Organisierte Kriminalität

Neukölln lässt Zaun durch Remmo-Grundstück ziehen

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Andreas Gandzior
Um sechs Uhr erschien die Polizei vor der Remmo-Villa. Die Beamten durchsuchten bis in die Mittagsstunden drei Etagen des Gebäudes.

Um sechs Uhr erschien die Polizei vor der Remmo-Villa. Die Beamten durchsuchten bis in die Mittagsstunden drei Etagen des Gebäudes.

Foto: BM

Am Donnerstag gab es einen SEK-Einsatz in der denkmalgeschützten Villa. Für das Bezirksamt schützte die Polizei zudem Bauarbeiter.

Berlin. Am Donnerstagmorgen bekam die polizeibekannte Familie Remmo in Neukölln erneut Besuch von der Polizei. Gegen sechs Uhr früh stürmten 75 Einsatzkräfte auf das Grundstück. Unter ihnen waren auch Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK), da die Ermittler scharfe Schusswaffen in dem 2018 vom Staat konfiszierten Wohnhaus vermuteten.

Wie eine Polizeisprecherin mitteilte, ging es bei dem Einsatz am Donnerstagmorgen um eine Bedrohung mit einer möglicherweise scharfen Schusswaffe zwischen einzelnen Familienmitgliedern. Der Vorfall soll sich laut Polizei im März dieses Jahres zugetragen haben. Die Durchsuchungen der drei Etagen in der Villa dauerten bis in die Mittagsstunden an. Eine scharfe Schusswaffe wurde nicht gefunden, dafür aber wurden eine Schreckschusspistole und weiteres Beweismaterial sichergestellt, wie die Morgenpost aus Polizeikreisen erfuhr. Zudem soll es im Rahmen der Durchsuchungen zu einer Widerstandshandlung gegen Polizisten gekommen sein.

„Neben der Durchsuchung waren wir auch in Amtshilfe für das Bezirksamt Neukölln im Einsatz“, sagte eine Polizeisprecherin. „Auf dem Grundstück soll eine Firma einen Zaun errichten, bei diesem Vorhaben unterstützen wir den Bezirk Neukölln.“ Eine Hälfte des Doppelgrundstücks der Großfamilie sollte mit einem Zaun abgetrennt werden. Zeugen beobachteten, wie die Bauarbeiter unter Polizeischutz die Zaunelemente auf das Grundstück trugen und dort errichteten. Offenbar aus Angst vor Repressalien hatte die Zaunbaufirma die Kennzeichen ihrer Fahrzeuge überklebt. Auch Firmenlogos auf den Transportern sollen laut Zeugen unkenntlich gemacht worden sein.

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Die denkmalgeschützte Villa, in der Familienoberhaupt Issa Remmo lebt, sowie die beiden zugehörigen Grundstücke wurden 2018 vom Staat beschlagnahmt, da sie laut Gerichtsurteilen nicht mit legalem Geld gekauft wurden. Die Berliner Staatsanwaltschaft ließ im Juni 2018 insgesamt 77 Immobilien aus dem Umfeld der deutsch-arabischen Großfamilie, darunter jene in Alt-Buckow, vorläufig konfiszieren. Es steht der Verdacht im Raum, dass die Immobilien mit Geld aus kriminellen Machenschaften erworben worden sind. Der Wert der Grundstücke und Häuser soll sich auf rund zehn Millionen Euro belaufen. Zudem waren im April 2019 die Einnahmen aus der Vermietung von 45 der Immobilien richterlich beschlagnahmt worden. Nachdem das Kammergericht eingereichte Beschwerden gegen die Einziehung zurückgewiesen hat, gehört die Immobilie seit Herbst 2020 endgültig der Stadt Berlin.

Laut „Tagesspiegel“ soll die Villa aber weiterhin von Familienmitgliedern genutzt werden, da es einen Mietvertrag innerhalb der Familie gegeben haben soll, der nach der Beschlagnahmung an den Bezirk fiel, aber weiter gelte. So war Clan-Boss Issa Remmo am Donnerstagmorgen im Garten des Hauses zu sehen.

Das zweite Grundstück soll davon aber nicht erfasst sein. Daher ließ der Bezirk Neukölln es am Donnerstag mit einem Zaun abtrennen und entzog es so der Nutzung durch die Familie. Laut Polizei sollten die Baumaßnahmen bis gegen 17 Uhr abgeschlossen sein. Weitere Polizeieinsätze im Garten der Clan-Villa sind auch in Zukunft zu erwarten. Denn auf der Agenda des Bezirksamts steht noch der Abriss eines illegal errichteten Flachbaus auf dem Grundstück der stadtbekannten Familie in Alt-Buckow. Der Flachbau war im Jahr 2018 ohne Genehmigung im Garten des rund 500 Quadratmeter großen, denkmalgeschützten Anwesens errichtet worden.

Bezirksamt Neukölln muss sich um den Abriss kümmern

Darüber beschwerten sich Anwohner. So berichtete ein Morgenpost-Leser, dass er einen Bauantrag für die Errichtung eines Carports eingereicht habe, dieser aber abgelehnt wurde. Er frage sich nun, ob er auch einfach den Carport bauen solle, da es sowieso keine Konsequenzen habe, wie er am Beispiel von Familie Remmo ein paar Straßen weiter sehe.

Im Oktober vergangenen Jahres hatten Mitarbeiter der Bau- und Wohnungsaufsicht des Bezirksamts den Flachbau besichtigt. „Der Flachbau muss rückgebaut werden, es besteht auch kein Ermessensspielraum“, teilte der Sprecher von Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD), Christian Berg, im Oktober mit. Der zuständige Fachbereich erarbeite derzeit das entsprechende Rückbauverfahren, hieß es im vergangenen Jahr. Für den Rückbau kann in diesem Fall aber nicht mehr die Familie Remmo in die Pflicht genommen werden. Da die Immobilie der Stadt gehört, muss sich nun das Bezirksamt um den Abriss kümmern.