Urlaub für einen Tag

In Mildenberg wird die Ziegelproduktion zum Abenteuer

Industriepark - das klingt karg. Ist es aber nicht, zumindest nicht in Mildenberg vor den Toren Berlins. Der Ziegeleipark hier ermöglicht eine spannende Zeitreise. Mit einer Feldbahn, dem Fahrrad oder dem Go-Kart kann man über das Gelände fahren.

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Industriepark – das klingt karg. Ist es aber nicht, zumindest nicht in Mildenberg. Der Ziegeleipark ermöglicht eine spannende Zeitreise. Mit einer Feldbahn, dem Fahrrad oder dem Go-Kart kann man über das Gelände fahren.

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Er ist ein Volltreffer: Der Ziegeleipark Mildenberg hat das zu bieten, was einen Familienausflug spannend, erlebnisreich und fröhlich macht. Weite Wiesen zum Spielen und Toben, Picknickplätze mit Grillstellen, einen Streichelzoo, große Schaukeln und eine Seilbahn, sogar einen kleinen Badestrand.

Das Wichtigste aber ist etwas Anderes. Das Wichtigste ist die alte Tradition der Ziegelherstellung. Die großen Schornsteine, die ovalen Ringöfen, die Loren, Maschinen und Werkzeuge sind Zeugen dieser Zeit. Und wer unter der Schienenrampe zum Ringofen hindurch geht, der hört sogar die Wagen mit dem Kohlegrus über das Gleis rumpeln. Sehen kann man sie nicht. Das Geräusch kommt aus dem Lautsprecher. Wie auch andere Klänge aus der Ziegelei.

Wo sich heute auf 42 Hektar der Park erstreckt, entstanden Ende des 19. Jahrhunderts zwei Ziegeleien. Bis zu 6000 Wanderarbeiter waren pro Saison beschäftigt. Ton wurde in der näheren Umgebung abgebaut und angeliefert. An langen Streichtischen formten Arbeiter den Ziegelrohling, der im Freien trocknete und schließlich im Ringofen gebrannt wurde. Tausende Ziegel wurden per Finowmaßkahn nach Berlin transportiert. Denn die Mildenberger Ziegelbetriebe liegen nahe der Havel. Kleine Häfen wurden angelegt. Arbeiter brachten die Steine per Hand an Bord und schichteten sie auf. Erst 1962 wurde ein Portalkran eingesetzt. Wie einst Ziegel gebrannt wurden und das Feuer durch das Oval wanderte, kann man im alten Ringofen II. sehen.

Die Seilfähre müssen die Gäste selbst bewegen

Auch der Rundgang durch die Maschinenziegelei des „VEB Ziegelwerke Zehdenick“ lohnt sich. Man steigt die schmalen Treppen zum Transportband hinauf, sieht auf den Fabrikraum und die gestapelten Steine. Am besten lernt man den Park durch eine Rundfahrt mit der kleinen Feldbahn kennen, die früher Kohle und Ziegel transportierte. Die Tour ist im Eintrittspreis enthalten. Der Lokführer hält an allen wichtigen Punkten, erklärt Gebäude und Geschichte und zeigt die Freizeitmöglichkeiten.

Während der kleine Zug langsam durchs Gelände zuckelt, kann man sich in Ruhe umsehen. Die Bahn fährt an zwei kleinen Häfen entlang und nimmt dann Kurs auf die Abenteuerspielwiese. Die Versuchung auszusteigen ist groß. Weithin zu sehen ist die hohe Turmrutsche.

Die großen Schaukeln und die Seilbahn üben auch auf Erwachsene ihren Reiz aus, ebenso die hohen Laufräder. Große Sprünge sind mit dem Trampolin möglich. Die jüngeren Parkbesucher werden sich für das Tiergehege interessieren. Mit lautem Meckern machen Ziegen auf sich aufmerksam. Höchstens ein Grunzen ist von den Hängebauchschweinen zu hören. Ihre Namen haben Ortsbezug: „Bricky“ kommt von Brick, dem englischen Wort für Stein. „Clay“ heißt Ton auf Englisch. Gleich hinter dem Gehege der beiden Dickbäuchigen führt ein Steg zur Seilfähre, auf der man über einen kleinen See und wieder zurück fahren kann. Ziehen muss man allerdings selbst.

Es gibt Grillplätze und Hängematten

Der See ist ein ehemaliger Tonstich, wie die vielen anderen kleinen und großen Gewässer in und um Mildenberg auch. Die Gruben, in denen früher Ton abgebaut wurde, sind mit Wasser aufgefüllt. Nicht weit entfernt von der Seilfähre ist eine kleine Badestelle, nur zum Plantschen geeignet. Am Rand der Wiese sind die Grillplätze zu finden. Dort gibt es auch Hängematten sowie Spielgeräte zum Klettern und Springen für die Kleineren. Allein auf diesem Abenteuerspielplatz könnte man den Tag im Ziegeleipark verleben. Aber es wäre schade um die anderen Schauplätze.

Die Feldbahn hält an den alten Werkstätten, in denen eine Schlosserei, eine Stellmacherei und eine Schmiede untergebracht sind. Alle Maschinen wurden über Transmissionsriemen angetrieben. Wie es funktioniert hat, kann man sich in einer Führung zeigen lassen. Die Bahn fährt weiter durch die ehemalige Ziegelei Stackebrandt, einst die modernste ihrer Zeit. Und biegt sogar in den großen Fabrikbau ein, in dem schlagartig Lichter angehen. So sieht man, wo die Ziegel gebrannt wurden.

Etwa 45 Minuten dauert die Rundfahrt. Wer lieber auf eigene Faust das Gelände erkunden will, muss sich auf weite Wege gefasst machen. Doch die braucht niemand zu Fuß zurückzulegen. Fahrräder werden verliehen, außerdem Go-Karts für Große und Kleine, sogar als Zweisitzer. Auch einen Bollerwagen kann man sich leihen, um Picknickkorb und Decke zu transportieren. Wer eine längere Bahnfahrt vorzieht, kann eine Tour zu den Tonstichen unternehmen – auch das mit einer Originalbahn, die einst zwischen Tongruben und Ziegelei pendelte.