Razzia in Berlin

Drogenbande - Ermittlungen auch bei Staatsanwaltschaft

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Die mutmaßliche Drogenbande soll in Berlin vor allem mit Crystal Meth gehandelt haben (Symbolbild).

Die mutmaßliche Drogenbande soll in Berlin vor allem mit Crystal Meth gehandelt haben (Symbolbild).

Foto: dpa

Die Ermittler durchsuchten in Berlin 21 Wohnungen und nahmen fünf Verdächtige fest. Auch eine Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft unter Verdacht.

Berlin. Bei Ermittlungen gegen eine mutmaßliche Drogenbande ist eine Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft Berlin ins Visier der Ermittler geraten. Die Frau ist mit einem der Verdächtigen liiert, wie Staatsanwaltschaftssprecher Sebastian Büchner am Freitag mitteilte. Es bestehe der Anfangsverdacht, dass sie vertrauliche Informationen abgefragt und möglicherweise ihren Lebensgefährten gewarnt habe. Der 24-Jährige soll im großen Stil mit Drogen gehandelt haben und war am vergangenen Mittwoch in Berlin neben vier weiteren Männern verhaftet worden. Von den Durchsuchungen war auch die Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft betroffen, wie es hieß.

Gegen die Frau sei bereits am 10. Juni ein Verfahren wegen des Verdachts der Strafvereitelung eingeleitet worden, sagte Büchner. Die Frau arbeite derzeit nicht und habe inzwischen keine Möglichkeit mehr, auf die Daten der Behörde zuzugreifen. Weitere Angaben machte er nicht zu der Mitarbeiterin.

Bei der Razzia in Berlin hatten Beamte am Mittwoch fünf mutmaßliche Mitglieder einer Drogenbande festgenommen. Wie das Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg mitteilte, wurden insgesamt 22 Wohnungen - 21 in Berlin, eine in Magdeburg - durchsucht. Insgesamt waren für die Festnahmen und Durchsuchungen mehr als 250 Beamtinnen und Beamte im Einsatz, unter ihnen 140 Zollfahnder.

Ausgangspunkt der Ermittlungen waren Daten der Verschlüsselungssoftware Encrochat, wie es in der Mitteilung weiter heißt. Die Software galt zunächst als nicht entschlüsselbar. 2020 gelang es jedoch Ermittlern in den Niederlanden und Frankreich, Millionen geheimer Daten abzuschöpfen. Allein in Berlin geht es laut Staatsanwaltschaft um rund 1,6 Millionen Chatnachrichten und knapp 750 Nutzer. Mehrere Strafverfahren endeten bereits mit Verurteilungen.

Handel mit 130 Kilo Crystal Meth

Durch die Encrochat-Daten konnten zunächst vier mutmaßliche Bandenmitglieder im Alter zwischen 24 und 51 Jahren identifiziert werden. Sie stehen im Verdacht, im Zeitraum März bis Juni 2020 mit 130 Kilogramm Methamphetamin ("Crystal Meth"), zehn Kilogramm Marihuana, ein Kilogramm Kokain und ein Kilogramm Amphetamin Handel getrieben zu haben.

In einem weiteren Ermittlungsverfahren wird einem 41-Jährigen, der mit den vier Männern Drogengeschäfte abgewickelt haben soll, der Vertrieb von 135 Kilogramm Marihuana, sieben Kilogramm Methamphetamin sowie über zehn Kilogramm Kokain zur Last gelegt.

Razzia in Berlin: Bargeld, Waffen, Luxusuhren und hochwertiges Auto beschlagnahmt

Im Rahmen des Einsatzes konnten alle fünf durch die Staatsanwaltschaft Berlin erwirkten Haftbefehle gegen die Tatverdächtigen vollstreckt werden, drei der Festnahmen erfolgten durch Spezialeinheiten der Polizei, der Zollfahndung und der Bundespolizei. Auch die Eliteeinheit der Bundespolizei, die GSG 9, war im Einsatz, da davon ausgegangen werden musste, dass die Tatverdächtigen bewaffnet waren. Wie sich später herausstellte, war dieser Verdacht nicht unbegründet. Es wurden mehrere Schusswaffen und scharfe Munition sichergestellt.

Insgesamt konnten bei den Durchsuchungen anderthalb Kilogramm Marihuana und zweihundert Gramm Haschisch, drei scharfe Faustfeuerwaffen mit Munition und diverse Aufzeichnungen und Datenträger beschlagnahmt werden. Zudem wurden über 60.000 Euro, diverse Luxusuhren sowie ein hochwertiges Fahrzeug sichergestellt. Die Ermittlungen, insbesondere die Auswertung der Datenträger, dauern an. Die Festgenommen befinden sich in Untersuchungshaft.

( BM/ag )