Königs Wusterhausen (Senzig)

Mordfall Senzig: „Querdenker“ zeigt Bundesregierung an

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Familiendrama von Senzig: Gefälschtes Impfzertifikat mögliches Motiv

Familiendrama von Senzig: Gefälschtes Impfzertifikat mögliches Motiv

Ein gefälschtes Impfzertifikat und Angst vor Verhaftung waren offenbar die Motive für das Familiendrama im brandenburgischen Königs Wusterhausen. In einem Abschiedsbrief gab der 40-jährige Familienvater an, dass er und seine Frau Angst vor einem Verlust ihrer drei Kinder gehabt hätten.

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Der Betreiber einer Telegram-Gruppe macht den Bund für die Bluttat von Senzig verantwortlich. Jetzt wurde mehr über den Täter bekannt.

Königs Wusterhausen. 
  • In Senzig (Königs Wusterhausen) südöstlich von Berlin hat ein 40-Jähriger seine Familie und dann sich selbst getötet.
  • Laut einem Bericht soll der Vater seine Frau und die drei Kinder getötet haben, als sie schliefen.
  • Demnach beantragte der Täter zuvor die Aufnahme in eine Telegram-Gruppe, deren Leiter inzwischen Strafanzeige gegen Bundes- und Landesregierung „wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gemeinschaftlichen Totschlags und Nötigung zum erweiterten Suizid in 5 Fällen“ erstattete.
  • In einem Abschiedsbrief gab der Mann an, Angst vor einer Verhaftung und dem Verlust seiner Kinder gehabt zu haben.

Im Fall der getöteten Familie in Königs Wusterhausen sind langwierige Ermittlungen notwendig. So müsse noch geklärt werden, ob eine im Haus der Familie gefundene Kurzwaffe auch die Tatwaffe sei, sagte Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon. „Da muss überprüft werden, ob die Projektile, die wir am Tatort gefunden haben, aus dieser Waffe abgefeuert wurden“, erläuterte Bantleon. „Diese Überprüfung braucht etwas Zeit.“

Am vergangenen Samstag hatte die Polizei in dem Einfamilienhaus im Ortsteil Senzig fünf Leichen entdeckt - darunter die der drei Kinder im Alter von vier, acht und zehn Jahren. Nach bisherigen Ermittlungen soll der 40 Jahre alte Vater erst die Kinder und seine gleichaltrige Frau und anschließend sich selbst mit einer Schusswaffe getötet haben. Die Kurzwaffe wurde nach Angaben der Ermittler an einer Stelle gefunden, die zum wahrscheinlichen Ablauf des Geschehens passt. Über einen Waffenschein verfügten nach den Erkenntnissen weder der Mann noch seine Ehefrau.

Laut einem Bericht der Zeitung B.Z. erschoss der Täter seine Kinder und seine Frau im Schlaf. "Weil man keine Anzeichen von Gegenwehr wie Blutergüsse, Kratzspuren oder Hautreste unter Fingernägeln bei der Frau und den Kindern fand, gehen die Beamten davon aus, dass sie im Schlaf getötet wurden", heißt es. Danach richtete er sich selbst. Die Cottbuser Staatsanwaltschaft hat diese Erkenntnisse weder bestätigt noch dementiert.

Außerdem heißt es in dem Bericht, dass der Täter in die Telegram-Gruppe „Freiheitsboten Königs Wusterhausen“ aufgenommen werden wollte. Deren Leiter Andreas H. habe laut Brandenburgs Polizei am Montag Strafanzeige gegen Bundes- und Landesregierung „wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gemeinschaftlichen Totschlags und Nötigung zum erweiterten Suizid in 5 Fällen“ erstattet.

Nachdem mehrere Zeitungen darüber berichtet hatten, bestätigte die Kleinpartei "Die Basis", dass der Täter Mitglied gewesen sein. "Die Basis" gilt als parteipolitischer Arm der Querdenker-Szene.

"Völlig verquere" Befürchtungen nach Impfausweis-Fälschung

Am Donnerstagabend gedachten Kirche, Vertreter der Stadt und Anwohner in der Kirche von Senzig der Toten. „Nach einer Tat, die uns fassungslos zurücklässt, bot die Andacht im Kirchgemeindehaus Senzig den Raum, zusammenzukommen und gemeinsam das Erlebte zu verarbeiten“, sagte Bürgermeisterin Michaela Wiezorek (parteilos) dazu am Freitag. Sie rief Bürger und die gesamte Öffentlichkeit auf, die Tat nicht zu instrumentalisieren: „Es ist jetzt wichtig, aufeinander zuzugehen, zuzuhören und uns gemeinsam gegen jede Form von Gewalt zu stellen.“

Die Fahnder hatten in dem Einfamilienhaus einen Abschiedsbrief des Vaters gefunden. Darin teilte der Berufsschullehrer seine Sorge vor einer Verhaftung mit, weil er das Impfzertifikat seiner Frau habe fälschen lassen. Auch habe er befürchtet, man werde ihm die Kinder wegnehmen. Diese Vorstellungen des Mannes hatte Oberstaatsanwalt Bantleon als „völlig verquer“ bezeichnet. Der 40-Jährige war weder polizeilich bekannt, noch war die Familie beim Jugendamt aufgefallen. „Eine Haftstrafe bei einem Ersttäter, das ist völlig undenkbar. Ebenso die Wegnahme der Kinder“, sagte Bantleon.

Der Arbeitgeber der Frau, die Technische Hochschule Wildau, hatte ihr eine Frist für eine Stellungnahme zu ihrem Impfnachweis gesetzt, nachdem Unstimmigkeiten aufgefallen waren. Auch die Hochschule gedachte auf ihrer Webseite der getöteten Mitarbeiterin: „Wir verlieren eine langjährige, sehr geschätzte Kollegin. Ihre lebensfrohe Art wird stets in unserer Erinnerung bleiben.“

Therapeuten im Einsatz

Im Umfeld der Familie sind Psychologen und Notfall-Therapeuten im Einsatz. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hort und Kita, die die Kinder der Familie besucht hätten, sowie die Eltern der dort betreuten Kinder würden begleitet: Im Mittelpunkt stehe dabei „der geschulte Umgang mit traumatischen Erfahrungen und Trauer“ sowie eine Stabilisierung der Menschen, die den Kindern Ansprechpartner sein wollten, teilte die Stadt mit.

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( dpa/cl )