Lichtbögen

Ladesäule brennt in Kreuzberg - Lebensgefahr für Feuerwehr

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Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr nähern sich in der Nacht zu Freitag mit Vorsicht der in Flammen stehenden Ladesäule am Leuschnerdamm in Kreuzberg.

Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr nähern sich in der Nacht zu Freitag mit Vorsicht der in Flammen stehenden Ladesäule am Leuschnerdamm in Kreuzberg.

Foto: Morris Pudwell

Am Leuschnerdamm in Kreuzberg stand in der Nacht eine E-Säule in Flammen. Das Löschen wurde für die Feuerwehr zu einer Herausforderung.

Berlin. Der Brand einer Ladesäule für Elektro-Autos in Kreuzberg ist in der Nacht zu Freitag für die Berliner Feuerwehr zu einer größeren Herausforderung geworden. Denn das in Flammen stehende Gerät führte zeitweise noch Strom. Entsprechend konnten die Einsatzkräfte nur aus einer bestimmten Entfernung tätig werden, um sich selbst nicht zu gefährden. Entsprechende Verordnungen schreiben bei Niederspannung fünf und bei Hochspannung zehn Meter Entfernung vor. Nach Angaben eines Zeugen habe eine Einsatzkraft seine Kollegen vor Ort erst darüber in Kenntnis setzen müssen.

Anwohner des Leuschnerdamms in Kreuzberg hatten die Rettungskräfte um 2.23 Uhr alarmiert. Beim Eintreffen der Feuerwehr stand die Ladesäule bereits in Vollbrand. Nach Start des Löschangriffs kam es nach Angaben von Zeugen und eines Feuerwehrsprechers immer wieder zu Lichtbögen, bei denen extrem hohe Temperaturen entstehen können. Ursächlich dafür sei jedoch vermutlich weniger das Wasser aus den Schläuchen als das Feuer selbst gewesen – und dass dadurch Teile zusammengeschmolzen sind, so der Sprecher weiter. „Es ist halt keine kleine Batterie.“

Stromnetz Berlin musste die Säule vom Netz nehmen

Nach Angaben von Polizei und Feuerwehr habe man das landeseigene Unternehmen „Stromnetz Berlin“ als Betreiber informiert, das die Säule schließlich vom Netz nahm. Wann dies geschah, war allerdings am Freitag zunächst unklar. Die Feuerwehr rückte mit insgesamt fünf Fahrzeugen an, von denen allerdings nur eines am Ort blieb, so der Sprecher weiter. An den konkreten Löscharbeiten seien zehn Einsatzkräfte beteiligt gewesen.

Unbestätigten Informationen zufolge kam es zu weiteren Verzögerungen, weil ein Löschwagen unterwegs den kompletten Inhalt seines Wassertanks verloren haben soll. Der Feuerwehrsprecher konnte dies am Freitag zunächst nicht bestätigen. „Zwischen 3.30 und 3.45 Uhr waren wir fertig und alle Kontrollen beendet.“ Während des Brandes stand ein Volkswagen einer Mietwagenfirma in unmittelbarer Nähe der Säule und war sogar daran angeschlossen. In Mitleidenschaft gezogen wurde der Wagen nicht – einzig das Ladekabel war nicht mehr zu gebrauchen.

Brandkommissariat ermittelt zur Ursache des Feuers

Wegen der Gefährdung durch den Strom in Verbindung mit Löschwasser musste die Einsatzstelle abgesperrt werden. Die Polizei ließ laut einem Sprecher allerdings auch wegen der Rauchentwicklung für längere Zeit niemanden die Kreuzung Bethanien- und Leuschnerdamm passieren. „Ein Brandkommissariat ermittelt nun wegen des Anfangsverdachts der Sachbeschädigung durch Feuer“, so der Sprecher weiter.

Ob es sich allerdings tatsächlich um eine vorsätzliche Tat gehandelt hat oder etwa einen technischen Defekt, sei noch unklar. Aus Feuerwehrkreisen heißt es, dass im Prinzip alles, was im öffentlichen Raum steht, Opfer von Vandalismus werden kann. Die Zahl der E-Autos in Berlin verdoppelte sich zwischen 2020 und 2022 auf mehr als 37.000. Entsprechend wird auch die Ladeinfrastruktur immer weiter ausgebaut.

Brennende Batterie kann immer wieder neu in Flammen aufgehen

Zu einem vergleichbaren Brand war es im vergangenen Jahr in Spandau gekommen, als ein Elektro-Mini an einer Ladesäule in Flammen aufging. Dabei geriet auch die Batterie des E-Autos in Brand, was den Einsatz deutlich verkompliziert hat. Die Feuerwehr musste das Auto auf die Seite kippen, um an die Batterie zu kommen. Erst nach mehr als vier Stunden war alles unter Kontrolle.

Ein Elektroauto zu löschen ist deutlich schwerer als bei einem Verbrenner. Denn selbst wenn das Feuer erstickt ist, neigt die Batterie immer wieder dazu, erneut in Flammen aufzugehen. Das darin enthaltene Lithium kann dabei sehr hohe Hitze entwickeln. Entsprechend dauern die Einsätze länger und der Bedarf an Löschwasser ist oft deutlich höher. Außerdem ist es erforderlich, ein Wrack längere Zeit nach dem Löschen zu beobachten, um eine erneute Entzündung auszuschließen. Da Autos auch nach Unfällen in Brand geraten können, steht die Feuerwehr hier in den kommenden Jahren vor neuen Herausforderungen.