Koks-Taxis

Clan-Razzia: Durchsuchungen auch in Gefängniszellen

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Einsatzkräfte der Berliner Polizei am Dienstagmorgen bei den Razzien gegen Clan-Mitglieder.

Einsatzkräfte der Berliner Polizei am Dienstagmorgen bei den Razzien gegen Clan-Mitglieder.

Foto: BM

Die Berliner Polizei ist am Dienstag erneut gegen Clan-Kriminalität vorgegangen. Ermittelt wird gegen die Betreiber eines Koks-Taxis.

Berlin. Als Omar O. im September 2020 vor Gericht stand, gab er sich reumütig. Der Vorwurf der Anklage, er habe Drogenkonsumenten per Koks-Taxi versorgt, treffe zu. Die Einnahmen habe er verjubelt, Partys gefeiert und teure Luxuskarossen angemietet, sagte das Mitglied eines polizeibekannten Clans. Als immer mehr Konsumenten bestellten, habe er sich Helfer gesucht. Das Unternehmen expandierte. Laut Anklage belieferte die Bande letztlich rund 850 Stammkunden mit dem weißen Stoff.

Das Landgericht verurteilte Omar O. damals zu einer mehrjährigen Haftstrafe. Die Resozialisierung hinter Gittern scheiterte aber offenbar. Denn O. führte den Kokain-Lieferservice fort – diesmal aus seiner Gefängniszelle heraus. So sehen es jedenfalls Polizei und Staatsanwaltschaft. Am Dienstag durchsuchten Ermittler seinen Haftraum. Weitere Ziele der in den Morgenstunden durchgeführten Razzia: Privatwohnungen, etwa an der Graefestraße in Kreuzberg und der Katzlerstraße in Schöneberg, Shishabars und mehrere Pkw. Dabei wurden auch Beamte eines Spezialeinsatzkommandos hinzugezogen.

Razzia wegen Koks-Taxi in Berlin: Drogen, Bargeld und gefälschte Impfpässe sichergestellt

Die neun Beschuldigten des Verfahrens im Alter von 18 bis 50 Jahren – einer von ihnen ist nach Informationen der Berliner Morgenpost der verurteilte Dealer Omar O. – betrieben den Kokain-Lieferservice den Ermittlungen zufolge praktisch genauso wie in dem Verfahren, das im September 2020 zur Verurteilung von O. geführt hatte. Demnach gab es einen „Koordinator“, der die Geschäfte organisierte, mehrere Fahrer sowie „Bunkerhalter“, die die Reserven des Stoffes verwahrten.

Bei der Razzia fanden die Ermittler neben Bargeld und Drogen als Beifang auch gefälschte Impfpässe. Gegen vier Beschuldigte wurden Haftbefehle vollstreckt. Nach einem weiteren ebenfalls per Haftbefehl gesuchten Beschuldigten wird weiterhin gefahndet. In den vergangenen Monaten hatte die Zahl der Polizeirazzien deutlich zugenommen – vor allem wegen der im Jahr 2020 entschlüsselten Daten aus dem Messengerdienst Encrochat, den viele Kriminelle in Europa nutzten.

( BM/kr )