Historie

Aus Liebe zur Kirche

Die Eheleute Kißner restaurierten für eine Millionen-Summe die zweitälteste katholische Kirche Berlins, Sankt Marien am Behnitz.

Sie war eigentlich schon fast aufgegeben, dann nahte die Rettung. Helmut und Hannelore Kißner verliebten sich 2001 in die Kirche Sankt Marien am Behnitz und kauften sie dem Erzbistum Berlin ab – für 500.000 Mark. Der marode Sakralbau wurde von ihnen in den kommenden beiden Jahren für eine Millionen-Summe saniert und kurz vor Weihnachten 2003 wieder eingeweiht. Am 21.November nun ist die zweitälteste katholische Kirche Berlins 160 Jahre alt geworden.

Für die Eheleute Kißner aus Neukölln hat sich damit ein Traum erfüllt. Ihr Engagement wurde mit der Hedwigsmedaille des Erzbistums geehrt. Die Investition der Kißners kann gar nicht genug gewürdigt werden: Sie ließen nicht nur Dach und Fassade restaurieren, wieder hergestellt wurden auch Wandmalereien, Altäre und die Bestuhlung. Schließlich erhielt die Kirche auch noch eine neue Orgel.

Sankt Marien hat seit den Anfängen eine spannende Entwicklung genommen. Baumeister war August Soller, ein Gehilfe Schinkels, dessen eigentliches Hauptwerk die katholische Michaelskirche am Engelbecken in Berlin ist. Besitzer, Nutzung und Zustand der Kirche wechselten mehrfach.

Anfang des 20.Jahrhunderts fristete Sankt Marien ein Schattendasein, weil es mit 750 Plätzen plötzlich zu klein für die vielen zugewanderten Katholiken aus den preußischen Ostprovinzen wurde. 1910 wurde das Gebäude an die Militärverwaltung verkauft – für die Spandauer Garnisonsgemeinde. In der Folge fanden indes nur wenige Militärgottesdienste statt, 1921 wurde die Kirche ganz geschlossen. Erst mit dem Erstarken des Militärs im Dritten Reich erhielt Sankt Marien ab 1.Oktober 1937 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, wiederum als Garnisonskirche, einen eigenen Pfarrer.

Trotz der Kriegsschäden blieb das Gotteshaus intakt und diente daraufhin bis 1952 als katholische Pfarrkirche. 1964 folgte eine umfassende Sanierung. Leider tilgte man hierbei sämtliche noch vorhandenen Wandmalereien, mauerte die Fenster im Chor zu, trug neuen Verputz auf und strich ihn mit grüner Farbe. Davon ist heute nichts mehr zu sehen, lediglich alte Fotos zeigen noch diesen Bauzustand.

Die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches verkaufte die Kirche im Jahr 1995 an das Erzbistum Berlin. Dieses veräußerte sie 2001 an die Eheleute Kißner.