Land & Leute

Sommerglück vor den Toren der Großstadt

Theodor Fontane, Peter Joseph Lenné und Albert Einstein können nicht irren. Schon sie verbrachten hier ihre Freizeit, um sich vom Großstadtstress zu erholen. Und noch heute locken Werder und der Schwielowsee Berliner an.

Die Region rund um den staatlich anerkannten Erholungsort Werder und den Schwielowsee ist seit mehr als 150 Jahren liebster Fluchtpunkt der Berliner. Ihre Geschichte ist geprägt von großen Namen wie Theodor Fontane, Peter Joseph Lenné und Albert Einstein.

Wen die Entdeckerlust aufs Land treibt, der ist hier eher falsch; wer sich bei Sonnenschein am Wasser erholen und preußische Kultur genießen will, genau richtig.


Der gedankliche Vater aller Brandenburg-Touristen, Schriftsteller Theodor Fontane, hat in seinen poetisch-schwärmerischen Reiseberichten "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" auch die Naturschönheit der Havelseen gepriesen. So gehören der "Fontane-Weg" und das Erlebnis-Wochenende "Auf Theodor Fontanes Spuren" am Schwielowsee fest zum touristischen Repertoire. Das schönste Zitat zum Ort: "Der Schwielow ist breit, behaglich, sonnig und hat die Gutmütigkeit aller breit angelegten Naturen."

Fischer, Schiffer, Obstbauern

Die Bevölkerung, auf die die ersten Fontane-Jünger Ende des 19. Jahrhunderts südlich von Potsdam trafen, bestand aus Fischern, Schiffern, Obstbauern und Arbeitern. Die schuftete in Tongruben und Ziegeleien, um die Steine herzustellen, aus denen das Berlin des Industriezeitalters errichtet wurde. Was die Natur betrifft, so fanden die frühen Besucher einsame Uferplätze, lichte Waldwege - und englische Gärten. Die hatte der königliche Gartenarchitekt Peter Josef Lenné schon 1860 hier erschaffen, um mit den Schlossparks von Caputh und Petzow sein Gesamtkunstwerk der "Insel Potsdam" bis Werder auszudehnen.

Während Schloss und Park in Caputh nach dem Ende der DDR aufwendig restauriert wurden, liegt beides in Petzow noch immer im Dornröschenschlaf. Demnächst soll das von Karl-Friedrich Schinkel erbaute Herrenhaus zum Luxushotel umgebaut werden.

Albert Einstein bezog 1929 sein Sommerhaus in Caputh. Hierher floh er aus Berlin, um mit seiner Jolle über den Templiner See zu segeln und nachzudenken. Die Obstwiesen, die einst Einsteins Grundstück säumten, sind allerdings verschwunden. Zu DDR-Zeiten wurden in Caputh und Umgebung viele niedrige Einfamilienhäuser und Datschen (Bungalows) errichtet, in deren Gärten im Sommer Touristen zelten durften. In den vergangenen 20 Jahren kamen Neubauten dazu, die Gemeinden Schwielowsee und Werder wachsen beständig. Wie in Potsdam werden ehemalige Fabrikantenvillen zum Domizil reicher Stadtflüchtlinge.

Wie in der Bretagne

Das Potsdamer Umland mit seinen Gewässern, den Glindower Alpen, den blühenden Obstbäumen und kleinen Orten, in deren Gassen man sich wie in der Bretagne fühlt, ist in jeder Hinsicht ein Kontrastprogramm zu Berlin. Laut wird es nur im April, wenn Hunderttausende dem Ruf des süßen Obstweins zum Baumblütenfest folgen. Und wenn in der Henning-von-Tresckow-Kaserne in Geltow die Sirenen heulen: Hier werden die Auslandseinsätze der Bundeswehr koordiniert.