Urlaub für einen Tag

Mit dem Kajak auf dem wilden Rhin

Urlaub für einen Tag: Wir nehmen Sie mit auf Ausflüge in Berlin und Brandenburg - heute auf 17 Kilometern Wasserweg zwischen Rheinsberg und Zippelsförde.

Foto: Glanze

Der Scherz, mit dem Paddler auf dem Rheinsberger Rhin vom Bootsverleiher gern verabschiedet werden, geht so: Wenn das Geschäft mit den Booten mal nicht mehr laufe, dann bleibe noch der Handel mit den im Fluss versunkenen Sonnenbrillen. Auch an diesem Morgen hatte der Mann auf dem Steg das gesagt und dabei auf die ins Haar geschobenen Augengläser gezeigt. Er grinste freundlich, schließlich stand hinter dem flapsigen Spruch ein guter Rat: Natur, also die urwüchsige, weitgehend unberührte, hält sich nicht an Mindestdurchfahrtshöhen.

Wer viel von eben dieser Natur sucht, dazu etwas Abenteuer und trotzdem familienkompatiblen Spaß, der ist bei einer Kajaktour auf dem Rhin zwischen Rheinsberg und Zippelsförde richtig. Rund 17 Kilometer geht es von der Obermühle neben dem Rheinsberger Schloss über den Nebenfluss der Havel – der streckenweise allerdings eher im Format eines Wildwasserbaches daherkommt. Das liegt daran, dass sich der wohl von Siedlern aus dem Niederrheingebiet so benannte Rhin südlich der Rheinsberger Seenlandschaft durch Waldgebiete schlängelt und dabei kräftig mäandert, das heißt seinen Lauf immer wieder verändert. Auf der Tour, so hatte Naturparkführer Robert Franck versprochen, „sieht man keinen Meter Fluss zweimal“.

Und das ist kaum übertrieben. So kurven- und abwechslungsreich ist die Fahrt, dass man sich fast wie auf einer Expedition fühlt. Selten sind mehr als 20 Meter Wasserlauf zu überblicken, ehe der Fluss geheimnisvoll hinter der nächsten Biegung verschwindet. Großzügige Wassergrundstücke prägen nur für kurze Zeit das Bild. Ein älteres Ehepaar sitzt mit Kaffeetassen auf einem Steg und freut sich, wenn Paddler für einen Plausch halten. Was bei der sanften, aber stetigen Fließgeschwindigkeit des Wassers, das zwischen Rheinsberg und Zippelsförde immerhin ein Gefälle von 17 Metern überwindet, allerdings Armarbeit verlangt. Mancherorts hängen Johannisbeeren so weit herüber, dass man sie vom Boot aus pflücken kann.

Kaum ist die säuerliche Erfrischung hinuntergeschluckt, heißt es plötzlich bremsen. Zwischen den Feuchtwiesen, die sich mittlerweile mit immer dichteren Baumgruppen abwechseln, liegt ein Stamm quer über dem Wasser. Einige Meter weiter ist es eine Weide, in der sich allerhand Totholz verfangen hat und das Flussbett weiter einengt. Nur tief ins Boot geduckt gelingt der Durchschlupf. Der Name des Bootsverleihs und Tourenservices von Robert Franck, „Rheinsberger Adventure Tours“, ist nicht einfach ein Marketing-Euphemismus, so viel ist jetzt schon klar. Manchmal, so hatte Franck erzählt, „geben uns die Paddler einen Hinweis, wo es besonders eng wird. Wir sagen dann der Naturwacht Bescheid, und die schneiden den Weg wieder frei. Aber grundsätzlich ist der Rhin eben naturbelassen, und da gehören tief hängende Äste und umgestürzte Stämme dazu.“

Manchen, wie den Schülerinnen Franziska, Kim Kassandra und Nathalie, die mit der Klasse unterwegs sind, wird es fast ein bisschen viel. „ Wir sind dauernd irgendwo dagegen gefahren, und einmal bin ich sogar ins Wasser gefallen“, erzählt Franziska lachend. Da ist es gut, dass das Wasser hier selbst für kleinere Kinder keine allzu große Gefahr darstellt: Bei Tiefen von mal kaum einer Handbreit bis zu etwa einem Meter ist sogar das Benutzen von Kanadiern mit Stechpaddeln verboten, wegen der seltenen Flussmuscheln im weichen Sandbett, welches jeden Sturz abfängt. Anspruchsvoll sei der Ausflug gleichwohl, weiß Lehrerin Cathrin Liebig vom Karl-Friedrich-Schinkel-Gymnasium in Neuruppin. „Aber es ist eben auch atemberaubend, fast wie im Urwald“, so die begeisterte Wassersportlerin.

Alte Buchenwälder

Eines der Merkmale des Naturparks sind die ursprünglichen Buchenwälder. Kerzengerade ragen die Stämme über den Ufern auf und scheinen vom Boot aus noch höher. Das Wurzelgeflecht formt seltsame Gebilde, die durch die Lichtspiele des Wassers ganz verwunschen anmuten. Dann wieder weht der Duft von Kiefern herüber, dazwischen bieten Erlenbruch und Röhricht seltenen Tierarten Lebensraum. Plötzlich raschelt es, und ein Fischotter taucht auf. Irgendetwas muss den Nachträuber geweckt haben, und wieselflink huscht er über einen Stamm, der für Paddler ein neues Hindernis, für ihn aber eine willkommene Brücke über den Rhin darstellt.

Die Uferlandschaft des Flusses ist als „Naturschutzgebiet Rheinsberger Rhin und Hellberge“ unter besondere Protektion gestellt. Der Biber ist hier mit etwas Glück zu sehen und der Fischadler. Streckenweise begleiten drei Vögel den Kajak, lassen ihn aber nie so nah kommen, dass erkennbar wäre, ob es sich „nur“ um Bachstelzen oder die hier brütende Gebirgsstelze handelt. In früheren Jahren, erzählen Ingo und Anke Fölsch aus Gühlen-Glienicke, hätten sie auch den Eisvogel beobachtet. „Vielleicht ist inzwischen einfach zu viel los, so dass man ihn schwerer zu Gesicht bekommt.“ Tatsächlich ist es an Wochenenden mittlerweile schwer, noch ein Kajak für die Rhintour zu mieten. Unter der Woche überholt man andere Paddler dagegen selten.

Nicht mehr allzu weit hinter dem Dorf Zechow, dass mit Kirche, Pferdekoppeln und Schafswiese malerisch einige Biegungen begleitet, müssen bei der winzigen Siedlung Rheinshagen alle Boote aus dem Wasser. Eine Fischtreppe muss umtragen werden, was aber erstaunlich leicht zu bewerkstelligen ist. Dafür wartet auf Paddler, die nach durchschnittlich zwei Stunden Fahrt erschöpft sind, ein Rastplatz, wo mitgebrachter Proviant im Schatten verzehrt werden kann. Familien mit Kindern sei das besonders angeraten, kommt doch anschließend noch einmal eine fast ebenso lange Strecke, mit fast noch mehr Kurven in allerdings umso wildromantischeren Wäldern. Nach rund fünf Stunden erreicht man Zippelsförde, wo der Rhin kurz vor einem Wehr endgültig verlassen werden muss. Hinter der Brücke gibt es bei der Fischaufzucht Zippelsförde Fischbrötchen sowie frischen und Räucherfisch zum Mitnehmen (tgl. außer montags bis 16 Uhr). Per Kanutaxi werden Boote und Paddler nach Rheinsberg zurückgefahren. Bis spätestens 19 Uhr müssen alle den Rhin verlassen haben. „Dann ist das wieder allein das Reich der Vögel und anderen Tiere“, sagt Robert Franck.

Weitere Informationen

Rhintour Kanus oder Kajaks für eine Paddeltour über den Rhin von Rheinsberg bis nach Zippelsförde gibt es bei:

Rheinsberger Adventure Tours, Parkstraße Ecke Rhinstraße (an der Obermühle), Tel:033931/39247 oder 0172/6048375 (Robert Franck), Preise 25 (1er-Kajak) bzw. 40 Euro (2er-Kajak), www.rhintour.de

BergerTours, Untermühle 2, Tel:033931/2042 oder 0171/8395112, 40 Euro (2er-Kajak); www.bergertours.de. Die Preise für die Boote beinhalten bei beiden Anbietern den Rücktransport per Kanutaxi zum Startpunkt, die Ausgabe der Boote erfolgt von 9 bis 12 (BergerTours bis 13) Uhr. Das Befahren des Rhin ist nur vom 15. Juni bis 31. Oktober möglich. Anfahrt: DB mit RE5 von Berlin, Hauptbahnhof nach Rheinsberg. Auto: B 96 bis Gransee, dann über Schönermark, Schulzendorf und Köpernitz (L223) nach Rheinsberg.

Paddeln in Berlin In Berlin sowie dem Umland gibt es zahlreiche Startpunkte sowie Bootsverleiher. Die Touren gehen meist über Seen oder über Spree und Havel. Geführte Touren in der Berliner City (Spree Tour, Drei Kanäle Tour, Havel Tour, Dahme Tour) sowie am Stadtrand (Große Krampe Tour, Schmöckwitzer Werder Tour, Nieder Neuendorfer See Tour, Müggelberg Zweitagestour) bietet Der Kanutourist, Tel:0176/64262591.