Urlaub für einen Tag

Ein Stück intakte Natur nah bei Berlin

Auf einer Fläche, die deutlich größer ist als Berlin, leben ganz in der Nähe der Stadt nur 25 Menschen: im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Hier lässt sich unberührte Natur entdecken. Manches Tier scheint sich sogar gerne zu präsentieren.

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Fast wie im Urwald fühlt man sich. Die Führung mit Ranger Jan Hesse ist wirklich ein Abenteuer. Es geht durch enge Hohlwege, unter tief hängenden Zweigen hindurch, über Holzstege im hohen Schilfgras und durch schmale Wiesenpfade. Die Sonne steht schräg am Himmel, die Schatten werden bereits länger. Und trotzdem entdeckt Hesse im Unterholz noch Tiere, die eigentlich die perfekte Tarnung haben: Eidechsen, Schildkröten, Frösche und Schlangen. Als kämen sie extra für ihn aus ihren Verstecken. Aber Hesse winkt ab. „Die sind immer da. Ich habe mit der Zeit einfach einen Blick für so was entwickelt.“

Die Blumberger Mühle bei Angermünde ist das Informationszentrum des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin. Hier sind Spaziergänge alles andere als langweilig. Plötzlich tauchen Dinge in der Landschaft auf, die es woanders nicht gibt oder nicht auffallen. Die meisten hätten ohne den geübten Blick des Rangers wohl Schwierigkeiten, den kleinen grünen Laubfrosch zu entdecken, der sich an einem ebenso grünen Schilfrohr festhält. Aber es gibt auch Tiere, die selbst jeder Laie schnell sieht. „Ab und zu liegen hier die Ringelnattern quer über dem Weg“, sagt Jan Hesse. Jede Menge Sumpfschildkröten sonnen sich auf Baumstämmen im Teich. Die Eidechsen scheinen innezuhalten, damit sie in ihren schönen Farben begutachtet werden können. Die Wiesen und das Schilfgebiet hat man sich selbst überlassen. Dadurch trifft man auf so viele besondere Tiere und Pflanzen.

„Die Schorfheide hat besonders viel Artenreichtum zu bieten“, sagt Hesse. „Unsere Außenanlage ist mit 14 Hektar so eine Art kleiner Querschnitt durch die Natur der Umgebung.“ Die Unesco hat die Schorfheide zum Biosphärenreservat erklärt. Kürzlich folgte dann der Grumsiner Forst, ein Buchenwald in der Nähe von Angermünde, der Weltnaturerbe wurde. Das gesamte Reservat ist mit 130.000 Hektar anderthalb mal so groß wie Berlin, doch es gibt nur 25 Einwohner pro Quadratmeter.

In der Blumberger Mühle gibt eine Ausstellung Einblick in die verschiedenen Lebensräume der Schorfheide. Für Kinder steht hier ein sprechender Baum, der von der Natur und ihren Bewohnern erzählt. Auf einem riesigen Findling sitzend erfährt man, wie die Schorfheide entstanden ist. In Aquarien schwimmen Fische, die draußen in den großen Fischteichen vorkommen. Vor dem Eingang gibt es einen großen Spielplatz. Ein Restaurant bietet preiswerte Gerichte an, deren Zutaten überwiegend aus der Region stammen. Durch den Bauerngarten, über den Barfußpfad und vorbei am Insektenhotel gelangt man in das Sumpfschildkrötengebiet. Wenn Führungen mit Kindern stattfinden, holt Jan Hesse mit dem Kescher die Tiere aus dem Wasser. „Die ,Froschkönigvorführung’ ist bei den Kindern besonders beliebt, weil es natürlich viel spannender ist, als das Aquarium zu Hause.“ Außerdem muss man vorher über eine wackelige Seilbrücke klettern. Viel Weitblick über die 20 Fischteiche hat man von einem Aussichtspunkt am Rande des Biotops. Zur Vogelzugzeit wurden hier bereits 25 Seeadler gezählt.

Übrigens geht der Uckermark-Radweg mitten durch das Teichgebiet der Blumberger Mühle. Jan Hesse gefällt das touristische Angebot sehr gut. „Wir können hier in der Mühle natürlich jede Menge Tipps geben, was man in der näheren Umgebung noch so alles unternehmen kann.“

Ungefähr sechs Kilometer entfernt gibt es das Strandbad Wolletzsee. Mitten im Wald trifft man plötzlich auf 150 Meter sehr gepflegten Sandstrandes, vier Volleyballfelder und 30.000 Quadratmeter Liegewiese. Neben den Ruderbooten kann man auch ein Grillfloß für 10 Euro die Stunde mieten. Antje Just aus Schwedt kommt mit ihrer Tochter oft her. „Wir verbringen hier immer so schöne Tage. Es ist so toll hier und das Wasser ist so klar.“ Ihre Tochter Charleen findet auch den großen Spielplatz klasse.