Neukölln

Verfolgungsfahrt - Ermittlungen auch gegen Polizisten

Ein mit hoher Geschwindigkeit davonrasendes Auto rammte eine Zivilstreife. Fünf Polizisten und eine weitere Person wurden verletzt.

Wie Raser Berlin terrorisieren

In Berlin kommt es immer häufiger zu schweren Unfällen durch Raser und illegale Autorennen. Der Morgenpost liegen Videos vor, die die gefährlichen Fahrten zeigen.

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Berlin. Es waren Szenen wie aus einem Actionfilm: Mit hoher Geschwindigkeit und eingeschaltetem Blaulicht fuhren zahlreiche Polizeiautos am Dienstagabend durch ein Neuköllner Wohngebiet mit engen Straßen. Menschen standen auf ihren Balkonen und beobachteten die Szenerie. Dann ein lauter Knall, Geschrei und plötzlich Ruhe.

Das, was da passierte, war eine Verfolgungsfahrt, an deren Ende fünf Beamte und ein 20 Jahre alter Mercedes-Fahrer verletzt und mehrere Anzeigen gefertigt wurden sowie ein Beamter sich mit dem Vorwurf der Körperverletzung im Amt konfrontiert sieht. Er wurde von einem Kollegen angezeigt.

Verfolgungsfahrt durch Neukölln - die Bilder

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Neukölln: Mercedes-Fahrer flüchtet mit hoher Geschwindigkeit durch Wohngebiet

Was war passiert? Der Autofahrer war gegen 19.30 Uhr mit hoher Geschwindigkeit vor einem Einsatzfahrzeug geflüchtet. Den Beamten war der Mercedes mit einem Münchener Kennzeichen auf der Hermannstraße wegen seiner unsicheren Fahrweise und mehrerer Spurwechsel aufgefallen. Die Beamten wollten den Wagen stoppen, woraufhin der Fahrer Gas gab.

Er fuhr in hohem Tempo über Thomasstraße, Mittelweg, Morus-, Werbellin- und Herrfurthstraße, Schillerpromenade, Fontane- und Mahlower bis zur Lichtenrader Straße. An der Ecke Lichtenrader und Selchower Straße stellte sich eine Zivilstreife quer auf die Fahrbahn, um dem Mercedes den Weg abzuschneiden. Das Fahrzeug kollidierte mit dem Polizeiauto. Ein folgender Funkwagen konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und fuhr von hinten auf den Mercedes auf. Die beiden Insassen wollten anschließend zu Fuß flüchten. Den 20-Jährigen konnten die Beamten fassen. Er soll dabei erheblichen Widerstand geleistet haben. Dem Beifahrer gelang die Flucht.

Verfolgungsjagd durch Neukölln: Nach der Festnahme Waffen und Drogen entdeckt

Der 20-Jährige hatte keinen Führerschein. Bei seiner Durchsuchung fanden die Beamten ein Messer und mutmaßliche Drogen. In dem Fluchtfahrzeug wurde zudem eine Machete entdeckt.

Der Einsatzort wurde am Abend mit Flatterband abgesperrt. Mehrere Polizeifahrzeuge und Rettungswagen waren vor Ort. Die Polizei erweiterte den Sperrkreis rund um den Unfallort, um Schaulustige fernzuhalten. Einen Zusammenhang mit dem Juwelen-Diebstahl im Grünen Gewölbe in Dresden schloss ein Polizeisprecher gegenüber der Berliner Morgenpost nach derzeitigem Kenntnisstand aus.

Raser-Crash in Neukölln: Fünf Polizisten und der Mercedes-Fahrer verletzt

Der 20-Jährige wurde bei der Kollision leicht verletzt, ebenso zwei Polizisten in einem Einsatzwagen und drei Zivilfahnder. Alle Verletzten wurden in Krankenhäusern ambulant behandelt. Bei dem Tatverdächtigen wurde dabei auch eine Blutentnahme durchgeführt.

Die verletzten Beamten mussten laut Polizei ihren Dienst beenden. Nach den polizeilichen Maßnahmen wurde der 20-Jährige entlassen. Gegen ihn wurden Ermittlungsverfahren unter anderem wegen des Verdachts des verbotenen Kraftfahrzeugrennens, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und gegen das Waffengesetz eingeleitet. Bei dem Mercedes handelte es sich nach Polizeiangaben um einen Mietwagen.

Bei der Festnahme des 20-Jährigen soll es durch die Beamten zu unrechtmäßiger Anwendung von körperlicher Gewalt gekommen sein. Wie die Polizei mitteilte, zeigte ein Beamter dies an. Nun laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt.

Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Benjamin Jendro, schrieb beim Kurznachrichtendienst Twitter: „Es gibt leider immer wieder Leute, die Straftaten begehen und sich dafür nicht zur Rechenschaft ziehen lassen wollen. Wünsche den fünf verletzten Kollegen alles Gute."