Urlaub für einen Tag

Wo man den Vögeln ins Nest schauen kann

Zu einer Radtour durch den weniger bekannten Teil des Spreewalds laden wir Sie in dieser Folge unserer Serie "Urlaub für einen Tag" ein. Im Dreieck Vetschau, Raddusch und Burg gibt es auf einem 30-Kilometer-Kurs Störche, Burgen und einen Irrgarten zu entdecken.

Foto: picture-alliance/ ZB

Janina hat ein neues Bilderbuch: Geschichten von "Tim und Tom im Spreewald". Sie ist von den Bildern ganz begeistert, nur die Sache mit den Booten ist der Fünfjährigen nicht ganz geheuer. Doch Gurken und Kahnfahrten sind nicht alles, was der Spreewald zu bieten hat.

Abseits der Touristen-Hauptströme will die Familie im Dreieck Vetschau, Raddusch und Burg einen Tag auf dem Land genießen, die Natur entdecken und in die Geschichte der Region eintauchen. Eine circa 30 Kilometer lange Radstrecke verbindet die drei Orte.

Für seine Live-Übertragung aus dem Storchenhorst ins Internet ist das Weißstorch-Infozentrum in Vetschau bekannt. Auch wenn das Storchenpaar Cico und Luna das Nest verlassen hat, informiert noch eine Ausstellung im Haus des Nabu über das Leben und den Schutz der Störche, aber auch anderer in der Region vorkommender Tiere. In der Grünanlage kann man sich Anregung holen, wie der eigene Garten ökologischer gestaltet werden kann: mit einem Teich, Kräutern, Stein- und Reisighaufen oder einem "Insektenhotel".

Ganz genau betrachtet Janina die Sammlung von Nistkästen mit Einblick in ihr Inneres. Die verschiedenen Vogelarten haben ganz unterschiedliche Nestbauweisen. "Dieser Nistkasten ist ganz mit Blättern vollgestopft. Das Nest in dem anderen sieht aus wie ein kuscheliges Federkissen", erklärt Janina ihrer großen Schwester Petra. Storchenhorste lassen sich dann auf der Fahrt durch die Spreewalddörfer entdecken, wie zum Beispiel auf einem hohen Baum am Fischerhaus an den Stradower Teichen.

Ein 600 Meter langer Zeitsteg

Wie ein riesiges Nest sieht auch die Slawenburg in Raddusch aus. Sieben Meter hoch und zehn Meter dick ist der Ring, der genau an der Stelle nachgebaut wurde, wo vor mehr als 1000 Jahren eine von vielen Burgen des slawischen Stammes der Lusizi stand. Im Inneren des Walls werden in einer Ausstellung die archäologischen Fundstücke der Niederlausitz präsentiert - von der Steinzeit bis ins deutsche Mittelalter. Da viele Funde von Orten des Braunkohletagebaus stammen, widmet sich diesem Thema auch ein auch ein Teil der Ausstellung. Besonderen Spaß macht den Kindern ein Rätselspiel, bei dem die Antworten auf der Entdeckungstour durch die Ausstellung gefunden werden können. Um die Burg herum führt ein 600 Meter langer Zeitsteg, auf dem man die zeitlichen Dimensionen von der Steinzeit bis heute im Gehen abmessen kann.

Eine Burg hatte sich der elfjährige Enrico, der mit seinen Eltern und Bruder Norman aus der Nähe von Leipzig angereist ist, etwas anders vorgestellt. "Ich dachte, eine Burg sieht so ähnlich aus wie Harry Potters Zauberschule Hogwarts. Aber die ist ja aus Stein und nicht auch Holz gebaut", vergleicht Enrico. Dann überlegt er, ob es wohl schwierig ist, an den Holzstamm-Stummeln, die aus der Lehmwand herausschauen, hinaufzuklettern.

Aber es geht auch einfacher: Im Innenhof gibt es eine Treppe, die auf den Burgwall führt. Von dem breiten Rundgang hat man einen weiten Ausblick auf die Lausitzer Landschaft. An der Dubkow-Mühle, einem der vielen Ausflugslokale im Spreewald, überqueren wir die Hauptspree auf einer der typischen hölzernen Spreebrücken - Treppe hoch, über den Fluss, Treppe runter. Kanus, Paddelboote und Spreewaldkähne dümpeln im Wasser vorbei.

Orientierungssinn ist nötig

"Wann sind wir denn in Burg?", will Janina wissen. Der Beginn der größten Streusiedlung Deutschlands ist auch nicht leicht auszumachen, denn die Häuser haben große Gärten und Wiesen drum herum. Auch in Burg gab es mal eine Slawenburg wie die in Raddusch - auf dem Schlossberg. Vom 1917 erbaute Bismarckturm kann man den ganzen Ort überblicken kann. Nebenan, am Infozentrum des Biosphärenreservats Spreewald wurde aus lebenden Ästen eine Weidenburg gebaut. Für Führungen durch den Arznei- und Gewürzgarten und die Natur-Erlebnis-Uhr sollte man sich anmelden.

Orientierungssinn ist nötig, um sich durch den Irrgarten zu finden, der am Spreewaldhof Lukas angelegt wurde. Ziel ist ein Podest in der Mitte, von dem aus man das Wegegewirr überblicken kann.

Im Restaurant Spreewaldbahnhof werden auch Erwachsenen wieder zu Kindern: Eine Spielzeugeisenbahn mit den verrücktesten Waggons fährt jeden Tisch in dem alten Bahnhofsgebäude an, holt die Bestellung ab und - ein Pfiff verkündet die Abfahrt - bringt die Getränke an den Tisch. Auf der Rückfahrt nach Vetschau wird noch einmal Station gemacht. Auf dem Barfußpfad am Kurfürstendamm heißt es: "Schuhe ausziehen!" 14 Lauffelder mit unterschiedlichen Belägen bilden den Parcours. Janina versucht mit den Fußsohlen zu fühlen, über welche Oberfläche sie läuft: Sand, große und kleine Kieselsteine, Tannenzapfen oder Pflastersteine. Sie schließt dabei die Augen. Aber nur ganz kurz - und zum ersten Mal an diesem Tag.