Mercedes rammt Taxi

Verletzte bei Verfolgungsjagd durch die City-West

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Über drei Kilometer zog sich eine Verfolgungsjagd zwischen zwei Männern und der Berliner Polizei, die versucht hatte, in Charlottenburg eine Fahrzeugkontrolle durchzuführen. Am Kreisel um die Siegessäule endete die Jagd mit einer Kollision.

Über drei Kilometer zog sich eine Verfolgungsjagd zwischen zwei Männern und der Berliner Polizei, die versucht hatte, in Charlottenburg eine Fahrzeugkontrolle durchzuführen. Am Kreisel um die Siegessäule endete die Jagd mit einer Kollision.

Foto: Morris Pudwell

Gegen 2 Uhr wollte die Polizei einen silbernen Mercedes an der Fasanenstraße kontrollieren. Dann startete eine wilde Jagd.

Berlin. Möglicherweise hatte er etwas zu verbergen. Klar ist in jedem Fall, dass der Fahrer eines silbernen Mercedes‘ in der Nacht zu Donnerstag komme was wolle nichts mit der Polizei zu tun haben wollte. Dass er dabei die Gesundheit anderer Menschen gefährdete, schien ihm egal zu sein, als er erst durch die City West und später durch den Tiergarten raste, bis die Flucht vor der Polizei in einem Unfall endete.

Dieser ging zwar recht glimpflich aus, hätte aber auch deutlich schlimmer enden können. Begonnen hat alles gegen 1.50 Uhr. Der Mercedes soll in Charlottenburg von der Bismarckstraße kommend auf den Ernst-Reuter-Platz über eine rote Ampel gefahren sein. Dadurch löste zum einen eine dort fest installierte Blitzeranlage aus. Außerdem war die Besatzung eines Streifenwagens der Berliner Polizei Zeuge und nahm umgehend die Verfolgung auf.

Fluchtwagenfahrer stoppt auf der Flucht und lässt Beifahrer einsteigen

Ans Stehenbleiben dachte der Mann hinter dem Steuer der Limousine nicht – im Gegenteil. Er soll mit Vollgas über den Platz gefahren und dann nach rechts und viel zu schnell auf die Hardenbergstraße abgebogen sein. Die Beamten im Streifenwagen hätten dabei beobachtet, wie der Wagen Schlangenlinien fuhr und ohne zu blinken den Fahrstreifen wechselte, hieß es am Donnerstag. Kurz hinter dem Steinplatz soll der Fahrer dann auf der Busspur gestoppt haben, wo eine zweite Person in den Fluchtwagen stieg. Dann ging es mit Vollgas weiter, wobei der Mercedes wendete und zurück in Richtung Ernst-Reuter-Platz fuhr, wobei der Fahrer weitere rote Ampeln ignoriert haben soll.

Von Blaulicht, Martinshorn, dem nächtlichen Nebel und der Aufforderung der Polizisten, stehen zu bleiben, ließ sich der Flüchtende offensichtlich nicht beirren, als er auf die Straße des 17. Juni einbog. Die ist westlich der S-Bahnbrücke derzeit wegen einer Baustelle deutlich enger als normalerweise. In diesem Bereich überholte der Mercedes zwei Fahrzeuge, wobei eines habe stehen bleiben müssen, um einer Kollision zu entgehen, wie es von der Polizei weiter hieß. Knapp zwei Kilometer auf dem Großen Stern endete die Fluchtfahrt schließlich – nicht ohne kurz zuvor eine letzte rote Ampel zu überfahren. An der Ausfahrt zur Hofjägerallee stieß der Mercedes mit einem dort wartenden Taxi zusammen.

Offensichtlich prallte der Fluchtwagen in die linke Seite. Der Taxifahrer hatte allerdings Glück – der 33-Jährige wurde nur leicht am Arm verletzt und später von Rettungskräften der Feuerwehr vor Ort ambulant versorgt. Sei Fahrgast, der mit im Taxi saß, blieb gänzlich unversehrt.

Dass konnte der Fluchtwagenfahrer jedoch noch nicht wissen, als er kurz nach dem Zusammenstoß gemeinsam mit seinem Beifahrer ausstieg und losrannte. Beide flohen in unterschiedliche Richtungen. Den Polizisten gelang es dabei nur, einen der beiden Männer zu stellen. Der Beifahrer konnte später ein paar Hundert Meter weiter im Rosengarten festgenommen werden. Dabei setzten die Beamten Reizgas ein, weshalb der 27-Jährige „leichte Atemwegs- und Augenreizungen“ erlitt. Der Georgier wurde letztlich wieder auf freien Fuß gelassen, da gegen ihn kein Verdacht eine Straftat bestehe, sagte eine Polizeisprecherin. Anders ist es jedoch beim Fahrer, der im Dunkel des Tiergarten verschwand und von dem auch am Donnerstag jede Spur fehlte. Gegen den Unbekannten werde unter anderem wegen des Verdachts eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens, der Straßenverkehrsgefährdung, der fahrlässigen Körperverletzung sowie Verkehrsunfallflucht ermittelt, so die Behördensprecherin weiter. Die Hintergründe für die Flucht waren wie die Identität des Mannes am Donnerstag weiter unklar.

Die Polizei beschlagnahmte das Mercedes-Wrack mit polnischem Kennzeichen und stellte im Inneren ein Mobiltelefon sicher, dass nun ausgewertet werden soll. Hinweise auf die Identität des Flüchtigen hätten sich daraus allerdings bislang noch nicht ergeben, heißt es von der Polizei. Angaben von vor Ort, dass mehrere Handys sowie eine größere Menge Bargeld in dem Wagen gefunden wurden, bestätigte eine Polizeisprecherin am Donnerstag nicht.

Rücksichtslosigkeit: Im Zweifel müssen Passanten aus dem Weg springen

Verfolgungsjagden wie diese gehören in Berlin längst zum Polizeialltag. So raste etwa ein 23-Jähriger am Abend des 10. November mit einem Smart über den Mehringdamm in Kreuzberg und gab noch mehr Gas, als ein Streifenwagen ihn stoppen wollte. Passanten mussten zum Teil aus dem Weg springen, um nicht erfasst zu werden. Der Fahrer, der laut Polizei keinen Führerschein hatte, konnte schließlich festgenommen werden. Für Bestürzung sorgte im März ein Video, dass die Flucht eines Cabrios vor der Polizei über die Frankfurter Allee in Friedrichshain zeigte. Um dem Berufsverkehr auszuweichen, fuhr der 43 Jahre alte Fahrer dabei weite Strecken über den Bürgersteig. Auch hier mussten Fußgänger zur Seite springen. Der Raser konnte erst auf der Landsberger Allee gestoppt werden.

( Philipp Siebert )