Prostitution

Berlin und Budapest: Mädchenhändler-Ring zerschlagen

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Ein Mann wird von Einsatzkräften festgenommen.

Ein Mann wird von Einsatzkräften festgenommen.

Foto: Europol

Das Berliner Landeskriminalamt, ungarische Sicherheitsbehörden und Europol zerschlagen Mädchenhändler-Ring in Berlin und Budapest.

Berlin.  Wie erst jetzt bekannt wurde, haben das Landeskriminalamt Berlin und das ungarische National Bureau of Investigation THB Unit mit der Unterstützung von Europol einen international arbeitenden Mädchenhändler-Ring zerschlagen. Das teilte Europol, die Polizeibehörde der Europäischen Union mit Sitz im niederländischen Den Haag, am Dienstag mit. Die Durchsuchungen und Verhaftungen fanden bereits am vergangenen Mittwoch an verschiedenen Orten in Berlin und Budapest statt.

Die Ermittlungen hatten ergeben, dass das kriminelle Netzwerk von einem ungarischen Ehepaar geführt wurde. Beide Personen wurden in Berlin aufgrund eines von Ungarn ausgestellten Europäischen Haftbefehls festgenommen. Sie sollen bereits seit 2017 junge Frauen in Ungarn angesprochen und mit verschiedenen Versprechungen nach Berlin gelockt haben. Laut Europol kamen alle Frauen aus schwachen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen.

Die Verdächtigen versprachen ihren Opfern Unterkunft, Schutz und Unterstützung mit amtlichen Dokumenten, sollten dafür aber mindestens 50 Prozent ihres Einkommens an den Menschenhändlerring abführen. Nachdem die jungen Frauen von Ungarn nach Deutschland gebracht wurden, lebten sie in Wohnungen, die das kriminelle Netzwerk angemietet hatte.

Ungarisches Ehepaar zwingt Frauen zur Prostitution

In Deutschland wurden sie dann zur Prostitution gezwungen und mussten ihr gesamtes Einkommen aus der Prostitution abführen. Die Peiniger diktierten ihren Opfern Verhalten, Kommunikationsmittel, Arbeitsbedingungen sowie die Preise und Orte der Prostitution. Die Opfer wurden in bestimmte Straßen und Bereiche Berlins geschickt, die von den Verdächtigen kontrolliert wurden.

Nach Angaben der europäischen Ermittlungsbehörde wurden die jungen Frauen gezwungen, ein tägliches Mindesteinkommen zwischen 150 und 300 Euro zu erarbeiten. In den meisten Fällen nahmen die Verdächtigen das gesamte Einkommen der Opfer mit, die schwere psychische und körperliche Misshandlungen erlitten, wenn sie nicht den erforderlichen Tagessatz verdienten oder wenn sie sich nicht an die vom kriminellen Netzwerk auferlegten Verhaltensregeln hielten.

Wollten andere Zuhälter ihre „eigenen“ Frauen in den Straßen, die von dem ungarischen Netzwerk kontrolliert wurden, anschaffen lassen, mussten sie täglich 150 Euro pro Prostituierte zahlen. Bislang konnten 25 Opfer identifiziert werden. Eine von ihnen wurde schwer misshandelt und in einen Raum gesperrt, wo sie zur Prostitution gezwungen wurde. Bei einem Fluchtversuch sprang sie aus dem Fenster. Die Frau musste neun Monate in einem Krankenhaus behandelt werden.

Wohnungen in Berlin und Budapest durchsucht

Am vergangenen Mittwoch wurden Wohnungen in Berlin und Budapest durchsucht und insgesamt drei Personen in Deutschland und Ungarn verhaftet. Die Ermittler des LKA und der ungarischen Sicherheitsbehörde beschlagnahmten Fahrzeuge und elektronische Geräte. Europol entsandte einen Experten nach Berlin und einen nach Budapest, um operative Informationen in Echtzeit abzugleichen und die Ermittler vor Ort mit technischem Fachwissen zu unterstützen.

„Es gibt kaum etwas Perfideres, als die Not von jungen Frauen und ihren Wunsch nach einem besseren Leben schamlos auszunutzen, Wir danken den beteiligten Kolleginnen und Kollegen, die dieser wichtigen Ermittlungserfolg auf die Beine gestellt haben“, sagte der Berliner Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, Stephan Weh. „Berlin steht im Fokus der internationalen Kriminalität und wir sehen anhand dieses Falls einmal mehr, dass sich Kriminelle auch vor Landesgrenzen nicht abschrecken lassen."