Kriminalität

Razzia gegen vietnamesische Schleuserbande in Berlin

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Zehn Wohnungen wurden während der Razzia durchsucht.

Zehn Wohnungen wurden während der Razzia durchsucht.

Foto: Peise

Bei der Razzia wurden zehn Wohnungen und Geschäfte im Dong Xuan Center durchsucht. Ein Mann wurde festgenommen.

Berlin. Die Bande soll in großem Stil falsche Vaterschaftsanerkennungen deutscher Männer für Aufenthaltsgenehmigungen vietnamesischer Frauen organisiert haben. Am Dienstagmorgen schlug die Polizei in Berlin mit einer Razzia gegen die vietnamesisch-deutsche Schleuserbande zu. Polizisten durchsuchten 13 Wohnungen und Geschäfte, wie die Bundespolizei mitteilte. Der 65 Jahre alte mutmaßliche Kopf der Bande wurde gefasst, gegen ihn lag nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Haftbefehl vor.

Die Bundespolizei sprach von rund 80 Fällen falscher Vaterschaften, die nachweisbar seien. Weitere Fälle könnten sich aus beschlagnahmten Unterlagen ergeben. Bei diesem laut Polizei verbreiteten Betrugsmodell erkennen deutsche Männer die Vaterschaft bei schwangeren Vietnamesinnen an. Die Männer bekommen dafür Bargeld, aber eher „geringe Beträge“, etwa im unteren vierstelligen Bereich.

Bei der Razzia wurden zehn Wohnungen in verschiedenen Bezirken durchsucht

Die Vaterschaftsanerkennung wird von einem Notar beglaubigt, das Kind erhält nach der Geburt die deutsche Staatsbürgerschaft und die Mutter eine Aufenthaltsberechtigung. Die angeblichen Väter haben oft kein festes Einkommen und kommen laut Polizei aus dem „Trinkermilieu“, so dass bei ihnen kein Unterhalt eingefordert werden kann.

Der Einsatz von Bundespolizei, Berliner Polizei und dem Finanzamt begann um 6.00 Uhr und dauerte bis weit in den Vormittag. Durchsucht wurden zehn Wohnungen vor allem in Lichtenberg, aber auch in Marzahn-Hellersdorf, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Steglitz-Zehlendorf, sowie drei Geschäfte im Dong Xuan Center in Lichtenberg.

Erst im März wurde eine Schleuserbande gefasst

Erst im März hatte die Bundespolizei eine andere deutsch-vietnamesische Schleuserbande gefasst. Die Verdächtigen sollen Vietnamesinnen, die illegal nach Deutschland kamen, zur Prostitution in illegalen Bordellen gezwungen haben, um Schleuserlöhne zu bezahlen. Auch die damaligen Verdächtigen sollen Vaterschaftsanerkennungen und Scheinehen geschlossen haben, um einen legalen Aufenthaltsstatus zu erlangen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte Berlin als „Dreh- und Angelpunkt“ vietnamesischer Menschenhändler in Westeuropa bezeichnet. Von zentraler Bedeutung sei dabei das große Dong Xuan Center mit vielen vietnamesischen Geschäften im Bezirk Lichtenberg.

( dpa )