Nach Pannen-Start

Weihnachtsbaum am Breitscheidplatz aufgestellt

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Nach einer Panne bei der Anlieferung ist der Christbaum für den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz mit einem Tag Verzugam Mittwochmorgen aufgestellt worden.

Nach einer Panne bei der Anlieferung ist der Christbaum für den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz mit einem Tag Verzugam Mittwochmorgen aufgestellt worden.

Foto: Norman Börner

Die Polizei hatte den Transport zunächst gestoppt – der Baum war einfach zu groß. Inzwischen ist er sicher an seinem Platz gelandet.

Berlin. Der Christbaum, der den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz zieren soll, ist in der Nacht angekommen. Am frühen Mittwochmorgen begann die Errichtung des 22 Meter messende Nadelbaums. Um 10.25 Uhr konnten die Arbeiten abgeschlossen werden, der Baum steht.

Zuvor war es beim Transport der Weihnachtstanne in der Nacht zu Dienstag zu einer Panne gekommen. Der Schwerlast-Transport, mit dem die Kolorado-Tanne von Bohnsdorf (Treptow-Köpenick) in die City West gebracht werden sollte, wurde kurzfristig von der Polizei gestoppt. Eigentlich sollte der Baum am Dienstagvormittag vor der Gedächtniskirche aufgestellt werden.

Doch es kam ganz anders. Denn Polizisten untersagten die Fahrt, weil die Fracht zu groß für die Passage durch den Britzer Tunnel sei. Die Autobahnpolizei habe die Höhe von Tieflader und Tanne mit 5,20 Meter gemessen. Der Tunnel ist 4,30 Meter hoch, hieß es.

Weihnachtsbaum für den Breitscheidplatz wurde tiefergelegt

Die Tanne musste nun passend gemacht werden. Der Baum wurde also „tiefergelegt“, indem die Holzböcke, auf denen er lagerte, entfernt wurden. Zudem hatten Mitarbeiter der Tischlerfirma den ganzen Tag daran gearbeitet, den Baum enger mit Seilen zu verpacken. Problem: Das Herunterbinden könnte Spuren am Baum hinterlassen. Aber das nahm man in Kauf.

Denn erst wenn der Baum das erforderliche Maß von 4,20 Meter erreiche, könne der Transport noch am Dienstagabend nach 22 Uhr mit dem alten und genehmigten Antrag stattfinden. Sonst müsste ein neuer Antrag gestellt werden, so ein Sprecher der Berliner Polizei. Eine neue Genehmigung würde lange auf sich warten lassen. Sie werde für gewöhnlich einige Wochen im Voraus beantragt und beschieden, hieß es. Immerhin müssten zahlreiche öffentliche Stellen und Senatsverwaltungen den Antrag prüfen.

Polizei nimmt am Abend noch einmal Maß

Um kurz nach halb zehn wurde es spannend. Die Polizei nahm noch einmal Maß. Die Höhe schien diesmal zu passen. Aber problematisch war plötzlich die Breite. Zwar liege eine Genehmigung für mehr als fünf Meter vor. Aber die bauliche Situation am Breitscheidplatz – dort verengen Sicherheitspoller die Fahrbahn – lasse höchstens eine Breite von 3,40 Meter zu, wenn der Laster über Nacht dort parkt. An der dicksten Stelle ist der Baum 4,50 Meter breit. Auch an einer Baustelle auf der Bundesallee könnte es laut Polizei eng werden.

Doch dann der Kompromiss: Ein Mitarbeiter des Transportunternehmens sollte noch einmal die Strecke abfahren. Wenn es keine Hindernisse auf den Straßen gibt und am Breitscheidplatz ein Abstellort gefunden wird, dann gibt es laut Polizei grünes Licht für den Baum.

Und so kam es dann auch. Gegen 22.45 Uhr rollte der Lkw mit dem Weihnachtsbaum dann tatsächlich Richtung Breitscheidplatz los. Ein Happy End für die Problem-Tanne - und alle Helfer, die sich darum gekümmert haben, den Baum passend für den Transport zu machen!

Inzwischen ist der Baum sicher an seinem Platz gelandet. Große Schäden aufgrund des Transports scheinen auf den ersten Blick ausgeblieben. Auch die Baumspender Margot Herre und Klaus Peters sind glücklich. „Und das am 9. November. Ganz ohne Grenzkontrolle“, sagte Klaus Peters. Bis zur Eröffnung des Marktes am 21. November wird die 22 Meter hohe Colorado-Tanne nun festlich geschmückt.

Weihnachtsbaum am Breitscheidplatz: Immer wieder Pannen

Die 2,9 Tonnen schwere und 22 Meter hohe Kolorado-Tanne stammt in diesem Jahr von Margot Herre und Klaus Peters. Das Paar folgte Anfang des Jahres dem Aufruf des Berliner Schaustellerverbands und bewarb ihre Koloradotanne für den den Posten als Weihnachtsbaum. Der Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche soll am 21. November starten.

Die Pannen bei der Aufstellung von Weihnachtsbäumen in Berlin gehören seit Jahren zur Weihnachtszeit in Berlin dazu:

  • Im Jahr 2000 war eine Fichte aus Bayern an der Gedächtniskirche zwar 28 Meter hoch, hatte aber so spärliche, dünne Äste, dass sie ausgetauscht wurde. Es gab Vergleiche mit dem Waldschadensbericht des Senats, eine Passantin sagte: „Das kann nur als bayerische Provokation gewertet werden.“ Die Fichte wurde an Elefanten im Zoo verfüttert.
  • 2001 spendete Oberfranken als Wiedergutmachung eine 30 Meter hohe Fichte - die beim Aufstellen auf einem anderen Platz zerbrach. Bei den Reparaturversuchen zersplitterte der Baum völlig. 2003 gab es wieder Ärger: Eine 18 Meter hohe Fichte aus dem Sauerland hatte so viele braune Stellen und fehlende Äste, dass sie ausgetauscht wurde. Von dem Ersatzbaum sägte ein Störer kurz vor Weihnachten fünf Meter der Baumspitze ab.
  • 2006 zogen eine finnische und eine bayerische Gemeinde kurzfristig ihre Bäume zurück. Die Schausteller vom Weihnachtsmarkt kamen auf die Idee, sich ihre Bäume künftig aus Berliner Gärten spenden zu lassen, auch um die hohen Kosten für den Spezialtransport zu verringern.
  • Trotzdem gab es 2007 erneut einen „Pannenbaum“ aus Bayern. Die Fichte wog acht statt sechs Tonnen, ein Schwerlastkran musste anrücken, um sie in den Ständer zu heben. Schon vor dem Ziel war der Baum an einer Brücke am Bahnhof Zoo hängengeblieben.
  • 2008 brach vor dem Roten Rathaus ein Baum aus Bayern durch.
  • Im Jahr 2010 sorgte eine „Plastiktanne“ für Aufregung. Sie diente als Ersatz für die traditionelle Tanne, die damals wegen der Sanierung der Gedächtniskirche nicht aufgestellt werden konnte.
  • 2020 verhinderten Falschparker den planmäßigen Transport der Tanne in die City West.
( BM/dpa/nobo/ag/JP )