenteuerspielplatz im Dorfzentrum angesagt. Viele Kinder seien davon so begeistert, dass die Eltern Mühe hätten, sie noch auf die Burg zu locken, weiß Rudolph aus Erfahrung. Selbst Senioren, die Rudolph gelegentlich begleitet, würden bei diesem Spielplatz schwach. „Mittlerweile gehört es zum Programm, dass die Wandergruppe einmal auf den schwenkbaren Baumstämmen Platz nimmt“, sagt Rudolph lachend. Spaß sei eben an kein Alter gebunden.

Das vor wenigen Jahren errichtete Naturparkzentrum „Alte Brennerei“ lässt Rudolph vorerst links linken. Dort sind Start und Ziel des Rundwanderweges. Das modern eingerichtete Zentrum bietet zu viel Ablenkung mit Hörstationen, Videotechnik und Bastelmöglichkeiten, um schon vor der Wanderung besucht zu werden. Bald liegen Baumstämme quer auf dem Weg zur gut erhaltenen Burg aus dem 13. Jahrhundert. Das sind Baumtelefone. Ein kurzes Klopfen an eines der Stammenden, und schon werden die Signale zum anderen Ende übermittelt. Nur wenige Meter weiter animieren aneinandergereihte, an einem Querstreben schwingende Stämme, dem Holz Klänge zu entlocken. Den am Rahmen befestigten Klöppel gegriffen und auf die Stämme geschlagen – so klingt ein Xylophon in der Natur. Emil, Rudolphs fünfjähriger Enkel, ist begeistert.

Kunst im Torhaus der Burg

Das aus Metall gefertigte Wahrzeichen des Hohen Flämings und des Erlebnispfads, ein Mittelspecht, lässt den Kleinen dagegen unbeeindruckt. Den Trockenlauf, der zum Flüsschen Plane führt, findet Emil viel interessanter. Die Aussicht, bald die Folterkammer auf der Burg Rabenstein in Augenschein zu nehmen, oder vom 30 Meter hohen Turm aus den Blick bis zur Burg Eisenhardt in Bad Belzig schweifen zu lassen, sind ebenso attraktiv. Auch dort lohne ein Besuch, sagt Rudolph. Nicht nur des Heimatmuseums wegen, in dem ein Zinnfiguren-Diorama an die Schlacht von Hagelberg erinnert. Sondern auch, weil im spätgotischen Torhaus der Burg ein neuer Kunststandort mit wechselnden Ausstellungen entstanden ist.

Walli jagt derweil Amsel und Spatz hinterher. „Ein Jagdhund wird aus ihr nicht mehr“, sagt Rudolph kopfschüttelnd. Jagdbares Großwild ist auch längst aus den Wäldern verschwunden. Eher trifft Rudolph bei seinen Wanderungen auf einen Wolf. Zumindest einem ist er schon begegnet. 1600 Kilometer ist er zu Fuß in einem Jahr in der Region unterwegs gewesen. Als Streckenwart im Wanderverein schaut er nach dem Rechten, legt Hand an, wenn Wege versperrt sind oder Wegweiser gestohlen wurden. Seine vier Enkel treten in seine Fußstapfen. An ihnen erprobt er, was er Wandergruppen zumuten kann.

Emil hat sich über Hörtrichter und Wackelbrücke – an der Falknerei von Dirk Grabow vorbei – mittlerweile zur Burg Rabenstein durchgeschlagen. Auch des Streuselkuchens wegen, den die Hofbäckerei backt. Im kopfsteingepflasterten Hof löffelt eine Jugendgruppe aus Hohen Neuendorf ihre Kartoffelsuppe, Kinder aus der Umgebung essen ihr Eis.

Wanderer besichtigen den alten Rittersaal, an dessen Wänden die Wappen von Sachsen und Brandenburg an die wechselnden Besitzverhältnisse der Burg erinnern. Deren 760-jähriges Bestehen wird am 6. und 7. August gefeiert – mit Gauklern und Bänkelsängern. Doch nicht nur zum Jubiläum können sich Besucher an Met und frischem Brot aus dem alten Backhaus stärken: Regelmäßig wird zum Mittelalterspektakel oder zum Ritteressen geladen.

Die Wandergruppe, alle mit prall gefüllten Rucksäcken ausgerüstet, ist aber nicht nur auf dem kurzen Erlebnispfad unterwegs. Schon seit zwei Tagen erlaufen sie Stück für Stück den Burgenwanderweg. Ihr großes Gepäck haben sie im Hotel gelassen. Wird in der nächsten Herberge genächtigt, werden die Koffer umgehend abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Auf 147 Kilometern schlängelt sich der Burgenwanderweg durch die hügelige, waldreiche Landschaft des Hohen Fläming und verbindet die Festung Rabenstein mit der Burg Eisenhardt in Bad Belzig, dem prächtigen Schloss Wiesenburg und der ehemaligen Bischofsresidenz Burg Ziesar.

Belzig und Wiesenburg verbindet auch der Kunstwanderweg, auf dessen 19 Kilometer langer Nordroute zehn Kunstwerke zu bewundern sind. 850 Jahre Besiedlung des Flämings durch die Flamen sind Thema der 16 Kilometer langen Südroute, auf der sogar zwölf Kunstwerke von deutschen, belgischen und niederländischen Künstlern den Weg lohnen.

Sogar von Gipfelkreuz zu Gipfelkreuz könne man im Fläming wandern, sagt Traugott Heinemann-Grüder, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Fläming. Klar, dass er dabei schon die Werbung für den 112. Deutschen Wandertag im Hinterkopf hat, der im Juni 2012 im Fläming stattfindet. „Den Hagelberg – mit 201 Metern die höchste Erhebung des Flämings – schmückt seit 2006 ein Gipfelkreuz“, erzählt Heinemann-Grüder. Auch auf dem Weinberg (79 Meter) bei Dobbrikow im Naturpark Nuthe-Nieplitz und dem Hubertusberg (138 Meter) bei Coswig (Anhalt) im Naturpark Fläming stehen Gipfelkreuze. Der ideale Ausgangspunkt, um einen Gipfel nach dem anderen zu erklimmen, ist Luckenwalde. Viele Familien starten daher gern von dort aus ihre Wandertouren, zumal Luckenwalde von Berlin schnell mit dem Zug zu erreichen ist.

Angebote und Adressen

Natur- und Kulturführer Werner Rudolph, c/o Familienhotel Brandtsheide, Bahnhofsallee 8c, Wiesenburg/Mark, Ortsteil Jeserig, Tel:033849/7960, www.brandtsheide.de (Zehn Tage vorher anmelden) Tagestouren: 10 Euro pro Person, Kinder bis 12 Jahre 5 Euro

Naturparkzentrum Hoher Fläming, Brennereiweg 45, Rabenstein/Fläming OT Raben: Das Gebäude wurde 1700 erstmalig erwähnt. Seit 1997 stillt die „Alte Brennerei“ den Wissensdurst der Besucher. Geöffnet täglich von 9 bis 17 Uhr. www.flaeming.net

Fläming-Falknerei. Dort finden bis 15.Oktober dienstags bis sonntags um 14.30 Uhr Flugvorführungen mit Adlern, Milanen, Eulen und Falken statt. Treffpunkt ist das Falknereigelände am Parkplatz vor der Burg Rabenstein. Infos: Tel.: 0160/2261573.

Burg Rabenstein. Herberge und Ausschank, Zur Burg 49, in Raben www.burgrabenstein.de

Tourismusinfo Fläming: Tel:033204/ 62870. www.reiseregion-flaeming.de

Gastrotipp: Der restaurierte Vierseithof „Alte Schmiede“ mit Streichelzoo, Landschaftsgarten, historischer Schmiede und Spezialitäten aus dem Fläming, Dorfstraße 13, Niemegk-Lühnsdorf, Tel.: 033843/9220 www.landhausalteschmiede.de