Clan-Kriminalität

Bankeinbruch in Hamburg: Clan-Mitglied in Neukölln verhaftet

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Andreas Gandzior
Polizisten tragen im Oktober 2020 in einer Bankfiliale in Hamburg-Altona einen  Kernbohrer, der nach einem Einbruch vorgefunden wurde. Die Täter hatten am  versucht, unter anderem mit dem Kernbohrer in den Tresorraum der Bankfiliale zu gelangen. Nun wurde ein Verdächtiger in Berlin verhaftet.

Polizisten tragen im Oktober 2020 in einer Bankfiliale in Hamburg-Altona einen Kernbohrer, der nach einem Einbruch vorgefunden wurde. Die Täter hatten am versucht, unter anderem mit dem Kernbohrer in den Tresorraum der Bankfiliale zu gelangen. Nun wurde ein Verdächtiger in Berlin verhaftet.

Foto: dpa

Nach einem Bankeinbruch in Hamburg nehmen Fahnder einen 40-jährigen Libanesen in Neukölln fest. Er stammt aus dem Remmo-Clan.

Berlin. Wie erst am Montag bekannt wurde, haben Berliner Intensivfahnder Mitte November einen 40 Jahre alten Libanesen verhaftet. Er soll im Oktober vergangenen Jahres gemeinsam mit anderen Komplizen versucht haben, mit professioneller Ausrüstung in den Tresor eines Hamburger Geldinstitutes einzubrechen. „Berliner Fahnder haben den Mann Mitte November in seiner Wohnung in Neukölln verhaftet“, sagte ein Sprecher der Hamburger Polizei der Berliner Morgenpost. „Der Verdächtige hat keinen Widerstand geleistet.“

Nach Informationen der Berliner Morgenpost handelt es sich um ein Mitglied der polizeibekannten Großfamilie Remmo. „Der Verdächtige wurde nach seiner Verhaftung nach Hamburg überstellt“, sagte Polizeisprecher Florian Abbenseth von der Hamburger Polizei. „Der Mann wurde einem Haftrichter vorgeführt und sitzt in Hamburg in Untersuchungshaft.“

Bankeinbruch in Hamburg: Mit Kernbohrer bis zum Tresor gelangt

Er und weitere Täter hatten im Keller des Gebäudes mehrere schwere Türen gewaltsam geöffnet und versucht, mit einem Kernbohrer durch die Wand in den Tresor zu gelangen. Die Verdächtigen waren offenbar über eine Tiefgarage in die Bank eingedrungen und dort auch bis vor den Tresor gelangt.

Dort hatten sie versucht, sich mit einem massiven und großen Kernbohrer durch die Wand einen Zugang zum Tresor zu bohren. Es wird vermutet, dass sie bei der Tatausführung gestört wurden und letztlich flüchteten.

Einbruch minutiös geplant

„Die Tat war offenbar minutiös vorbereitet worden“ sagte Abbenseth. „Die Täter hatten unter anderem vorhandene Installationen zur Raumüberwachung manipuliert, um beim Eindringen in das Geldinstitut keinen Alarm auszulösen.“

Im Rahmen der umfangreichen Ermittlungen geriet der 40-jährige Libanese aus Berlin in den Fokus von Polizei und Staatsanwaltschaft in Hamburg. Wegen bestehender Fluchtgefahr erwirkte die Staatsanwaltschaft zum Zwecke der Verfahrenssicherung daraufhin einen Haftbefehl beim zuständigen Ermittlungsrichter.

Ermittler prüfen Zusammenhang mit Millionenraub in Norderstedt

Die Hamburger Ermittler prüfen auch einen Zusammenhang zwischen der Tat in Hamburg im Oktober vergangenen Jahres mit einem spektakulären Bankeinbruch im August dieses Jahres in Norderstedt im Kreis Segeberg bei Hamburg.

Dort waren mehrere Täter zwischen Freitagnacht dem 6. August 2021 und Montag, dem 9. August, durch den Boden einer angemieteten Wohnung in den Tresorraum einer darunterliegenden Bank eingedrungen. Für den Durchbruch durch die Decke verwendeten die Täter ebenfalls einen Kernbohrer.

600 Schließfächer an einem Wochenende aufgebrochen - Belohnung in Höhe von insgesamt 55.000 Euro

Im Tresorraum brachen sie etwa 600 Schließfächer auf. Das war ungefähr die Hälfte der vorhandenen Schließfächer. Die Täter raubten Werte in zweistelliger Millionenhöhe. Nach dem Einbruch legten die Täter ein Feuer in der Wohnung, um ihre Spuren zu beseitigen. Die Wohnung, in der zuvor eine Praxis untergebracht war, wurde von einer Person mit falscher Identität angemietet.

Die Hamburger Sparkasse hat eine Belohnung in Höhe von 50.000 Euro und die zuständige Staatsanwaltschaft Kiel eine in Höhe von 5.000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Ermittlung und Ergreifung der Täter führen. Die Ermittler der Kriminalinspektion Pinneberg suchen insbesondere nach Zeugen, die Angaben zu den Personen auf den Phantombildern beziehungsweise aus den Videoüberwachungen machen können und bitten unter 04101 2020 um sachdienliche Hinweise. Zudem sind die Ermittlungen Bestandteil der Sendung „Aktenzeichen XY...ungelöst“ am 08. Dezember 2021.

Unter folgendem Link veröffentlicht die Landespolizei Schleswig-Holstein Phantombilder und Bilder aus den Überwachungskameras.