Kriminalität

Schöneberg: Angriff auf Polizei bei Kiez-Demonstration

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In Schöneberg sind am Sonntag Polizisten bei einer Auseinandersetzung auf einem Spielplatz und bei einer Demonstration verletzt worden.

In Schöneberg sind am Sonntag Polizisten bei einer Auseinandersetzung auf einem Spielplatz und bei einer Demonstration verletzt worden.

Foto: dpa

Zwischen Demonstranten und der Polizei ist es in Schöneberg zu einer Auseinandersetzung gekommen. Mehrere Beamte wurden verletzt.

Berlin. Im Umkreis eines Straßenfestes auf der Roten Insel in Schöneberg ist es am Sonntagnachmittag zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Teilnehmern und der Polizei gekommen. Nachdem Polizisten einen Verdächtigen wegen einer Sachbeschädigung auf einem Spielplatz in der Mansteinstraße festgenommen hätten, seien sie von mehreren Menschen angegriffen worden, sagte eine Polizeisprecherin am Montag. Es werde wegen Widerstands und Körperverletzung ermittelt.

Das Rote Insel Fest, nach Angaben des Veranstalters eine Mischung aus Demonstration, Konzert und Workshops, fand am Sonntag in der Mansteinstraße unter dem Titel „Kiezkultur von unten – für eine solidarische Nachbarschaft“ statt. Nach einem Bericht der Zeitung „B.Z.“ zeigt ein Video wie eine Menschenmenge „Ganz Berlin hasst die Polizei“ ruft und Polizisten mit Flaschen bewirft.

Schöneberg: Polizei flieht vor aggressiver Menschenmenge

Die Polizei selbst sprach am Montag von etwa 40 Menschen, die die Beamten durch Wegschieben bedrängt hätten. Eine Frau soll einen Beamten aus der Menschenmenge heraus geschlagen haben. Ein anderer Teilnehmer verhinderte, dass die Polizei die Frau festnehmen konnte, und wurde daraufhin selbst in Gewahrsam genommen. Zwei weitere Beamte seien durch Schläge und Tritte verletzt worden, teilte die Polizei mit. Die Polizisten setzten Reizgas ein, zogen sich angesichts der aggressiven Menschenmenge aber zurück, wie es vonseiten der Berliner Polizei hieß.

Das linke Jugendzentrum „Potse“, das sich laut seiner Twitter-Beiträge an der Veranstaltung beteiligt hatte, sprach auf dem Kurznachrichtendienst von „Polizeigewalt“. Eine Person sei „brutal“ festgenommen worden. Behauptet wurde außerdem, der Einsatz habe „aufgrund einer fragwürdigen Unterstellung einer Ordnungswidrigkeit“ stattgefunden.

GdP kritisiert: Gewalt gegen Polizei oft akzeptiert

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hingegen kritisierte, Gewalt gegen Polizisten werde „in einzelnen Teilen der Gesellschaft als völlig legitim“ angesehen. GdP-Sprecher Benjamin Jendro schrieb auf Twitter: „Es ist entsetzlich, dass sie anscheinend nicht mal auf einem Kinderspielplatz ihrer Arbeit nachgehen können, ohne dass Flaschen fliegen, ein wild gewordener Mob sie aus dem Park jagt und einem am Boden liegenden Kollegen mehrfach gegen den Kopf getreten wird.“

Am Montag meldete sich auch die CDU zu Wort. Der Vorsitzender der Berliner CDU, Kai Wegner, sagte: „Die Gewaltexzesse der Linksextremisten in Schöneberg verschlagen einem die Sprache.“ Er kritisierte vor allem, dass auf einen am Boden liegenden Beamten eingetreten worden sein soll. Die Polizei Berlin bestätigte diesen Vorfall am Montag jedoch zunächst nicht. Weitere Ermittlungen liefen derzeit.

Wegner: "Senat muss linken Gewaltmob stoppen"

„Dieses Ausmaß von Menschenverachtung hat in unserer Stadt nichts zu suchen“, so Wegner. „In jeder Uniform steckt ein Mensch.“ Der rot-rot-grüne Senat habe zu lange seine schützende Hand über die linksextreme Szene gehalten. „Der Senat muss den linken Gewaltmob endlich stoppen.“

Ähnlich scharf fällt die Kritik von Tempelhof-Schönebergs Kulturstadtrat und CDU-Bezirksbürgermeisterkandidat Matthias Steuckardt aus. „Dass Polizisten von einem Mob geprügelt und durch die Straßen gejagt werden, ist das Ergebnis jahrelanger Verharmlosung und Untätigkeit des rot-rot-grünen Senats.“ Er fordere politische Konsequenzen.

Schuld sieht Steuckardt auch bei Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD), die „nichts gegen die Besetzung der ‚Potse‘ und die Entwicklung gewaltbereiter Strukturen im Umfeld des Jugendclubs unternommen hat“, so Steuckardt.

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( jle/dpa )