SEK-Einsatz

Großrazzia: Berliner Hells Angels-Gruppe verboten

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Polizeibeamte laden am Gelände der Rockergruppe "Hells Angels MC Berlin Central" in Berlin das Logo der Gruppe sowie weitere sichergestellte Gegenstände auf einem Lkw. Aufgrund krimineller Aktivitäten wurde die Gruppe von Berlins Innensenatorin verboten und aufgelöst.

Polizeibeamte laden am Gelände der Rockergruppe "Hells Angels MC Berlin Central" in Berlin das Logo der Gruppe sowie weitere sichergestellte Gegenstände auf einem Lkw. Aufgrund krimineller Aktivitäten wurde die Gruppe von Berlins Innensenatorin verboten und aufgelöst.

Foto: Paul Zinken/dpa

Große Razzia am Donnerstagmorgen gegen die Rockergruppe „Hells Angels MC Berlin Central“. Die Berliner Ortsgruppe wurde verboten.

Berlin. Mit einer Großrazzia in Berlin und in drei weiteren Bundesländern hat die Berliner Innenverwaltung das Verbot gegen Ortsgruppen der Rockergruppe „Hells Angels“ durchgesetzt. Die Gruppierungen „HAMC Berlin Central“ sowie ihre Unterstützergruppierung „MP 81 Berlin Central“ wurden verboten, ihre Räumlichkeiten durchsucht und das Vereinsvermögen beschlagnahmt. Das teilten die Senatsinnenverwaltung und die Polizei mit.

Ab sofort ist es verboten, Kennzeichen des Vereins und seiner Unterstützergruppierung zu verbreiten oder öffentlich zu verwenden. Dem „HAMC Berlin Central“ und dem „MP 81 Berlin Central“ ist ab jetzt jede Tätigkeit in Deutschland untersagt.

Ungefähr 1300 Polizisten, darunter mehrere Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Länder und die GSG 9 der Bundespolizei, durchsuchten seit den frühen Morgenstunden in vier Bundesländern die Räume der Berliner Hells Angels. Neben Berlin wurden auch in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt Wohnungen und Clubräume durchsucht.

Spezialeinsatzkräfte der Polizei durchsuchen mehr als 40 Wohnungen

„Der Einsatz lief unter der Verantwortung des Berliner Landeskriminalamts und begann um 6 Uhr am Morgen mit dem Inkrafttreten des Vereinsverbots“, sagte die Pressesprecherin der Berliner Polizei, Beate Ostertag, der Berliner Morgenpost. „In Berlin wurden stadtweit Objekte durchsucht, mit Schwerpunkt in Reinickendorf, wo auch ein Clubhaus der Hells Angels ist. Neben den Spezialeinsatzkräften der Bundesländer, wo die polizeilichen Maßnahmen stattgefunden haben, kamen auch SEK und GSG 9 aus anderen Bundesländern zum Einsatz.“

Insgesamt wurden mehr als 40 Wohnungen, Hafträume und andere Räume wie ein Clubhaus durchsucht. In den Justizvollzugsanstalten Moabit in Berlin und Heidering in Großbeeren sowie in der JVA Cottbus-Dissenchen hat die Polizei Gefängniszellen durchsucht. Insgesamt waren 42 Personen von den Maßnahmen betroffen. Nach Angaben der Polizeisprecherin wurden keine Haftbefehle vollstreckt, die Polizeimaßnahmen beschränkten sich auf die Beweismittelsicherung, die Beschlagnahmung von Vereinsvermögen und die Vollstreckung des Vereinsverbots.

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Innensenatorin lässt Verbot durchsetzen

„Das heutige Verbot stellt klar, dass wir nicht wegschauen, wenn eine neu geschaffene Organisation an die Stelle eines bereits 2012 verbotenen Vereins tritt“, teilte Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Donnerstag mit. „Unser Blick richtet sich auch auf all diejenigen, die versuchen, wirksame Vereinsverbote zu unterwandern, um unter diesem Deckmantel ihre kriminellen Aktivitäten fortzusetzen.“

Bei dem verbotenen „HAMC Berlin Central“ handelt es sich um eine Ersatzorganisation. Sie ist eine von drei in Berlin ansässigen „Chartern“ der weltweit agierenden Hells Angels-Bewegung. Dabei verfolgte der Verein die verfassungswidrigen Bestrebungen des „HAMC Berlin City“ weiter. Unterstützt wurde er von der Gruppierung „MP 81 Berlin Central“, teilte die Innenverwaltung mit.

Nach dem Verbot des „HAMC Berlin City“ im Jahr 2012 kam es zunächst zu einer Neuorganisation durch die Gründung von vier „Chartern“ („HAMC Northtown“, „HAMC Easttown“, „HAMC Southtown“ und „HAMC Westtown“). Deren Wirken endete nach umfangreichen Verhaftungen im Zusammenhang mit dem sogenannten „Wettbüromord“ im Jahr 2014 und der Flucht mehrerer Tatverdächtiger ins Ausland. Es kam zur Selbstauflösung. Daraufhin gründete sich der „HAMC Berlin Central“, um „HAMC Berlin City“ zu ersetzen.

Der „HAMC Berlin City“ wurde bereits 2012 verboten, Bestand hat das Verbot aber erst seit 2020. Die Rockergruppierung hatte gegen das Verbot Klage erhoben. „Das Klageverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg wurde für die Dauer des Prozesses um den sogenannten Wettbüromord von 2014 bis 2019 vor dem Landgericht Berlin ausgesetzt, da an der Tat ehemalige Clubmitglieder des „HAMC Berlin City“ beteiligt waren“, sagte die Sprecherin der zuständigen Senatsverwaltung für Inneres, Digitalisierung und Sport, Sabine Beikler. „Das Verbot des ‘HAMC Berlin City’ wurde deswegen erst im September 2020 bestandskräftig.“

Gewerkschaft der Polizei begrüßt Verbot

„Wir begrüßen das Verbot und die heutigen Maßnahmen, weil es ein klares Zeichen des Rechtsstaates gegen die Organisierte Kriminalität ist. Rockergruppierungen wie die Hells Angels sind in den letzten Jahren vielleicht nicht mehr so öffentlichkeitswirksam in Erscheinung getreten, aber nach wie vor in verschiedenen Bereichen der Schwerstkriminalität wie Schutzgelderpressung, Waffen-und Drogenhandel aktiv“, sagte Benjamin Jendro, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin. „Das ändert sich auch nicht, nur weil man sich einen neuen Namen gibt und wie der Wolf im Schafspelz eines gesitteten Vereinslebens die wahren Aktivitäten verschleiern möchte.“

Für die Innensenatorin war dieses Vereinsverbot eine „Premiere“ in ihrer nun etwa neunmonatigen Amtszeit. Zuletzt hatte der ehemalige Innensenator Frank Henkel (CDU) 2012 die Hells Angels-Ortsgruppe „Berlin City“ verbieten lassen. Am 14. September dieses Jahres hatte Bundesinnenministerin Nancy Faser (SPD) den Rockerclub „United Tribuns“ verboten.

Neben Rockergruppierungen wurden seit 2005 durch das Land Berlin aus dem Bereich Rechtsextremismus die „Berliner Alternative Süd-Ost“ und „Kameradschaft Tor“ im März 2005 sowie „Frontbann 24“ im November 2009 verboten, teilte die Senatsinnenverwaltung auf Anfrage mit. Aus dem Bereich Islamismus wurde „Fussilet 33 e.V.“ im Februar 2017 und die „Jama’atu Berlin“ alias „Tauhid Berlin“ im Februar 2021 verboten. Das Verbot gegen die „Jama’atu Berlin“ alias „Tauhid Berlin“ ist aufgrund der Klage der Vereinigung gegen das Verbot noch nicht rechtskräftig.

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