Urlaub für einen Tag

Zu Besuch bei Cowboys und Rittern in Templin

Morgenpost Online gibt Tipps zu Ausflugszielen für Berliner Familien in Brandenburg. Diesmal: Templin, die Stadt der Cowboys und Ritter, der schnellen Autos (für Kinder!) und der niedlichen Tierbabys. Und für Regentage gibt es die Naturtherme mit Riesenrutsche. Langweilen muss sich hier niemand, im Gegenteil.

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Langweilen muss sich in Templin niemand. Beim Besuch bei Cowboys und Indianern in der Western-Stadt El Dorado an der B 109 am südlichen Stadtrand lässt sich deren Leben hautnah miterleben. Wer sich eher für moderne Abendteuer interessiert, findet sein Glück auf der Kartbahn.

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"Oh, Babys!“ Am Dampferanleger Templiner Stadtsee schauen Nico (7) und Jenny (5) gebannt aufs Wasser. Zwei Schwäne treiben vorbei, gefolgt von einer Schar Enten und einigen wild piependen, halbwüchsigen Haubentauchern. „Mama, guck doch mal, Vogelkinder!“ Aufregung bei den Menschenkindern. Jenny und Nico kommen aus Leipzig. Nicht, dass es daheim keine Schwäne gäbe. Aber im Urlaub wird alles zur Sensation.

Und Templin ist eine Stadt voller Sensationen. Nicht auf den ersten Blick vielleicht – Templin ist ein Städtchen mit 15.000 Einwohnern, die Uckermark rundum ein sanftes Hügelland mit weiten Feldern, naturgeschützten Wäldern und vielen Badeseen. Manche der Seen haben sogar Sprungturm und Schwimmfloß – aus Kindersicht also veritable Sensationen.

Erfrischendes Bad im Lübbesee

Jenny und Nico jedenfalls haben sich sofort ins kühle Nass des Lübbesees gestürzt, als sie ankamen. Im Gegensatz zu ihren Eltern, die gestehen, sie hätten erst noch „ein bisschen gezögert“. Es gibt mehrere Seen in Templin, sie haben momentan um die 20 Grad – „und flache, sandige Badestellen, so etwas gibt es bei uns nicht“, begeistert sich die Mutter der Kinder. Als Kontrastprogramm zum Baden haben die Eltern in den nächsten Tagen noch einen Besuch in der Westernstadt vor den Toren Templins geplant.

Templin auf den zweiten Blick ist nämlich eine Stadt der Cowboys und Ritter, der schnellen Autos (für Kinder!) und der niedlichen Tierbabys. Und für Regentage gibt es die Naturtherme mit Riesenrutsche. Langweilen muss sich hier niemand, im Gegenteil. Allein der Besuch bei Cowboys und Indianern nimmt einige Zeit in Anspruch.

In der Western-Stadt El Dorado an der B109 am südlichen Stadtrand lässt sich deren Leben hautnah miterleben. Vom Bogenschießen und Goldwaschen über echte Stunts und Ponyreiten bis zu Vorführungen mit Greifvögeln. Wem das Mittelalter lieber ist, dem seien die Ritter und Markgrafen von Templin empfohlen. Die lassen sich beim Spazierengehen praktisch nebenbei kennen lernen, denn die Stadtmauer ist fast komplett erhalten, Info-Tafeln erzählen von der Geschichte der Stadt. In den drei Wehrtürmen sind Museen untergebracht – noch mehr Stadtgeschichte.

Sehr praktisch: Die Stadtmauer liegt direkt um die Innenstadt mit Markt und historischem Rathaus. Ein Platz von der Sorte, wo Erwachsene gern im Café sitzen, dienstags und freitags ist Markt. Und die Kinder? Die kriegen ein Eis, na klar. Bioeis mit Rhabarber, Sanddorn, Ziegenmilcheis mit Nougatgeschmack – diese seltsamen Sorten gibt es am Bioeis-Stand um die Ecke an der Mühlenstraße. Wer es geschmacklich traditionell mag, ist ein paar Häuser weiter gut aufgehoben, im gemütlichen „teuflisch guten Eiscafé“.

Stoff geben auf der Kartbahn

Aber was ist jetzt mit den Tierbabys und den schnellen Autos? Letztere findet man auf der Kartbahn (Carl-Friedrich-Benz-Straße) – zum Zugucken oder Mitfahren. Das ist schon ab fünf Jahren möglich. Ganz billig ist der Spaß allerdings nicht (9 Euro für 10 Minuten). Die Tierbabys sind da schon eher zu empfehlen. In der Westernstadt gibt es einen Streichelzoo und die Esel Olivia und Emma. Mini-Ziegen und anderes Streichelgetier gibt es auch im Pony- und Märchenschloss Boitzenburg (ca. 20 Kilometer nördlich von Templin). Dort wird auch für Erwachsene Programm gemacht, etwa „Nabucco“ als Freiluft-Oper.

Nico und Jenny haben ihre persönlichen Tierbabyfreunde am Dampferanleger ins Herz geschlossen. „Das ist die Oma, das da ist der Opa …“, Jenny deutet auf die Schwäne und klärt mit wissendem Unterton ihren Bruder auf, die Eltern grinsen. Um die wirklichen Familienverhältnisse der Wasservögel zu klären, lohnt eine Dampferfahrt – zurzeit lässt sich dabei mit etwas Glück ein Tauchkurs bei Familie Haubentaucher beobachten.

Wer Wasservögel von Nahem sehen möchte, ist im Berliner Tor richtig. In einer Ausstellung auf vier Stockwerken wird die Uckermark vorgestellt – wie sie zur Eiszeit entstand und wer heute darin wohnt. Zu sehen sind unter anderem ein leuchtend blauer Eisvogel und die scheue Rohrdommel, deren Ruf manchmal an Seeufern durch die Dämmerung hallt. Aber das können nur Nico und Jenny hören. Um diese Uhrzeit sind die Berliner Tagesgäste längst auf dem Heimweg.