Razzia

Vietnamesinnen sollen an Männer vermittelt worden sein

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Andreas Gandzior
Fahrzeuge der Bundespolizei stehen vor einem Wohnhaus an der Landsberger Allee. Die Bundespolizei durchsucht in drei Bundesländern Objekte. Schwerpunkt der Razzien ist Berlin.

Fahrzeuge der Bundespolizei stehen vor einem Wohnhaus an der Landsberger Allee. Die Bundespolizei durchsucht in drei Bundesländern Objekte. Schwerpunkt der Razzien ist Berlin.

Foto: dpa

Eine 52-jährige Vietnamesin soll Scheinvaterschaften vermittelt und schwangeren Vietnamesinnen zum Aufenthaltsrecht verholfen haben.

Berlin. Für die uniformierten Beamten der Bundespolizei war der Großeinsatz gegen die organisierte Schleusungskriminalität am Mittwochnachmittag erfolgreich beendet. Mehrere hundert Bundespolizisten, die bereits am Dienstag nach Berlin kamen, verließen nach ihrem Großeinsatz in den Morgenstunden am frühen Mittwochnachmittag wieder die Hauptstadt Richtung Halle. Doch für die Ermittler der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Halle begann da erst die Arbeit.

„Wir haben in einem angemieteten Objekt eine Bearbeitungsstraße aufgebaut, an der unsere 60 Ermittler die Personalien der Beschuldigten aufnehmen, überprüfen und Fingerabdrücke nehmen“, sagte der Pressesprecher der Bundespolizei Maik Fischer der Berliner Morgenpost. Das gestalte sich zum Teil sehr langwierig, da einige Beschuldigte überhaupt keine Papiere hätten, andere wiederum auch im Besitz gefälschter Dokumente seien. Außerdem müssten zahlreiche Verhöre geführt werden. „Der heutige Großeinsatz mit 650 Beamtinnen und Beamten wird die Ermittler noch den ganzen Tag über in Berlin beschäftigen. Sie werden erst am Donnerstag zurück nach Halle fahren.“

Vorangegangen waren mehrere Razzien mit Schwerpunkt Berlin. Hunderte Bundespolizisten durchsuchten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin 41 Objekte, davon 38 in Berlin. Hier waren die Beamten überwiegend in Bezirken im östlichen Teil der Stadt wie etwa in Lichtenberg und Marzahn im Einsatz. Drei Durchsuchungen gab es auch in Potsdam, Spremberg und in Sondershausen in Thüringen.

Vorwurf: Schwangere Vietnamesinnen an deutsche Männer vermittelt

„Es wird wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern in Form von sogenannten Scheinvaterschaften ermittelt“, sagte Fischer. „Die Maßnahmen richteten sich gegen 18 männliche deutsche sowie 23 weibliche vietnamesische Beschuldigte. Dabei wurden Unterlagen und Smartphones sichergestellt, deren Auswertung andauert.“

Ermittelt wird gegen eine in Berlin wohnhafte 52-jährige vietnamesische Staatsangehörige. Sie soll unerlaubt in Deutschland aufhältige schwangere vietnamesische Frauen gegen Bezahlung an Deutsche vermittelt haben. Bei der Beschuldigten fanden bereits im November 2020 Durchsuchungen der Bundespolizei statt. Sichergestellte Beweismitteln ergaben den Verdacht, dass die 52-Jährige verantwortlich für die Vermittlung von Scheinvaterschaften ist.

Vaterschaften für 5000 bis 15.000 Euro

Bei den Männern handelt sich nicht um die biologischen Väter, noch haben diese Männer je vor, für die Kinder als Vater zu sorgen. Die Vaterschaftsanerkennung führt zur deutschen Staatsangehörigkeit des Kindes in Folge dessen auch die Kindesmutter und gegebenenfalls auch der Ehemann der Kindesmutter ein Daueraufenthaltsrecht in Deutschland erhält. Für die Vermittlung solcher Scheinvaterschaften werden erfahrungsgemäß Beträge zwischen 5000 und 15.000 Euro verlangt, wobei die anerkennenden Scheinväter zwischen 3.000 und 6.000 Euro erhalten sollen.

„Die Männer, die die Vaterschaft anerkennen, wissen in den meisten Fällen überhaupt nicht, was sie da unterschreiben“, erklärte Fischer. „Die sehen nur das Geld, das sie auf einmal erhalten.“ Bei den Männern handelt es sich in den meisten Fällen um bereits polizeibekannte Personen, die wegen Drogen, Waffen oder Gewalt mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Bei einigen von ihnen soll es sich auch um wohnungslose oder psychisch kranke Männer handeln.

Scheinvaterschaften bei Bezirksämtern bekannt

Nach Informationen des RBB ist das Problem dieser Scheinvaterschaften bei den Berliner Bezirksämtern bekannt. Schwerpunkte hier sind Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. Die Vietnamesinnen würden mit Hilfe von Schleuserorganisationen bereits schwanger nach Berlin gebracht werden. Hier würden sie untertauchen, um sich dann im achten Monat der Schwangerschaft, also im Mutterschutz, beim Landesamt für Flüchtlinge zu melden. Für die Anerkennung der Vaterschaft würden Vermittler Scheinväter suchen.

Die Ermittlungen sollen sich auch gegen mehrere Notare in Berlin richten, die die Vaterschaften beurkundet hatten. Durchsuchungen bei Notaren fanden nach Angaben der Bundespolizei am Mittwoch aber nicht statt.

Neben den 41 Beschuldigten machte die Bundespolizei noch einen „Beifang“. Die Beamten nahmen 13 vietnamesische Staatsbürger fest, die ohne Aufenthaltserlaubnis in Deutschland leben. Wie der Pressesprecher der Bundespolizei Fischer sagte, befinden sie sich noch in Gewahrsam. Nach Abschluss der polizeilichen Bearbeitung sollen sie an die zuständige Ausländerbehörde übergeben werden.