Kriminalität

Schlag gegen internationale Kokainschmuggler in Berlin

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Andreas Gandzior
Kokain

Kokain

Foto: Christian Charisius / dpa

Das Kokain wurde von Südamerika nach Deutschland geschmuggelt. Bundeskriminalamt und Berliner Staatsanwaltschaft vollstreckten Haftbefehle.

Berlin. Über mehr als ein Jahrzehnt lang hat eine internationale Bande tonnenweise Kokain aus Südamerika nach Deutschland geschmuggelt. In Berlin und im Umland der Metropole liefen alle Fäden zusammen. Am Dienstag gingen das Bundeskriminalamt (BKA) und die Berliner Staatsanwaltschaft gegen die mutmaßliche Bande von Organisatoren und Logistikern mit Verhaftungen und Durchsuchungen vor. Der Kokainschmuggel soll konspirativ über ein Geflecht von Scheinfirmen abgewickelt und verschleiert worden sein. Die Ermittlungsbehörden sprechen von einem „herausragenden Erfolg“.

220 Polizistinnen und Polizisten des BKA, des Berliner Landeskriminalamtes (LKA), der Polizei in Dortmund sowie Spezialkräfte der Bundespolizei haben am Dienstag mehr als 40 Objekte im In- und Ausland durchsucht und 14 Haftbefehle vollstreckt. Zehn davon in Berlin, ein Verdächtiger wurde auf dem Flughafen in Madrid verhaftet und zwei in Lettland. Gegen einen weiteren Verdächtigen, der bereits in Überführungshaft saß, wurde ebenfalls ein Haftbeschluss erlassen.

Bande hat mehr als ein Jahrzehnt Kokain geschmuggelt

Insgesamt wurden 28 Tatverdächtige im Alter zwischen 22 und 62 Jahren ermittelt. Sie stammen überwiegend aus Deutschland, aber auch aus der Türkei, Griechenland, dem Irak, Georgien, der Ukraine, Lettland und Kolumbien. Wie der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Dienstag mitteilte, wurde intensiv mit den Strafverfolgungsbehörden in Frankreich, den Niederlanden, Lettland und Spanien zusammengearbeitet. „Insgesamt liegen den Ermittlungen etwa 120 gerichtlich angeordnete verdeckte Ermittlungsmaßnahmen wie Telekommunikationsüberwachungen und Observationen zugrunde“, sagte Steltner. „Mehr als 14 Millionen Euro können sichergestellt werden, wenn sie aufgefunden werden.“

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Günter Sohnrey, Leiter der Abteilung für organisierte Rauschkriminalität in Berlin, führten die vollstreckten Haftbefehle zur Zerschlagung einer seit mehr als einem Jahrzehnt unentdeckt international operierenden Gruppierung mutmaßlicher Kokainhändler. Den Beschuldigten wird unter anderem vorgeworfen, an insgesamt neun Kokainlieferungen mit einem Umfang von knapp fünf Tonnen Kokain beteiligt gewesen zu sein. Zudem konnten potenzielle Kokainabnehmer in Berlin identifiziert werden.

Brasilianische Ermittler stellen 690 Kilogramm Kokain sicher

Begonnen hatten die Ermittlungen des BKA im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin im November 2018. Im Hafen von Santos in Brasilien wurden von den dortigen Sicherheitsbehörden 690 Kilogramm Kokain sichergestellt, Verkaufswert laut Staatsanwaltschaft ungefähr 140 Millionen Euro. Adressiert war die Lieferung an eine Firma in Berlin. Das Rauschgift war in Stahlpaletten eingeschweißt, auf denen Stahlplatten verschifft wurden. Daher spricht die Berliner Staatsanwaltschaft auch vom „Stahlträgerverfahren“. Die Ermittlungen des BKA führten zu einer professionellen Bande, die sich 2011 zusammengeschlossen hatte.

Ehemaliger Stasioffizier an Firmengeflecht beteiligt

Über hauptsächlich in Berlin und dem Umland gegründete Scheinfirmen wurde das Kokain nach Deutschland geschmuggelt. Die Beschuldigten sollen laut BKA über diese Firmen auch Corona-Subventionen erschlichen und illegale Gelder gewaschen haben. Dabei sollen auch ein ehemaliger Stasi-Offizier und die Niederlassung eines Kölner Versicherungskonzerns in Kreuzberg beteiligt gewesen sein.

( AFP/dpa )