Am Juliusturm

Bombe in Spandau entschärft - Sperrungen werden aufgehoben

In Spandau ist eine Bombe entschärft worden. Es gab massive Behinderungen im Auto- und U-Bahnverkehr sowie am Flughafen Tegel.

Die Bombe wurde am Montag nahe dem U-Bahnhof Haselhorst gefunden und am Dienstag entschärft.

Die Bombe wurde am Montag nahe dem U-Bahnhof Haselhorst gefunden und am Dienstag entschärft.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Serivces

Berlin.  Gegen 13.30 Uhr konnte die Berliner Polizei Vollzug melden: Die nahe dem U-Bahnhof Haselhorst gefundene Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde erfolgreich entschärft. Nachdem die drei Polizeifeuerwerker zunächst den Zünder des Blindgängers entfernt hatten, wurde dieser anschließend kontrolliert vor Ort gesprengt. Die Entschärfung verlief ohne Komplikationen. „Es war ein ganz normaler Ablauf“, sagte Thomas Grabow, der als Polizeifeuerwerker gemeinsam mit seinen Kollegen Thomas Mehlhorn und Matthias Kotulla die Entschärfung durchgeführt hatte. Drei Feuerwerker, das sei die Mindestbesetzung bei solch einem Einsatz, sagte Grabow. In dem Fall sei das coronabedingt sowie der Einsatzbelastung geschuldet gewesen. Insgesamt waren rund 200 Polizisten sowie 50 Kräfte der Feuerwehr an dem Einsatz am Dienstag beteiligt.

Die amerikanische Bombe war nahe der Kreuzung von Daumstraße und der Straße Am Juliusturm am Montagnachmittag bei Bauarbeiten entdeckt worden. Sie habe sich zwischen dem dortigen altem und neuem Umspannwerk befunden, sagte Polizeieinsatzleiter Andreas Kirsten. Ursprünglich habe die Fliegerbombe einmal 500 Kilogramm gewogen. Jetzt, bei ihrer Entschärfung, war es deutlich weniger, weil nur noch ein Teil der Bombe gefunden wurde. „Der andere Teil ist damals detoniert“, erklärte Grabow, solche Funde kämen relativ häufig vor. Dennoch war auch die in Haselhorst entdeckte Hälfte der Bombe noch gefährlich, weil sich an ihr der Zünder befand. Und: „100 bis 120 Kilogramm Sprengstoff waren noch enthalten“, sagte der Feuerwerker.

Feuerwehr muss eine Corona-Erkrankte evakuieren

Bereits gegen acht Uhr am Morgen hatte deshalb die Evakuierung der Anwohner und Gewerbetreibenden in einem Sperrkreis von 350 Meter um den Fundort begonnen. Gut 4400 Menschen leben in dem Gebiet; Lautsprecheransagen wiesen sie daraufhin, den Sperrkreis zu verlassen. Zudem wurden Anwohner der Polizei zufolge auch persönlich aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Laut Einsatzleiter Kirsten verlief die Evakuierung ohne größere Hindernisse.

Für Anwohner standen zwei BVG-Busse sowie zwei Wärmebusse der Feuerwehr am Oberstufenzentrum TIEM bereit. Die Feuerwehr musste lediglich acht Personen rettungsdienstlich aus ihren Wohnungen bringen, weil diese etwa Einschränkungen beim Gehen haben. Hinzukam der Fall einer Anwohnerin, die an Covid-19 erkrankt ist. „Sie wurde mit dem Rettungswagen in eine Behandlungsstelle für Corona gebracht“, sagte Feuerwehrsprecher Dominik Pretz. Die Kollegen seien für solche Fälle inzwischen alle geschult. Später unterstützte die Feuerwehr die Polizei zudem beim Transport von kontaminiertem Erdmaterial. Weil sich viel im Vorfeld planen ließe, verliefen solche Einsätze bei Entschärfungen für die Feuerwehr meist ruhig, sagte Pretz. So auch in diesem Fall.

Aber nicht nur für Anwohner, auch für den Verkehr brachte die Entschärfung Einschränkungen mit sich. Die Straße Am Juliusturm, die in die Nonnendammallee mündet, ist eine der Hauptstrecken, die von Spandau ins Zentrum führen, auch Pendler aus dem Umland, die etwa aus dem Norden über die Daumstraße weiter in die Innenstadt wollen, kommen hier entlang. Sperrungen gab es an der Straße Am Juliusturm und der Nonnendammallee zwischen Falkenseer Platz und Paulsternstraße, außerdem an der Daumstraße in beiden Richtungen zwischen Rhenaniastraße und Ferdinand-Friedensburg-Platz. Die Verkehrsinformationszentrale empfahl, den Bereich weiträumig zu umfahren, dennoch kam es am Vormittag zu Staus.

Bombe soll bei Großsprengungen in Grunewald vernichtet werden

Auch der U-Bahn-Verkehr war für mehrere Stunden unterbrochen. Zwischen den Stationen Rathaus Spandau und Rohrdamm fuhren keine Züge der Linie U7. Die Buslinien X33, X36, 133 und 236 waren ebenfalls betroffen und fuhren verkürzte oder veränderte Strecken. Zudem gab es Einschränkungen beim Flugverkehr. Am Flughafen Tegel – in der Luftlinie nur circa drei Kilometer vom Fundort der Bombe entfernt – waren von 11 bis 13.30 Uhr keine Landungen möglich.

Für den Rest der Bombe aus Haselhorst führt der Weg nach der Entschärfung nun zum Sprengplatz Grunewald. Dort führt die Berliner Polizei jährlich im Herbst Großsprengungen durch, bei denen Munition vernichtet wird. Das soll laut Grabow auch in diesem Jahr der Fall sein. „Dabei wird der Rest der Bombe wahrscheinlich mitvernichtet“, sagte er. „Dann ist sie wirklich nicht mehr da.“