Prenzlauer Berg

75-Jährige erstochen: Nachbar kommt in Psychiatrie

| Lesedauer: 3 Minuten
Andreas Gandzior
Ein Streifenwagen der Polizei steht mit eingeschaltetem Blaulicht an einem Einsatzort.

Ein Streifenwagen der Polizei steht mit eingeschaltetem Blaulicht an einem Einsatzort.

Foto: dpa

Eine Seniorin ist in ihrer Wohnung in Prenzlauer Berg erstochen worden. Die Polizei nahm einen 20 Jahre alten Nachbarn fest.

Berlin. Im Fall der erstochenen 75-jährigen Frau in Prenzlauer Berg wird der tatverdächtige Nachbar in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden. Die Staatsanwaltschaft habe die einstweilige Unterbringung erwirkt, teilte die Behörde am Sonntag per Twitter mit. Der 20 Jahre alte Tatverdächtige wurde einem Haftrichter vorgeführt, der diese Entscheidung getroffen hatte. Diese Entscheidung lässt die Vermutungen zu, dass es sich bei dem Mann um eine psychisch Kranke und suchtkranke Person handelt, die schuldunfähig oder vermindert schuldfähig ist.

Der Mann hatte sich am Freitag gegen 20.10 Uhr gewaltsam Zutritt zu der Wohnung seiner 75-jährigen Nachbarin an der Oderbruchstraße verschafft. Dort stach der Mann nach Angaben der Berliner Polizei dann mit einem Messer auf die Frau. Die Seniorin starb noch in ihrer Wohnung, der Tatverdächtige flüchtete zunächst.

Während die Polizeibeamten in der Wohnung am Tatort waren, standen zwei Reporter, ein Mitarbeiter der Berliner Morgenpost und ein Mitarbeiter der „B.Z.“, an der Absperrung. „Wir haben plötzlich einen Mann bemerkt, der angekleidet, aber barfuß direkt auf uns zugelaufen kam“, berichtete der Morgenpost-Mitarbeiter am Sonnabend. „Er machte einen schockierten Eindruck, sagte kein Wort, blieb vor uns stehen und hob beide Hände in die Luft.“

Sie forderten den offenbar verwirrten Mann auf, sich sofort auf den Boden zu legen. Beide Reporter hatten gesehen, dass er keine Waffe in den Händen hielt. „Hätten wir gesehen, dass der Mann bewaffnet ist, hätten wir das nicht gemacht“, betonte der Morgenpost-Mitarbeiter am Sonnabend.

Noch keine Informationen zum Motiv des Täters

Der „B.Z.“-Reporter rief dann laut nach den Polizeibeamten, die sich in der Wohnung der Seniorin aufhielten. Ein bewaffneter Polizeibeamter kam umgehend aus dem Wohnhaus gelaufen, kniete sich auf den Tatverdächtigen und legte ihm die Handschellen an.

Beide Journalisten waren noch bis etwa 2.30 Uhr am Tatort und wurden von den Ermittlern der Mordkommission befragt. Die Berliner Polizei machte am Sonnabend keine näheren Angaben zum Verbleib des Messers und wollte auch noch nicht über mögliche Motive dieser Tat sprechen.

Kriminalität 2020 in Berlin - die Statistik im Detail