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Neuer Vandalismus-Fall auf Museumsinsel

Die große Granitschale vor dem Alten Museum im Lustgarten wurde beschmiert. Die Polizei nahm Personalien von Verdächtigen auf.

Die große Granitschale vor dem Alten Museum ist beschmiert worden.

Die große Granitschale vor dem Alten Museum ist beschmiert worden.

Foto: Stefan Müchler / SPK / dpa

Auf der Berliner Museumsinsel ist es erneut zu einem Fall von Vandalismus gekommen. Dabei wurde eine große Granitschale im Lustgarten vor dem Alten Museum beschmiert, wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Samstag mitteilte. Ein Zeuge habe gegen 23.30 Uhr die Polizei gerufen, sagte eine Polizeisprecherin. Er habe beobachtet, wie aus einer Gruppe von rund 10 bis 15 Personen die Schale mit Farbe beschmiert wurde. Polizisten nahmen kurze Zeit später einen 17- und 21- Jährigen vorläufig fest. Ihre Personalien wurden aufgenommen und Strafermittlungen wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung eingeleitet. Der 21-Jährige konnte seinen Weg im Anschluss fortsetzen, der 17-Jährige wurde seinen Eltern übergeben.

Als Sicherheitsmitarbeiter gegen 1.30 Uhr die Schmierereien fotografieren wollten, stellten sie noch weitere Graffitis fest. Die Schriftzüge haben keinerlei politische Botschaft, teilte die Polizei mit. Einen Zusammenhang zu anderen Kunstschäden, die vor einigen Tagen bekanntgeworden waren, sehen die Ermittler derzeit nicht. Natürlich würden solche Fälle geprüft. „Es gibt derzeit erstmal keine Hinweise auf einen Zusammenhang“, sagte die Polizeisprecherin.

Mehr als 60 Objekte mit einer Flüssigkeit beschädigt

Am Mittwoch war öffentlich geworden, dass Unbekannte in drei Berliner Museen am 3. Oktober mehr als 60 Objekte mit einer Flüssigkeit beschädigt hatten. Betroffen waren das Neue Museum, das Pergamonmuseum und die Alte Nationalgalerie. Die Hintergründe sind weiter unklar. „Da dauern die Ermittlungen an“, sagte die Polizeisprecherin.

Die beschmierte Schale soll nun von einem Restaurator überprüft werden. Der Architekt Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) habe die Schale einst anfertigen lassen, sagte der Direktor der Antikensammlung, Andreas Scholl.

Kleinere Beschmierungen habe es immer mal wieder gegeben, aber nicht in diesem Ausmaß. Im Sommer hätten sich öfter Menschen auf der Museumsinsel zu Demonstrationen, aber auch zu Partys getroffen. Es sei dann „bergeweise Müll“ hinterlassen worden.

Parzinger fordert stärkeren Schutz von Kulturobjekten und Debatte

Stiftungspräsident Hermann Parzinger forderte nicht nur einen stärkeren Schutz von Kulturobjekten, sondern auch eine gesellschaftliche Debatte. „Die markante und weltberühmte Granitschale vor dem Alten Museum ist auf fürchterliche Weise beschmiert worden“, sagte er. Die Schale sei im Eigentum Berlins, werde aber von der Stiftung konservatorisch betreut.

„Es ist jetzt nicht mehr zu leugnen: Die Kultur wird angegriffen“, sagte Parzinger der Deutschen Presse-Agentur. „Wir brauchen jetzt nicht nur verstärkten Schutz für unsere Schätze, wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte darüber, wie wir unsere kulturellen Werte verteidigen“, forderte der Stiftungspräsident.

Nach den Attacken auf Kunstobjekte der Museumsinsel vom 3. Oktober sucht die Polizei weiter nach dem Täter, das Fachkommissariat für Kunstdelikte im Landeskriminalamt ermittelt. Wie groß der Schaden ist, war zunächst unklar. „Die Diagnosen stehen, jetzt beginnen die Einzeltherapien“, sagte Christina Haak, stellvertretende Generaldirektorin Museen, am Donnerstag der dpa. Die Schäden waren unter Verweis auf ermittlungstaktische Gründe erst knapp drei Wochen später öffentlich gemacht worden.

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