Geschichtstipp

Schönhausen - Kleines Rokokoschloss, große Historie

Das Schloss Schönhausen war zu DDR-Zeiten verkommen und verunstaltet. Heute kann man es mit Fug und Recht als Teil der blühenden Landschaften der Nachwendezeit betrachten.

Selten kann ein Haus so viele Geschichten erzählen wie dieses - Schloss Schönhausen. Es war adliger Landsitz, dann Refugium einer preußischen Königin, danach verwaist. Die DDR machte den Rokokopalast zu ihren ersten Regierungssitz, was lange Jahre den Begriff "Pankow" als Synonym für die DDR-Führung prägte. Später deklarierten die Ostberliner Staatschefs das Schloss zum Gästehaus um - schwülstiger Neobarock und 60er-Jahre-Badezimmerschick zogen ein.

Schließlich war das Gelände von Schönhausen der Ort des Runden Tisches und der "Zwei-plus-Vier-Gespräche", zur deutsche Wiedervereinigung führten. Danach verfiel das Schloss wieder in einen Dornröschenschlaf. Und was für ein Glücksfall, dass von allem heute im Innern des Schlosses berichtet wird. Seit es nach der Sanierung im Dezember 2009 wieder eröffnet wurde, waren mehr als 30 000 Besucher hier, um Rokokosäle, Pieck-Schreibtisch und das Gästebett für Ho Chi Minh zu sehen, ebenso Kunstwerke der gräflichen Familie Dohna, die diesem Ort verbunden war. Der heutige Park ist weniger prunkvoll, er stammt aus den 50er-Jahren. Ein alter Plattenbau steht noch am Schlosstor, auch dieser ein ehemaliges Gästehaus.

Schloss Schönhausen ,Tschaikowskistraße 1 (Pankow), 13156 Berlin, Apr.-Okt.: Di.-So.10-18 Uhr, Nov.-Dez. Sa./So. u. Feiertage, 10-17 Uhr, Eintritt 6, erm. 5 Euro.